Deutsche Erdwärme startet Langzeittest in Graben-Neudorf

10.11.2025 | Projekte
Der Bohrplatz in Graben-Neudorf.

Nach monatelanger Ruhe kommt in das Geothermie-Projekt in Graben-Neudorf (Landkreis Karlsruhe) wieder Bewegung: Ein Langzeittest soll die Produktivität der 3600 Meter tiefen Bohrung sicherstellen. Die Deutsche Erdwärme verspricht sich viel von diesem Test, der zwei bis drei Wochen lang laufen soll.

Die zentrale Frage lautet: Ist die Erdwärme-Bohrung so produktiv, wie von der Karlsruher Geothermie-Firma Deutsche Erdwärme erhofft. Wie der SWR berichtet, soll in dem Langzeittest Wasser in den Untergrund gepumpt werden. Dann folgen seismologische Messungen und Druckuntersuchungen. So wollen die Experten der Geothermie-Firma herausfinden, unter welchen Bedingungen eine zukünftige Geothermie-Anlage sicher betrieben werden kann. 

Einen solchen Langzeittest habe es in Deutschland und in der Rheinebene noch nicht gegeben, erklärt der Geschäftsführer der Deutschen Erdwärme, Herbert Pohl, laut SWR. Schon seit Jahrzehnten wird die Geothermie in Graben-Neudorf untersucht. In dem fortgeschrittenen Projekt geht es nun darum, die nachhaltige Förderung aus dem Wärmereservoir zu sichern und Betriebsabläufe zu simulieren. Erste systematische Untersuchungen zur Geothermie des Standortes starteten schon vor über 30 Jahren.

Im Verlauf der jetzigen Tests sollen mehrmals größere Mengen Wasser in den heißen Untergrund gepumpt werden. Dabei wird Druck angewendet - aber nur so Druck viel, dass keine größeren seismischen Folgen entstehen. Damit will man Vorfälle wie in Basel oder Landau verhindern, wo es in der Vergangenheit zu kleineren Erdbeben kam.

Mit dem Langzeittest will die Deutsche Erdwärme auch sicher stellen, dass sie in Zukunft genügend Wärme für ein regionales Fernwärmenetz bereitstellen kann. Mindestens die Gemeinde Graben-Neudorf soll versorgt werden. Ebenso die Stadt Bruchsal. Darüber hinaus ist das Karlsruher Geothermie-Unternehmen mit weiteren Stadtwerken in Verhandlung. Weitere Bohrungen sind im nur wenige Kilometer entfernten Dettenheim vorgesehen. Dort müssen aber noch die Rahmenbedingungen geklärt werden.

Wenn alles nach Fahrplan verläuft, folgt in Graben-Neudorf im nächsten Jahr die zweite Bohrung. Sie ist notwendig, um die Anlage überhaupt betreiben zu können. Einen genauen Termin dafür gibt es aber noch nicht. Nach Angaben der Deutschen Erdwärme stehen für solche Tiefenbohrungen nur wenige Spezialgeräte in Europa zur Verfügung. Erst wenn wieder ein Bohrgerät frei ist, kann in Graben-Neudorf weitergearbeitet werden.

Mit mehr als 200 Grad Celsius in rund 3.600 Metern Tiefe gilt Graben-Neudorf als heißeste Thermalwasserquelle Deutschlands. Um das extrem heiße Wasser zu fördern, musste eine spezielle hitzeresistente Technik installiert werden, die ursprünglich nicht vorgesehen war. Das Ziel ist, ab 2029 im Regelbetrieb heißes Thermalwasser aus der Tiefe zu fördern. Bis dahin muss in Graben-Neudorf auch noch ein Kraftwerk auf dem Bohrgelände gebaut werden.

Quelle:

SWR

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