Zu den Sicherheitsmaßnahmen für den Langzeit-Injektionstest der Deutschen Erdwärme gehört ein Ampelsystem, das regelt, wann der Betrieb in Graben-Neudorf (Landkreis Karlsruhe) heruntergefahren werden muss, um Schäden zu vermeiden. Die am 15. November gemessene Bodenschwinggeschwindigkeit von 0,307 Millimetern pro Sekunde (mm/s) liegt laut Pressemitteilung am unteren Rand des gelben Bereichs des Ampelsystems.
In diesem Bereich, der von 0,3 bis 3 mm/s reicht, können seismische Ereignisse potenziell leicht spürbar sein, verursachen aber keine Schäden. Erst ab 3 mm/s, also der rund zehnfachen Stärke des jetzt gemessenen Ereignisses, ist der rote Bereich erreicht, ab dem potenziell Schäden an Gebäuden wie Putzrisse möglich wären.
Im Mikrobereich, weit entfernt von jeder Spürbarkeit, ist Seismizität bei Geothermie-Projekten vollkommen normal, heißt es in der Mitteilung der Deutschen Erdwärme. Sollten sich die Werte, die über ein seismisches Monitoring in Echtzeit rund um die Uhr überwacht werden, einer Schwelle nähern, bei der Schäden möglich wären, wird der Betrieb sofort heruntergefahren. Da das Ereignis vom 15. November weit unterhalb dieser Schwelle liegt, kann der Test wie geplant fortgesetzt werden.
Mit dem Langzeittest will die Deutsche Erdwärme überprüfen, dass sie in Zukunft genügend Wärme für ein regionales Fernwärmenetz bereitstellen kann. Mindestens die Gemeinde Graben-Neudorf soll versorgt werden. Ebenso die Stadt Bruchsal. Darüber hinaus ist das Karlsruher Geothermie-Unternehmen mit weiteren Stadtwerken in Verhandlung.
Wenn alles nach Fahrplan verläuft, soll in Graben-Neudorf im nächsten Jahr die zweite Bohrung folgen. Sie ist notwendig, um die Anlage überhaupt betreiben zu können. Einen genauen Termin dafür gibt es aber noch nicht.
Mit mehr als 200 Grad Celsius in rund 3.600 Metern Tiefe gilt Graben-Neudorf als heißeste Thermalwasserquelle Deutschlands. Um das extrem heiße Wasser zu fördern, musste eine spezielle hitzeresistente Technik installiert werden, die ursprünglich nicht vorgesehen war. Das Ziel ist, ab 2029 im Regelbetrieb heißes Thermalwasser aus der Tiefe zu fördern.
Deutsche Erdwärme