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10. Internationale Geothermiekonferenz zeigt: Bessere Rahmenbedingungen für Geothermie in Deutschlands Nachbarländer

21. Mai 2014

Mit insgesamt über 220 Teilnehmern aus 17 Ländern ist die 10. Internationale Geothermiekonferenz IGC 2014 am Freitag vergangener Woche in Freiburg zu Ende gegangen. Rund 50 Referenten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft boten einen differenzierten und fundierten Einblick in aktuellen Entwicklungen und Erfahrungen im Bereich der tiefen Geothermie.

Zentrale Themen waren Versicherungslösungen für Geothermieprojekte, internationale Erfahrungen mit dem Upscaling von Geothermieanlagen, die Weiterentwicklung des EEG, die vielfältige Nutzung geothermischer Wärme und die Perspektiven von Geothermieprojekten im Oberrheingraben. Dabei wurde unter anderem deutlich, dass die Schweiz und Frankreich deutlich bessere Rahmenbedingungen für die Nutzung der tiefen Geothermie bieten als Deutschland. “Es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet das Land der Ingenieure sich so wenig Mühe gibt, für die Weiterentwicklung der tiefen Geothermie einen adäquaten Rahmen zu schaffen“, kritisiert Dr. Jochen Schneider, Geschäftsführer des Veranstalters Enerchange.

Der erste Konferenztag bot praxisrelevante Informationen zum Beispiel beim Workshop „Einblicke in den Thermalwasserkreislauf und andere obertägige Installationen in Soultz-sous-Forêts“ der direkt am Kraftwerk in Frankreich stattfand und Themen wie Filter und Strömungssteuerung, Korrosion und Materialbeschaffenheit sowie Druckhaltung und Ablagerungen behandelte. Parallel bot Professor Hans Machel von der University of Alberta einen Intensivkurs zu Fließwegen und Permeabilitätsentwicklung in Karbonat-Reservoiren an. Weitere Workshops zu den Themen Strom-Direktvermarktung, der strategischen Ausrichtung von Öffentlichkeitsarbeit und zu internationalen Projekterfahrungen rundeten den ersten Konferenztag ab.

Den Auftakt zum zweiten Konferenztag bildeten am Vormittag des zweiten Tags Keynotes von Luca Angelino von der Europäischen Geothermievereinigung EGEC, von Cornelia Viertl vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und von Christoph Brunner von EnBW Energie-Baden-Württemberg. Brunner skizzierte dabei, welche Rolle die Tiefengeothermie im zukünftigen Energiemarkt spielen kann und machte hierbei deutlich, dass der Bedarf an Grundlast zurückgehen wird und deshalb auch die Betreiber von Geothermiekraftwerken gefordert sein werden, ihre Leistungsabgabe zu flexibilisieren.

Die Foren zur zweiten Hälfte des Vormittags waren den Möglichkeiten des Upscalings und der EEG-Novelle gewidmet. Im EEG-Forum verdeutlichte der Geschäftsführer von BE Geothermal, Lutz Stahl, dass die Tiefengeothermie in den vergangenen Jahren mit sehr wenig Geld aus dem Topf der EEG-Umlage große technische Fortschritte erzielen konnte. Drei Generationen von Kraftwerken seien dabei schon durchlaufen worden, die vierte mit einer Leistung von 10 bis 20 MW pro Anlage sei bereits in Planung. Sie könne allerdings nur realisiert werden, wenn der aktuell vorliegende EEG-Entwurf hinsichtlich der Investitionssicherheit nachgebessert wird. Dem anwesenden CDU-Bundestagsabgeordneten und Mitglied des Umweltausschusses im Bundestag Matern von Marschall gab er mit auf den Weg, dass wegen der langen Projektentwicklungszyklen zumindest eine Änderung der Paragrafen 98 und 26 unabdingbar sei. Dieser versprach, sich der der Sache anzunehmen und in Berlin für eine Anpassung des Übergangszeitraum und der Degression zu werben.

Bei der Keynote von Rudolf Minder vom Bundesamt für Energie am Nachmittag wurde deutlich, dass die Schweiz nach wie vor auf den Ausbau der tiefen Geothermie setzt und zumindest langfristig damit rechnet, dass knapp ein Fünftel des schweizerischen Strombedarfs geothermischen Ursprungs sein wird – und gab in diesem Zusammenhang dem ebenso geplanten Ausbau der Windkraft wenig Chancen, da mit erheblichen Widerständen zu rechnen ist. Um dieses Ziel zu erreichen, hat sich die Regierung für auskömmliche Einspeisetarife entschieden: Je nach Anlagengröße erhalten die Betreiber derzeit zwischen 22,7 und 40 Rappen pro Kilowattstunde. Christian Oeser vom französischen Umweltministerium verdeutlichte die Fördermöglichkeiten zur Entwicklung der geothermischen Energieversorgung für Frankreich und hob hier insbesondere die umfassende Risikoabsicherung hervor .

Den Schlusspunkt des zweiten Konferenztags setzten zwei weitere Diskussionsforen – eines zu den Möglichkeiten und Erfolgen der geothermischen Wärmenutzung in Bayern, Island und dem Oberrheingraben, das andere zum Thema Versicherungslösungen. Auch hier wurde deutlich, dass Deutschland zu wenig investiert, um der noch jungen Technologie den Weg zu bereiten. Benjamin Richter von Rödl & Partner arbeitete in seinem Vortrag heraus, dass bei einem Vergleich von fünf Ländern, Frankreich die derzeit besten Bedingungen bietet: Hier bestehen Absicherungsmechanismen nicht nur für die Mindestfündigkeit, sondern auch für die dauerhafte Fündigkeit, die Erzielung einer Mindestrendite und auch für Betriebsrisiken – etwa wenn Korrosion und Scaling in den Bohrungen eine Verringerung der Thermalwasserleistung verursachen.

Am letzten Konferenztag lag der Fokus auf den Perspektiven der tiefen Erdwärme im Dreiländereck: In Kooperation mit Enerchange bot das trinationale Netzwerk TRION ein Forum für Geothermie am Oberrhein an. Das Interesse war groß: Rund 130 Teilnehmer aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz folgten den sechs Vorträgen am Vormittag und diskutierten intensiv die Perspektiven der Geothermie in der Region. Die zahlreichen anwesenden Bürgermeister machten dabei unter anderem deutlich, dass die Betreiber mehr Transparenz an den Tag legen und viel mehr und früher um Akzeptanz in der Bevölkerung werben müssten. Geothermiegegner hätten ansonsten leichtes Spiel, die Geothermie in Misskredit zu bringen und damit auch eine kommunale Unterstützung zu erschweren. Zudem würden durch mangelnde Kommunikation Gerüchten und Halbwahrheiten Tür und Tor geöffnet. Wie es besser gemacht werden kann zeigte Peter Meier von Geoenergie Suisse auf: Bei ihren Projekten im Jura investiert der Projektentwickler viel Zeit und Geld, um die Bevölkerung mitzunehmen. So werden zum Beispiel Projektbeiräte gebildet, Informationsfahrten zu bestehenden Anlagen organisiert oder die komplexe Technologie mit Hilfe von Comics gut verständlich erklärt. Abgerundet wurde das Forum mit einer Exkursion zur Geothermieanlage in Riehen bei Basel, die in diesem Jahr ihr 20jähriges Bestehen feiert.

Wer keine  Gelegenheit hatte, an der IGC 2014 teilzunehmen, kann bei Enerchange per agentur [at] enerchange [dot] de (subject: Bestellung%20Unterlagen%20IGC%202014) (Mail) entweder die kompletten Unterlagen (inkl. Kongressband, Teilenhmerliste und USB-Stick mit allen Vorträgen) für 175 Euro zzgl. MwSt. bestellen oder für 125 Euro zzgl MwSt. nur die Zugangdsdaten zum Downloadbereich anfordern. (mb)

Quelle: 

Pressemitteilung Enerchange

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