Die Nutzung der Erdwärme spielt für das Gelingen der Wärmewende und der kommunalen Wärmeplanungen eine immer wichtigere Rolle. Innerhalb eines Jahres liefern die bayerischen Tiefengeothermie-Anlagen inzwischen rund 3,4 Terawattstunden Wärme – ein neuer Höchststand. Diese Energiemenge entspricht dem jährlichen Verbrauch von rund 300.000 Haushalten und bedeutete auf Jahressicht einen satten Anstieg der Wärmelieferung um mehr als 20 Prozent.
Inbetriebnahmen bei MTU Aero Engines AG und Eavor sorgen für Aufsehen
Die nächsten Höchststände bei der Wärmeproduktion sind auch schon in Sicht. Denn als erstes deutsches DAX-Unternehmen hat die MTU Aero Engines AG kürzlich ihre eigene Tiefengeothermie-Anlage auf dem Werksgelände in Betrieb genommen. Rund 80 Prozent des Wärmebedarfs am MTU-Stammsitz in München-Allach werden damit aus Erdwärme statt Erdgas gedeckt.
Auch die Stromproduktion aus Tiefengeothermie nimmt in Bayern weiter zu: So hat das kanadische Unternehmen Eavor vor wenigen Wochen im oberbayerischen Geretsried damit begonnen, Strom aus seiner Pilotanlage für die Closed-Loop-Technologie in das öffentliche Stromnetz einzuspeisen. Entsprechend motiviert wird im neuen Jahr in Geretsried an den noch ausstehenden Bohrarbeiten weitergearbeitet.
Zweite Geothermie-Anlage in Grünwald und auch in Pullach
Doch nicht nur in Geretsried, sondern auch an einigen anderen Orten in Bayern arbeiten sich 2026 die Meißel für neue Erdwärme-Projekte in die Tiefe. Schon seit mehreren Monaten laufen die Bohrarbeiten für die zweite Geothermie-Anlage der Erdwärme Grünwald im Oberhachinger Ortsteil Laufzorn. Mit der Fertigstellung dieser Anlage ist die Gemeinde Grünwald als erste Kommune in Deutschland in der Lage, ihren gesamten Wärmebedarf aus klimaneutraler und brennstoffunabhängiger Erdwärme zu decken.
Ebenfalls für eine zweite Geothermie-Anlage sollen im neuen Jahr die Bohrarbeiten bei der Innovativen Energie für Pullach (IEP) im Isartal beginnen. Und auch für zwei andere kommunale Projekte im Münchner Umland wird 2026 ein Bohrturm aufgestellt: In Gräfelfing hat die Gemeinde nach einer langen Vorgeschichte beschlossen, ihre geplante Tiefengeothermie-Anlage komplett aus eigener Kraft umzusetzen. Und in Olching-Geiselbullach entsteht auf dem Gelände des Gemeinsamen Kommunalunternehmens für Abfallwirtschaft (GfA) der Landkreise Dachau und Fürstenfeldbruck ein mindestens bundesweit einmaliges Vorhaben: Erstmals wird die thermische Abfallverwertung mit der Geothermie kombiniert, um die regionale Fernwärmeversorgung klimaneutral auszubauen.
28. bayerische Tiefengeothermie-Anlage geht im Landkreis Mühldorf in Betrieb
Sogar schon kurz vor der Fertigstellung steht das Projekt in Polling (Landkreis Mühldorf am Inn), das als 28. bayerische Tiefengeothermie-Anlage in Betrieb gehen wird. Und bestärkt vom Beschluss des deutschen Geothermie-Beschleunigungsgesetzes erscheinen die nächsten Erdwärme-Projekte schon am Horizont. So beginnt etwa die GeoEnergie München-Ost – ein Kommunalunternehmen der Gemeinden Vaterstetten, Grasbrunn, Haar und Zorneding – im kommenden Frühjahr mit dem Bau ihres Bohrplatzes.
Darüber hinaus steht das Jahr 2026 auch im Zeichen des großen Forschungsvorhabens GIGA-M. Auf einer Fläche von rund 1.100 Quadratkilometern soll dabei der Untergrund in und um München erkundet werden. Zusammen mit den bereits vorhandenen Daten soll so ein detailliertes Tiefenmodell für den gesamten Großraum München erstellt werden. Das Ziel ist es, die Wärmeenergie im Untergrund durch eine Vielzahl neuer Projekte nicht nur schnell, sondern auch nachhaltig zu erschließen.
Praxisforum Geothermie Bayern