Auf Gran Canaria steht das Forschungsteam zur Nutzung der Erdwärme vor einer entscheidenden Phase, berichtete jetzt die lokale Radiostation „Radio Europa“. Demnach soll es in Kürze die ersten Probebohrungen geben. Bei einem Erfolg möchte Gran Canaria die erste kanarische Insel werden, die Geothermie zur Stromerzeugung nutzt. Die einheimischen Forscher werden dabei von Experten aus Neuseeland unterstützt.
Auf Teneriffa ist unterdessen schon der Startschuss für die erste geothermische Kraftwerksanlage gefallen, nachdem die Erkundungsbohrungen das erhoffte Potenzial der Ressource bestätigten. Diese Ankündigung gab es bei einer Informationsveranstaltung mit Anwohnern, organisiert vom Konsortium für Geothermie auf den Kanarischen Inseln (EGC). Laut dem Online-Magazin „Kanarenmarkt“ präsentierten bei dem Treffen die Projektleiter eine Simulation, wie sich die zukünftige Anlage in die Umgebung integrieren würde.
„Geothermie wäre wie ein Lottogewinn für Teneriffa. Derzeit sind wir fast vollständig auf Photovoltaik und Windenergie angewiesen und erreichen kaum 20 Prozent erneuerbare Energien. Mit Geothermie könnten wir einen echten Sprung zu einem nachhaltigen und stabilen Modell machen, mit minimalem Einfluss auf das Land“, erklärte Juan José Martínez, Präsident des EGC. Das Projekt umfasst eine Gesamtinvestition von 86 Millionen Euro, von denen die Hälfte vom Staat finanziert wird. Zusätzlich profitiert es von den Next Generation-Fonds der Europäischen Union.
Nemesio Pérez, Direktor des Vulkanologischen Institut der Kanarischen Inseln, erinnerte die Teilnehmer daran, dass die Inseln das einzige Gebiet Spaniens mit hohem geothermischen Potenzial seien. „Wir forschen seit Jahrzehnten und dürfen diese Chance nicht verpassen“, sagte er. Pérez hob auch die Notwendigkeit hervor, die öffentlichen Informations- und Aufklärungsbemühungen rund um dieses Projekt zu verstärken, um das Verständnis für das unterirdische Teneriffa zu erweitern und wichtige Einblicke in die vulkanische Struktur der Insel zu gewinnen.
Die Veranstaltung zeigte auch internationale Beispiele etwa wie die Anlage auf São Miguel (Azoren), die mehr als 20 Prozent des lokalen Strombedarfs deckt. Erst kürzlich ist eine Delegation aus Teneriffa nach São Miguel gereist, um sich Energieerzeugungs-Konzept der Azoren anzusehen. Dort verfügt man schon über eine rund 40-jährige Erfahrung mit Geothermie.
Radio Europa/Kanarenmarkt