Das Fraunhofer IEG beim Deutschen Geothermiekongress: „Der Weg zur Industrialisierung der Geothermie“

17.11.2025 | Veranstaltungen
Rolf Bracke.

Der Deutsche Geothermiekongress beginnt am Dienstag, 18. November, in Frankfurt am Main. Als Hauptwissenschaftspartner beteiligt sich die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG. Deren Expertinnen und Experten gestalten den Kongress in zahlreichen Workshops, Sessions und Keynotes mit.

„Wärmewende ist die halbe Energiewende. Doch die Dynamik im Geothermie-Markt scheint dies noch nicht widerzuspiegeln“, sagt Prof. Dr. Rolf Bracke, Leiter des Fraunhofer IEG, im Vorfeld des Deutschen Geothermiekongresses. „Die Weichenstellungen, um die Geothermie von der Manufaktur zum Massenprodukt zu führen und den zukunftsfesten Umbau der Wärmesysteme in Industrie und Kommunen zu beschleunigen, müssen Politik und Branche gleichermaßen vornehmen. Wir brauchen nun mehr Kapazitäten für Aus- und Weiterbildung von Fachleuten und mehr Augenmerk auf die Standardisierung von Technologien unter und über Tage, um die politischen Ziele zu erreichen.“ Offene regulatorische und technologische Fragen spricht Bracke in seiner Keynote auf der Eröffnungssession am Mittwoch, 19. November 2025, an und zeichnet dabei den „Weg zur Industrialisierung der Geothermie“ auf.

Am Stand des Fraunhofer IEG auf dem DGK illustrieren zwei Modelle neue Technologien: Alle Möglichkeiten, Erdwärme für die urbanen Wärmenetze und Industrieprozesse zu nutzen, macht die Stele „Wärmewende“ anschaulich. Die vier Seiten der Installation geben Einblick in Grubenwassernutzung, Aquifer-Wärmespeicher, tiefe hydrothermale Geothermie und Erdwärmesonden. Das Exponat „Mikroturbine MTD“ veranschaulicht, wie diese Technologie schmale Abzweige aus senkrechten Hauptbohrungen technisch einfach ermöglicht und so hilft, Thermalwasserreservoire besser zu erschließen.

Neue Augen und Ohren in den Untergrund stellt Prof. Dr. Thomas Reinsch in seinem Vortrag „Faseroptische Überwachung von Tauchkreiselpumpen“ vor (Dienstag, 18. November 2025, 11.10 Uhr). Das schlanke Monitoringwerkzeug in Hochtemperatur- und Hochdruck-Umgebung kann helfen wartungsintensive Elemente der Tiefen Geothermie besser zu schützen und auch Fragen der Reservoir-Charakterisierung, Bohrungsintegrität, des Pumpenmonitorings und der Seismizität zu beantworten. Im Vortrag berichtet Reinsch von sechs Jahren Betriebserfahrung am Münchner Geothermie-Heizwerk Schäftlarnstraße.

Einen Schritt weiter geht Volker Wittig mit konstruktiven Verbesserungen an untertägigen Pumpensystemen für tiefe geothermische Systemen, die Effizienz und Lebensdauer steigern. Sein Vortrag „Applied, further development of electrical submersible pumps (ESP) and line shaft pumps (LSP) for better run time and economics of geothermal energy“ (Donnerstag, 20. November 2025, 10.20 Uhr) will die Pumpe als Achillesferse einer Geothermieanlage beseitigen.

Die „Nachnutzung von Kohlenwasserstoffbohrungen als tiefe Erdwärmesonden kann die Wärmewende in Norddeutschland voranbringen“ stellt Dr. Nora Koltzer in ihrem Vortrag fest (Dienstag, 18. November 2025, 15.20 Uhr). Bohrlochinhaber, Wärmeabnehmer, Kommunen und potenzielle Projektentwickler sollten sich des Potenzials bewusst sein und in ihren Wärmeplänen berücksichtigen.

Die Bohrtechnologie "Coilde Tubing" könnte viele ihrer Vorteile in die Erschließung von geothermalen Ressourcen einbringen. Julian Hoffmann präsentiert neue Entwicklungen in seinem Vortrag »Aufwältigung und Mikrobohrungen mittels Wireline-basierter Bohrlochgarnitur für tiefe Geothermie und thermische Speicher« (Donnerstag, 20. November 2025, 9.40 Uhr). Im Fokus stehen Effizienzsteigerung durch kontinuierliches Arbeiten, mehr Prozesskontrolle und Möglichkeiten zur umfassenden Datenübertragung.

Über die „Entwicklung eines prädikativen Monitoring- und Wartungssystems an untertägigen Förderpumpen zur Steigerung der geothermischen Energiegewinnung« trägt schließlich Robert Stockmann auf der DGK vor (Donnerstag, 20. November 2025, 12.10 Uhr).

Beim traditionellen Science-Bar-Rundgang präsentieren sich junge Forschende des Fraunhofer IEG mit den Themen: Co-Simulation eines Fernwärme- und -kältenetzes in Kombination mit einem Grubenwasserspeicher sowie Probabilistischer Strukturmodellen für die Geothermale Exploration (Mittwoch, 19. November 2025, 14 Uhr).

 

Quelle:

Fraunhofer IEG