BASF und Vulcan verschieben 3D-Seismik wegen offener Förderbedingungen

06.10.2025 | Erkundung & Analyse
Das BASF-Stammwerk in Ludwigshafen am Rhein ist mit über 2000 Gebäuden und einer Fläche von mehr als 10 Quadratkilometern das größte zusammenhängende Chemieareal der Welt.

Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF und das Karlsruher Unternehmen Vulcan Energy sind bei ihrem gemeinsamen Geothermie-Projekt einen Schritt weiter – und geraten gleichzeitig in Verzug: Die 2D-Seismik bestätigte das Potenzial zur Gewinnung von Wärme und Lithium. Die für den Winter 2025/26 geplante 3D-Seismik wird jedoch verschoben. 

Für das gemeinsame Geothermie-Projekt von Vulcan und BASF haben Geologen und Geophysiker die Daten der 2D-Seismik im Frühjahr 2025 in der Vorderpfalz aufbereitet und ausgewertet. Die Seismik lieferte wertvolle geologische Daten, welche die aus Vorstudien abgeleiteten Hinweise auf vielversprechende geothermische Strukturen und Lithiumressourcen in der Region bestätigen, heißt es in der aktuellen Pressemitteilung. Damit ist ein zentraler Meilenstein des Projekts erreicht, das die CO2-freie Dampferzeugung für das BASF-Stammwerk, eine nachhaltige Fernwärmeversorgung in Ludwigshafen und Frankenthal sowie eine klimaneutrale Gewinnung von Lithium ermöglichen soll.

Die Erkenntnisse aus der 2D-Seismik bilden nun die fachliche Grundlage für die nächste Projektphase: die Planung und Durchführung einer 3D-Seismik. Diese ermöglicht im Unterschied zur linienbasierten 2D-Seismik eine deutlich detailliertere Erkundung des geologischen Untergrunds. Sie liefert ein präzises räumliches Abbild potenziell geothermisch nutzbarer Strukturen und ist damit entscheidend für die gezielte Planung und Umsetzung der weiteren Projektschritte – darunter auch die Vorbereitung und Ausführung einer Explorationsbohrung. „Die positiven Resultate aus den ersten seismischen Messungen bestätigen nun, dass wir mit Blick auf unsere grüne Transformation am Standort einen erfolgversprechenden Weg eingeschlagen haben“, sagt Tilmann Hezel, Senior Vice President Infrastructure am BASF-Standort Ludwigshafen. 

In ihrem jüngsten Beschluss zum Geothermie-Beschleunigungsgesetz hat die Bundesregierung die Geothermie als „im überragenden öffentlichen Interesse“ eingestuft. Diese Entscheidung unterstreicht die Bedeutung geothermischer Projekte für die Wärme- und Energiewende, schafft verlässlichere Rahmenbedingungen und verbessert die Planbarkeit der kommenden Projektphasen – etwa der vorgesehenen 3D-Seismik. Die Rahmenbedingungen zur Förderung der geplanten 3D-Messungen sind aufgrund der derzeit laufenden Verhandlungen zum Bundeshaushalt 2025/26 noch offen, heißt es in der Mitteilung. Nach aktueller Einschätzung gehen Vulcan und BASF davon aus, dass frühestens im Sommer 2026 eine zuverlässige Aussage über das Förderungsszenario getroffen werden kann. 

Vor diesem Hintergrund passen die Projektpartner ihren Zeitplan an und bereiten eine Verschiebung der ursprünglich für Winter 2025/26 geplanten 3D-Seismik vor. Die neue Zeitschiene für die 3D-seismischen Messungen hat der Mitteilung zufolge keine Auswirkung auf das übergeordnete Ziel, das Projekt Anfang der 2030er Jahre umzusetzen. Vulcan und BASF erachten das gemeinsame Projekt weiterhin als maßgeblichen Aspekt für die Energietransformation der Industrie, die Wärmewende in der Region sowie für eine nachhaltige Lithiumgewinnung.

Im November 2024 haben Vulcan und BASF eine Absichtserklärung zu einer strategischen Partnerschaft unterschrieben, um gemeinsam den Einsatz geothermischer Energie am Ludwigshafener Standort des Chemieunternehmens zu evaluieren. BASF könnte Erdwärme aus Tiefengeothermie zur CO2-freien Erzeugung von Dampf einsetzen und auf diese Weise bis zu 800.000 Tonnen Treibhausgasemissionen an ihrem Stammwerk reduzieren. Daneben plant Vulcan nachhaltiges Lithium aus dem Thermalwasser für die deutsche und europäische Batterie- und Automobilindustrie zu gewinnen, während die regionalen Energieversorger – die Technischen Werke Ludwigshafen und die Stadtwerke Frankenthal – die Erdwärme zur nachhaltigen Fernwärmeversorgung nutzen könnten.

Quelle:

BASF/Vulcan

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