Besonders auffällig war die angenehme Größe der Veranstaltung. Statt anonymer Großkongress-Atmosphäre bot die Tagung Raum für persönlichen Austausch und direkte Gespräche zwischen Projektentwicklern, Forschenden, Dienstleistern und politischen Akteuren.
Veranstalter waren die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), das LIAG-Institut für Angewandte Geophysik, die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft von Stadt und Region Hannover, hannoverimpuls, sowie die Deutsche Wissenschaftliche Gesellschaft für nachhaltige Energieträger, Mobilität und Kohlenstoffkreisläufe (DGMK).
Praxisnahe Einblicke am ersten Veranstaltungstag
Die Tagung war in insgesamt sechs Themenblöcke gegliedert. Der erste Tag stand dabei vor allem im Zeichen praxisnaher Erfahrungen aus aktuellen Projekten und der Frage, wie sich Tiefengeothermie-Projekte künftig schneller und erfolgreicher umsetzen lassen.
Ein Schwerpunkt lag auf Fördermöglichkeiten und Finanzierungsmodellen. Vorträge des MWIKE NRW und Projektträger Jülich zeigten, wie wichtig verlässliche Förderinstrumente für die Entwicklung neuer Geothermieprojekte sind – insbesondere in der frühen Explorationsphase, in der hohe Investitionen und geologische Risiken zusammentreffen.
Dabei wurde deutlich: Für den Erfolg eines Projekts reicht die technische Machbarkeit allein nicht aus. Ebenso entscheidend sind politische Unterstützung, kommunaler Rückhalt und eine langfristige strategische Planung.
Besonders eindrücklich machte dies der Bürgermeister, Herr Martin Feller, der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf deutlich. In seinem Beitrag betonte er, dass neben vorhandenen Ressourcen und technischer Expertise vor allem der politische Wille und ein klarer kommunaler Kurs ausschlaggebend für die Umsetzung eines Geothermieprojekts seien.
Auch Fragen rund um Kostenstrukturen, Projektentwicklung und Finanzierung standen im Fokus der Diskussionen. Viele Beiträge machten deutlich, dass die Branche derzeit an einem entscheidenden Punkt steht: Die Technologien entwickeln sich weiter, gleichzeitig müssen Prozesse standardisiert und Investitionssicherheit geschaffen werden.
Den Abschluss des ersten Tages bildete eine Podiumsdiskussion zur Rolle der Kommunikation während der Exploration von Tiefengeothermie-Projekten. Diskutiert wurde unter anderem, wie frühzeitige Bürgerbeteiligung, transparente Informationspolitik und lokale Akzeptanz den Projekterfolg beeinflussen können. Geführt wurde die Diskussion von Bodo Lehmann (DMT), Ingo Schäfer (GD NRW) und Gregor Dilgi (Bundesverband Geothermie).
Zweiter Tag im Zeichen von Innovation und Forschung
Der zweite Veranstaltungstag rückte Forschung, Technologieentwicklung und Innovation stärker in den Mittelpunkt.
Unter anderem präsentierte Baker Hughes neue Ansätze zur Optimierung von Bohrtechnologien. Dabei ging es vor allem um effizientere Bohrprozesse, geringere Kosten und die Frage, wie sich Erfahrungen aus der Öl- und Gasindustrie zunehmend auf Geothermieprojekte übertragen lassen.
Darüber hinaus wurden verschiedene Forschungsprojekte vorgestellt, die den Übergang von wissenschaftlicher Entwicklung hin zur industriellen Anwendung zeigen. Mehrere Beiträge beschäftigten sich mit digitalen Methoden und dem Einsatz von Machine Learning in der Geothermie. Dabei standen unter anderem Datenanalyse, Reservoirbewertung und die Optimierung geologischer Modelle im Fokus.
Neben der Tiefengeothermie fanden auch oberflächennahe Themen sowie die Kombination von Geothermie und Solarthermie ihren Platz im Programm. Diese Ansätze zeigen, dass sich die Wärmewende künftig zunehmend technologieübergreifend entwickeln dürfte.
Insgesamt vermittelte der zweite Tag den Eindruck einer Branche, die sich technologisch weiter professionalisiert und zunehmend breiter aufstellt. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass viele Forschungsansätze noch am Anfang stehen und in den kommenden Jahren weiterentwickelt werden müssen.
Lithiumgewinnung rückt stärker in den Fokus
Eine Besonderheit der diesjährigen Tagung war das zusätzliche Side-Event am Donnerstagnachmittag zum Thema Lithiumressourcen im Norddeutschen Becken.
Das Thema Lithiumgewinnung aus geothermalen Tiefenwässern gewinnt derzeit zunehmend an Bedeutung. Insbesondere Projekte im Oberrheingraben – etwa durch die Vulcan Energy Group – haben das Thema in den vergangenen Jahren stärker in den Fokus von Medien, Politik und Industrie gerückt.
Auch für Norddeutschland sehen Fachleute Potenziale. Das Side-Event bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich über aktuelle Forschungsstände, geologische Voraussetzungen und mögliche wirtschaftliche Perspektiven der Lithiumextraktion im Zusammenhang mit der Tiefengeothermie auszutauschen.
Positive Stimmung trotz Herausforderungen
Abschließend lässt sich festhalten, dass die 17. Norddeutsche Geothermietagung insgesamt als erfolgreiche Veranstaltung wahrgenommen wurde. Die Diskussionen zeigten deutlich, dass die Tiefengeothermie insbesondere in Norddeutschland weiter an Bedeutung gewinnt.
Gleichzeitig wurde aber auch klar, dass die Branche weiterhin vor Herausforderungen steht – etwa bei Genehmigungen, Finanzierung, Kommunikation und politischen Rahmenbedingungen.
Dennoch überwog in Hannover der Eindruck, dass sich die Geothermiebranche derzeit in einer wichtigen Entwicklungsphase befindet. Die Kombination aus praktischen Erfahrungen, technologischer Innovation und wachsendem politischen Interesse könnte der Tiefengeothermie in den kommenden Jahren zusätzlichen Rückenwind verleihen.