3D-Seismik der Stadtwerke Erfurt schreitet voran

06.05.2026 | Erkundung & Analyse | Enerchange
Das Messgebiet der 3D-Seismik der Stadtwerke Erfurt

Die Stadtwerke Erfurt haben eine der bislang größten geophysikalischen Untersuchungen in Thüringen im März gestartet. Ziel der 3D-Seismik ist es ein dreidimensionales Abbild des geologischen Untergrundes bis in etwa 7.000 Metern Tiefe zu erstellen. Mit dem Voranschreiten der Seismik-Messung konkretisiert sich das Vorhaben für die klimafreundliche Wärmeplanung der Landeshauptstadt: die mögliche Erschließung von Tiefengeothermie zur nachhaltigen Fernwärmeversorgung. 

Das Messgebiet 

Das Messgebiet der Seismik-Messung umfasst rund 136 Quadratkilometer und schließt neben dem gesamten Stadtgebiet auch angrenzende Gemeinden ein. Dafür sind etwa 20.000 Geophone und 17 Vibro-Trucks (verschiedene Größenklassen) im Einsatz. Die Messfahrzeuge senden Schallwellen in den Untergrund, diese werden an den geologischen Schichten zurück an die Oberfläche reflektiert. An der Oberfläche nehmen die Geophone die reflektierten Schallwellen aus dem Untergrund auf. Aus diesen Daten wird das dreidimensionale Abbild des Untergrundes entstehen. Für die Analyse wurden rund 14.000 Messpunkte in der Stadt geplant, etwa 7.700 wurden bereits erfasst. Die Messungen werden voraussichtlich bis Ende Mai dauern, je nach Gelände- und Witterungsverhältnissen. Gemessen wird überwiegend tagsüber, Nachtarbeiten sind nur in Ausnahmefällen vorhergesehen. 

Chance für die Stadt Erfurt 

Dr. Jörn Grothe, Geschäftsführer der SWE Energie GmbH, sieht in der 3D-Seismik eine große Chance für die Stadt und betont, dass die Tiefengeothermie die Möglichkeit eröffne, Wärme aus Erfurt für Erfurt zu gewinnen. Sie wäre eine regionale und verlässliche Energiequelle, die unabhängig von Wetter und Tageszeit funktioniert und zugleich weniger abhängig von den Entwicklungen auf den internationalen Rohstoffmärkten mache. Damit die Stadtwerke Erfurt diese vielversprechende Option verantwortungsvoll prüfen können, brauchen sie eine belastbare Datengrundlage, die die 3D-Seismik nun bieten wird. 

Weg von Gas 

Derzeit stammt ein Großteil der Wärme in Erfurt noch aus fossilen Brennstoffen. Mit der Erkundung der Erdwärme wollen die Stadtwerke langfristig unabhängig von Gas werden. Perspektivisch könnte die Tiefengeothermie ein Baustein im Energiemix bilden, ergänzt durch Abwärme, Müllverbrennung und modernen Kraftwerkstechnologien. 

Ergebnisse und mögliche Erkundungsbohrung

Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von rund 5,8 Millionen Euro und wird teilweise vom Bund gefördert. Erste Ergebnisse der Messungen werden innerhalb eines Jahres erwartet. Eine mögliche Erkundungsbohrung könnte ab 2028 folgen.