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"Insgesamt geht das Konzept Geothermie 2.0 auf" - ein halbes Jahr Betriebserfahrung mit dem Kraftwerk in Insheim

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08 | 2013

Vor rund einem halben Jahr ist das zweite Geothermiekraftwerk im Oberrheingraben in Insheim in der Pfalz nach fünfjähriger Bauzeit ans Netz gegangen.

Das Informationsportal Tiefe Geothermie sprach mit dem Geschäftsführer des Betreibers Pfalzwerke geofuture, Dr. Christian Lerch, über die Akzeptanz in der örtlichen Bevölkerung, die seismischen Begleit-erscheinungen und, ob das Konzept „Geothermie 2.0“ bislang aufgeht.

 

Gleich zu Beginn des Betriebs haben Sie die Bevölkerung zu einem großen Einweihungsfest eingeladen. Wie ist der Festakt angekommen?

Die Insheimer haben das Angebot, das Kraftwerk kennen zu lernen, gerne angenommen. Ich schätze, dass wir etwa 300 Besucher hatten. Die Stimmung war gut, aber bei den zehn bis zwölf Führungen über das Kraftwerksgelände gab es natürlich auch kritische Fragen. Auch Unmut darüber, dass man jetzt in einer bisher wenig industrialisierten Region plötzlich eine Industrieanlage habe. Aber dank der Erfahrungen von Nachbarn der Anlage konnten Befürchtungen zum Beispiel bezüglich des Lärms direkt ausgeräumt werden. Zudem war es für viele spannend, mehr über die Technik der Anlage zu erfahren. Ich würde nicht so weit gehen, zu sagen, dass die Insheimer das Kraftwerk als „ihr“ Projekt sehen. Aber sie haben sich auf jeden Fall darauf eingelassen.

Werden die Insheimer bald auch von geothermischer Nahwärme profitieren können?

Die Wärmeauskopplung ist auf jeden Fall vorgesehen. Aber es ist noch kein Wärmenetz vorhanden. Die Gemeinde beschäftigt sich derzeit damit, wie man es finanzieren könnte. Man hat definitiv Interesse und ist dran, die Probleme in Angriff zu nehmen.

Direkt nach der Inbetriebnahme sind induzierte seismische Ereignisse mit einer Magnitude von bis zu 1,8 gemessen worden. An der Oberfläche war das nicht spürbar, aber für die Kritiker waren diese Ausschläge natürlich ein gefundenes Fressen. War das erwartet worden?

Auf jeden Fall. In der Phase der Reservoirausbildung sind solche Ereignisse ganz normal und letztlich auch erwünscht - auch mit dieser Magnitude. Wir hatten die Insheimer in einem Rundschreiben sogar darauf vorbereitet, dass es während dieser Phase, die etwa ein halbes Jahr dauert, zu leichten Erschütterungen kommen kann. Allerdings gibt es in Insheim sehr viel weniger Ereignisse als in der Anfangsphase des Kraftwerks in Landau, wo wir mehrere 100 seismische Ereignisse registriert hatten. Das liegt zum einen an der Geologie und zum anderen an der Gabelbohrung. Aktuell liegt der Kopfdruck der Injektionspumpe bei nur 1,2 bar, die Bohrung schluckt das Wasser also fast von alleine. Wir glauben nicht, dass das so bleiben wird, hätten aber natürlich auch nichts dagegen.

Am 17. Februar gab es dann erstmals eine hör- und spürbare Erschütterung in Insheim aufgrund des Kraftwerkbetriebs. Was war die Ursache?

Durch einen plötzlichen ungeplanten Stopp des Kraftwerks nach einem Pumpendefekt wurden unser Reservoir mehr belastet, als wir das geplant haben. Einige Tage nach dieser Bremsung kam es dann zu einer Entlastungsreaktion des Gebirges, die spürbar war. Wir haben inzwischen einen Teil der Steuerung überarbeitet, damit es nicht mehr zu solch abrupten Situationen kommen kann. Die Reparatur der Pumpe ist leider eine langwierige Operation, die noch bis Ende Mai dauern wird.

Wie hat die Bevölkerung auf die Erschütterung reagiert und was haben Sie getan, um die Wogen zu glätten?

Wir hatten einige Anrufe von Bürgern, die sich wegen der Erschütterung beschwert haben und die Schäden an ihren Häusern fürchteten. Sollte ein Bürger Sachschäden fürchten, kann er sich bei einem Ombudsmann melden, dieser nimmt dann die Situation in Augenschein und vermittelt als neutrale Stelle zwischen Bürger, der Versicherung und uns. Ich habe den Eindruck, dass dieses Angebot für Vertrauen sorgt.

Sind Sie trotzdem davon überzeugt, dass die unter- und obertägigen Neuerungen in Insheim zu einem verbesserten Kraftwerksbetrieb führen?

Insgesamt können wir schon feststellen, dass das Konzept „Geothermie 2.0“ bislang aufgeht. Sowohl untertägig mit der gegabelten Injektionsbohrung als auch obertägig: Mit verbesserter Steuerungssoftware, großzügigerer Auslegung der Luftkühler und vielen anderen Maßnahmen auf Basis unserer Erfahrungen in Landau konnten wir den Wirkungsgrad der Anlage deutlich verbessern.

Wie ist die aktuelle Situation - läuft das Kraftwerk schon unter Volllast?

Nein, wir wollen uns ungefähr drei Jahre Zeit lassen, bis die wir die Zielmarke von 80 bis 85 Litern pro Sekunde erreichen. Auch das ist eine Erfahrung aus Landau. Nach dem Abschluss der Pumpenreparatur sind wir dann wieder bei 40 Litern pro Sekunde. Mit einer Temperatur von 161 Grad Celsius ist das Wasser etwas wärmer als wir erwartet hatten. Bis auf einige Ausnahmen, die zwar manchmal sehr zeitraubend und nervenaufreibend sein können aber den Kraftwerksbetrieb als Ganzes nicht gefährden, läuft also alles nach Plan.

(mb)
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