Die Geschichte der Geothermie in Prenzlau ist weitaus älter als die Baustelle auf dem Thomas-Müntzer-Platz. Schon im letzten Jahr der DDR, also 1989, wurde in den Gesteinsschichten tief unter der Stadt erfolgreich nach Thermalwasser gebohrt. Was sich in der Tiefe befindet, haben Fachleute gut dokumentiert.
Es gab damals auch schon ein geothermisches Heizwerk zur Versorgung der Prenzlauer Innenstadt, erzählte der Geschäftsführer Harald Jahnke der Stadtwerke Prenzlau im Gespräch mit dem „Nordkurier“. „Dass dieser Betrieb wieder eingestellt werden musste, lag an den verbauten DDR-Materialien. Sie waren nicht für den hohen Salzgehalt geeignet, weswegen die Leitungen durchrosteten. Das passiert mit modernen Rohren und Werkstoffen aber nicht mehr.“
Deshalb unternehmen die Stadtwerke nun einen neuen Anlauf, die Wärme aus der Tiefe zu Heizzwecken zu nutzen. Zu Forschungszwecken wurde schon 2786 Meter tief gebohrt und es wurde Wasser mit einer Temperatur von 108 Grad Celsius festgestellt. Die vorhandene Bohrung aus DDR-Zeiten kann zwar nicht weitergenutzt werden, sondern muss unter der Aufsicht des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe in Cottbus verfüllt werden. Die geologischen Bedingungen für die Neuauflage der Geothermie in Prenzlau wurden aber als sehr gut befunden. Und so entstand das neue Vorhaben.
Etwa einen Monat lang wird die Bohranlage den Meißel in die Tiefe treiben. Wenn alles gut geht, kann das Prenzlauer Fernwärmenetz künftig um ein Drittel vergrößert werden, auf dann knapp 5500 Haushalte. Perspektivisch sollen 60 Prozent der gesamten Fernwärme aus der Geothermie kommen. Geschäftsführer Harald Jahnke versichert den Anwohnern, dass es nach der demnächst manchmal lauten Bohrphase künftig sehr geräuscharm zugehen werde: „Geothermie ist leise, man sieht oberflächlich auch kaum etwas von der Technik.“
Durch die 40-prozentige Förderung des Bauvorhabens halten sich die Kosten im überschaubaren Rahmen, sagt der Geschäftsführer. Den Rest stemmen die Stadtwerke aus Eigenmitteln und bankenfinanziert. Schon Ende 2027 soll Erdwärme vom Thomas-Müntzer-Platz in das Fernwärmenetz eingespeist werden. „Wir hoffen, dass wir dank Geothermie den Wärmepreis für unsere Kunden stabil halten können. Das ist zuverlässige Versorgung zu einem guten Preis.“
Nordkurier