10. Wissenstransfer bei der Geothermie-Allianz Bayern

02.04.2026 | Veranstaltungen
Wissenstransfer bei der Geothermie-Allianz Bayern

Jubiläum bei der Geothermie-Allianz Bayern (GAB): Zum 10. Wissenstransfer kamen rund 100 Gäste ins Zentrum für Energie und Innovation (ZEI) am Forschungscampus Garching bei München. Die hohe Zahl der Teilnehmenden (50 weitere verfolgten die Veranstaltung online) verdeutlicht die wachsende Bedeutung der Tiefengeothermie.

Den Auftakt bildete der Vortrag von Julio Kemenyfy (Kemco), der die effektive Projektabwicklung am Beispiel des Geothermieprojekts Polling vorstellte. Dabei wurde das gesamte Spektrum der Dienstleistungen, von der Planung bis zur Steuerung der Bohr- und Testarbeiten, beleuchtet. Besonders hervorzuheben waren die diskutierten Zusammenhänge zwischen Bohrtiefe und Projektdauer sowie die Frage, inwiefern Skaleneffekte zur Kostenreduktion beitragen können.

Im Anschluss präsentierten Ferdinand Hülß (Erdwärme Grünwald) und Dr. Carola Leiter (Erdwerk GmbH) das Projekt Laufzorn II. Neben Einblicken in die Standortplanung, wie die Nähe zum Bestandswerk, Maßnahmen zum Lärmschutz und infrastrukturelle Herausforderungen, wurden die geologisch-technischen Aspekte adressiert. 

Ein weiteres Praxisbeispiel stellte die Wiederbelebung des Geothermieprojekts Vaterstetten dar, präsentiert von Matthias Meneghini (Hörmann ENEX Engineering GmbH) und Dr. Georg Stockinger (ENEX POWER Germany GmbH). Im Fokus stand das „Henne-Ei-Problem“ zwischen Wärmenetz und Wärmeerzeugung. Mit dem vorgestellten Ausbaukonzept des langen geplanten Projekts soll der Bohrplatzausbau voraussichtlich im dritten Quartal 2026 beginnen.

Der Nachmittag war stärker durch wissenschaftliche und systemische Perspektiven geprägt. Michael Nitschmann (TUM) ordnete die Rolle der Tiefengeothermie in der bayerischen Energiewende aus sozialwissenschaftlicher Sicht ein. Dabei wurde betont, dass wissenschaftliche Modellierung nicht neutral ist, sondern stets auch räumliche und geopolitische Implikationen besitzt. Insbesondere die Erschließung des Molassebeckens wurde als Prozess beschrieben, der nicht nur unterirdische, sondern auch darüberliegende räumliche Strukturen neu bestimmt.

Im Vortrag von Ludwig Irrgang (TUM) stand das Potenzial geothermischer Kühlung im Fokus. Die vorgestellte thermoökonomische Analyse zeigte, dass Geothermie nicht nur zur Wärme-, sondern auch zur Kälteproduktion eingesetzt werden kann. Daraus ergeben sich Potenziale für Energieautarkie, Entlastung des Stromnetzes sowie neue Wertschöpfungsketten, etwa durch die Ansiedlung kälteintensiver Industrien. Gleichzeitig wurde betont, dass die Wirtschaftlichkeit stark von Faktoren wie der Nähe zur Bohrung, der verfügbaren Temperatur sowie den Lastprofilen abhängt. 

Ergänzend dazu stellte Kalliopi Tzoufka (TUM) Ansätze zur Integration von thermischen Speichersystemen in Fernwärmenetze vor, um die Dekarbonisierung weiter zu beschleunigen. Ihre Ergebnisse machen deutlich, dass die Geothermie viel mehr als nur Grundlast-Wärmeversorgung kann.

Den Abschluss bildete der Beitrag von Nora Medgyesi (GAB) zu globalen Fortschritten bei Enhanced Geothermal Systems (EGS). Dabei wurden vier zentrale Einflussfaktoren auf die Machbarkeit solcher Projekte identifiziert: Genehmigungsprozesse, vorhandene Wärmenachfrage für Fernwärme, geeignete geologische Bedingungen sowie die Verfügbarkeit lokaler Daten. Zudem wurde hervorgehoben, dass EGS prinzipiell auf einem erheblichen Anteil der Landesfläche realisierbar sind und internationale Erfahrungen, insbesondere aus den USA, wichtige Impulse für Deutschland liefern können.

Der 10. GAB Wissenstransfer hat einmal mehr gezeigt, wie vielfältig und dynamisch sich die Geothermie derzeit entwickelt. Besonders der Wechsel zwischen konkreten Projekteinblicken und übergeordneten wissenschaftlichen Perspektiven ermöglichte einen differenzierten Blick auf aktuelle Herausforderungen und Potenziale.

 

Quelle:

Geothermie-Allianz Bayern