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Knapek auf Vorwürfe des Gemeinderats: Problem liegt bei den Pumpen und der zu geringen Eigenkapitalausstattung

In seiner Ausgabe vom 28.2.2013 hatte der Münchner Merkur darüber berichtet, dass einige Gemeinderäte in Unterhaching schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Bürgermeister von Unterhaching, Dr. Erwin Knapek, erheben und das Geothermieprojekt als "Fass ohne Boden" bezeichnen. Im Interview mit dem Informationsportal Tiefe Geothermie wehrt sich Dr. Erwin Knapek nun gegen die Vorwürfe und erläutert, wieso die Investitionskosten soviel höher waren als geplant, der Gemeinderat an der Situation mitschuldig ist und welche Rolle die Pumpenhersteller spielen. 

 

Herr Knapek, in der vergangenen Gemeinderatssitzung von Unterhaching wurden Sie und das Geothermieprojekt schwer angegriffen und für die schwierige Haushaltslage mit verantwortlich gemacht. Was ist das Problem in dem Projekt und wie sieht es mit der Projektfinanzierung aus?

Das Geothermieprojekt Heizkraftwerk Unterhaching spiegelt ein grundsätzliches Problem all dieser Projekte wider, nämlich die lange Laufzeit, die Tiefengeothermieprojekte vom Beginn der ersten Planungen bis zur Inbetriebnahme haben, die fünf bis sieben Jahre betragen kann. Dadurch sind diese Projekte stark abhängig von politischen und marktrelevanten Veränderungen.

Das Projekt Unterhaching wurde 2001/2002 zwar zügig geplant, bekam aber dann durch eine behördliche Fehleinschätzung der geothermischen Randbedingungen Schwierigkeiten bei der Suche nach einer vom Gemeinderat geforderten Fündigkeitsversicherung, was einen nicht einkalkulierten hohen Zeitaufwand erforderte. Dadurch konnten erst 2003 die notwendigen Ausschreibungen für die erste Bohrung erfolgen, so dass die durch die weltpolitische Lage verursachte Rohstoffkrise ab Januar 2003 die vorhandene finanzielle Planung völlig veränderte. Die damit einhergehende massive Verteuerung und kaum noch verfügbare Bohrgeräte führten zu einer nicht erwarteten Verteuerung und Zeitverzögerung. Ein behördliches Verbot des Bicentermeißels, der im Verlauf der Bohrung dann doch eingesetzt werden musste, verzögerte und verteuerte dann noch die erste Bohrung, so dass wir erst Ende September 2004 dieses hervorragende Ergebnis hatten, das unsere Erwartungen übertraf.

Leider stellte es sich zu diesem Zeitpunkt als fatal heraus, dass der Gemeinderat 2002 zur Zeit der Überkapazitäten auf dem Bohrmarkt aus Vorsicht nur eine Bohrung genehmigt hatte. So mussten wir bis Juni 2006 auf einen Bohrturm warten, vor allem auch deshalb, weil trotz europäischer Maschinenrahmenrichtlinie und vorhandener internationaler Zertifizierung auch Bohrtürme aus der EU nicht ohne zusätzliche Zertifizierung nach dem Bundesberggesetz in Bayern bohren durften. Das führte zu einer weiteren nicht einkalkulierten Verteuerung des Projektes. Die Bohrkosten stiegen von den in 2001 kalkulierten und damals auch möglichen 7,5 Millionen Euro auf über 20 Millionen Euro. Der finanzielle Webfehler, der in dieser Zeit begangen wurde, war, dass das 2002 der Geothermie GmbH & Co. KG von der Gemeinde zur Verfügung gestellte Eigenkapital von 7,5 Millionen Euro nicht auf diese 20 Millionen Euro aufgestockt wurde oder werden konnte, da die Gemeinde zu dieser Zeit auch noch andere wichtige Projekte für Betreuung, Bildung und Breitensport finanzieren musste. Diese Aufstockung wurde mit dem Finanzplan des Haushalts 2009 in fünf Jahresscheiben von jeweils zwei Millionen Euro beschlossen, womit eigentlich die 2007 vorhandene Lücke noch nicht einmal ge-schlossen ist. Die jetzt im Haushalt 2013 zu den bereits vorgesehenen zwei Millionen beschlossenen zusätzlichen zwei Millionen sind somit nicht verwunderlich. Hier muss ich mir selbst den Vorwurf machen, dass ich im letzten Jahr meiner Amtszeit nicht vehement zur Aufstockung des Eigenkapitals gedrungen hatte. Aus Gründen der inzwischen eingetretenen Finanzkrise wäre dies für 2008 auch kaum möglich gewesen. Bei dem jetzt anhebenden Gezeter wird auch vergessen, dass 2001/2002 durchwegs einstimmige Beschlüsse für das Geothermieprojekt, auch für die Stromerzeugung gefasst wurden. Die wirtschaftlichen Kalkulationen gingen damals nicht davon, dass es in so kurzer Zeit zu derart massiven Preissteigerungen bei Heizöl und Erdgas kommen würde und damit die Wärmever-sorgung durch die Tiefengeothermie so rasch konkurrenzfähig und auch nachgefragt sein würde. Damit änderte sich sinnvoll der Betrieb des Geothermie Heizkraftwerks vom Strom – zum Wärme geführten Modus. Das hatte aber zur Folge, dass die dreifache Länge an Fernwärmeleitungen gebaut werden musste wie anfangs kalkuliert und geplant.

Für die Refinanzierung des Projektes ist heute der Wärmeverkauf sehr wichtig und es ist deshalb wichtig dafür in das Wärmenetz zu investieren, was weitere Finanzmittel benötigt. Der Wärmebedarf ist zudem stark angestiegen, so dass zeitgleich immer weniger Thermalwasser für die Verstromung übrig bleibt. Bei der derzeitigen Kälte lohnt sich z. B. die Stromerzeugung nicht und sie ist außer Be-trieb. Dies ist jedoch auch dem Umstand geschuldet, dass die Industrie noch nicht die Tauchkreiselpumpen liefern kann, die die in der Bohrung mögliche Thermalwasserschüttung fördern können. Auch das ist ein finanzieller Verlust für die Geothermie Unterhaching, die zudem durch die Bereitstellung der Bohrung zum Test der notwendigen Pumpenentwicklung finanziell belastet wird. Das BMU fördert zwar die Pumpenhersteller für diese Entwicklung, aber für Unterhaching bleibt eben auch noch ein Teil zu finanzieren.

Die Gemeinderäte sehen das Problem des Projekts nicht in der Wärmeerzeugung, sondern im Stromkraftwerk, da hier nicht  prognostizierten Einnahmen generiert werden. Wieso läuft die Anlage nicht wie erwartet?

Das Kraftwerk läuft sehr gut. Die Probleme mit dem Kalina-Prozess zu Anfang sind alle behoben. Das eigentliche Problem ist die Förderpumpe für das Thermalwasser. Die bisher am Markt verfügbaren Pumpen haben nicht die Leistungsfähigkeit, die aufgrund ihrer Spezifikationen zu erwarten wäre. Der Grund ist, dass diese Pumpen für die Förderung von Erdöl und nicht für die Förderung von Thermalwasser entwickelt wurden. Durch den Betrieb von Unterhaching konnte dies erstmals festgestellt werden. Daraufhin wurde das oben erwähnte Entwicklungsprojekt in Deutschland gestartet. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Es kommt aber immer noch zu Ausfällen, die auch dadurch bedingt sind, dass die ebenfalls neu zu entwickelnde elektrische Steuerung der Pumpen noch nicht stabil ist. Das Problem haben mittlerweile alle Kraftwerksprojekte in der Molasse, die sogar teils mit anderen Fabrikaten arbeiten und auch damit so viele massive Pumpenausfälle haben, dass sie nicht in Betrieb gehen können. Somit bleibt derzeit Unterhaching der einzige Versuchsstandort für neu entwickelte Pumpen. Hätten wir diese leistungsfähigen Pumpen, so könnten wir von Februar bis November parallel zum Wärmebetrieb auch Strom erzeugen. Dies ist aber jetzt mangels Schüttung über 115 Liter pro Sekunde nicht möglich. Im Übrigen stehen in Unterhaching so viele Hausanschlüsse für die Wärme an, so dass in zwei bis drei Jahren allein für die Wärmeversorgung diese leistungsfähigen Tauchkreiselpumpen benötigt werden.

Wenn das Problem nicht mit dem Kraftwerk zusammenhängt, sondern mit der Unterwasserpumpe, wieso ist die Wärmeversorgung davon nicht betroffen?
Für die Wärmeversorgung reicht derzeit noch eine Schüttung von 100 Liter pro Sekunde aus. Wenn man aber in Bälde zu höheren Anschlussleistungen kommt, braucht man auch dafür diese neu entwickelte Pumpe. Das Unterhachinger Geothermieprojekt ist im Vergleich zu normalen Heizwerken in der Region München mit einer Bohrung ausgestattet, die ein etwa doppeltes Volumen aufweist. Im Gegensatz dazu können andere Heizwerke bei weit niedrigerer Temperatur um die 80 Grad Celsius und Volumina um die 60 Liter pro Sekunde arbeiten. Für dieses Segment gibt es bereits verlässliche Pumpen am Markt. Dafür müssen aber bereits die ersten Heizwerke weitere Tiefenbohrungen niederbringen, um die bestehenden Kundenwünsche zukünftig erfüllen zu können.

Wie hoch waren die Gesamtinvestitionssumme für das Projekt Unterhaching?

Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich auf ca. 90 Millionen Euro. Darin enthalten sind eine Bohrdublette in mehr als 3,5 Kilometer Tiefe, ein Kalina–Heizkraftwerk mit Kühlturm, ein Redundanz- und Spitzenlastheizwerk mit 37 MW thermischer Leistung, eine Thermalwasserleitung mit 3,5 Kilometer Trassenlänge, ein Fernwärmenetz mit 38 km Trassenlänge und Anschlüsse für mehr als 5.000 Haushalte sowie eine Tauchkreiselpumpe zur Förderung des Thermalwassers und eine vor Ort vormontierte Ersatzpumpe. (js)

Kommentare

Rettung naht!

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Verfasst von Besucher am 12. März 2013 - 16:57.

Nachdem das Hauptproblem laut Herrn Knapek die zu geringe Kapitalausstattung ist, kann diese Schwierigkeit ja bald behoben werden. Dem Vernehmen nach wird die Gemeinde Grünwald nach den Kommunalwahlen im März 2014 das komplette Geothermieprojekt Unterhaching übernehmen. Eine Verbindungsleitung und eine gemeinsame Betriebsführung bestehen ja bereits.

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