In Berlin-Adlershof wird an dem Projekt gearbeitet, das die Energiewende der Hauptstadt ein gutes Stück voranbringen soll - der größte unterirdische Warmwasserspeicher Deutschlands. Forscherinnen und Forscher des Deutschen GeoForschungsZentrums (GFZ) haben jetzt bestätigt, dass die geologischen Bedingungen unter Adlershof außergewöhnlich gut geeignet sind. In rund 400 Metern Tiefe befindet sich eine poröse, grobkörnige Sandstein-Formation, das sogenannte „Hettang“, die sich als natürliches Speichermedium für Warmwasser anbietet.
Während der Testphase wurden mehrfach rund 250.000 Liter nahezu kochend heißes Wasser in die Tiefe gepumpt und Wochen später wieder nach oben gefördert. Dabei erreichte das Gestein die angestrebte Betriebstemperatur von etwa 95 Grad Celsius, ohne Anzeichen von Zersetzung zu zeigen. Die hydraulischen Eigenschaften des Sandsteins bestätigten sich ebenfalls als stabil und belastbar, berichtet das Portal entwicklungsstadt.de nach einer Mitteilung des GFK.
Mit den Testreihen konnte nachgewiesen werden, dass die Speicherformation Wasser und Wärme erwartungsgemäß aufnimmt und wieder abgibt. Die Detailauswertung dauert zwar an, doch die bisherigen Ergebnisse schaffen Planungssicherheit für weitere Investitionen in Berlins tiefe Geothermie.
In den kommenden Monaten will die Blockheizkraftwerks-Träger- und Betreibergesellschaft (BTB), die das Projekt gemeinsam mit dem GFZ und der TU Dresden betreibt, mit den Hauptbohrungen beginnen. Das verbliebene Forschungsbohrloch dient künftig als Überwachungsinstrument für die Bauarbeiten und den späteren Betrieb. Sollte das Genehmigungsverfahren zügig verlaufen, könnte der unterirdische Wärmespeicher Ende 2027 ans Fernwärmenetz im Berliner Südosten angeschlossen werden.
Der Geospeicher soll jährlich rund 30.000 Megawattstunden erneuerbare Wärme aufnehmen. Die gespeicherte Energie stammt vor allem aus dem Holzheizkraftwerk Neukölln und aus weiteren industriellen Abwärmequellen, die im Sommer im Überschuss vorhanden sind.
Im Winter wird die gespeicherte Energie mithilfe eines großtechnischen Wärmepumpensystems wieder entzogen und in das regionale Fernwärmenetz eingespeist. Auf diese Weise sollen fossile Brennstoffe ersetzt und Versorgungsspitzen abgefedert werden, die bislang häufig durch Gas gedeckt werden. Modellrechnungen gehen von einem Wärmeverlust von etwa 15 Prozent aus, der ökologische Nutzen bleibt dennoch beachtlich, wie die Projektverantwortlichen erläutern.
Denn pro Jahr könnten bis zu 10.000 Tonnen CO₂ eingespart werden, so die Forscherinnen und Forscher des GFZ. Langfristig ist zudem vorgesehen, neben Prozesswärme auch Solarthermie oder weitere erneuerbare Wärmequellen einzuspeichern. Damit würde der Speicher einen wichtigen Baustein für ein zunehmend diversifiziertes und dekarbonisiertes Wärmesystem bilden.
Die geologischen Untersuchungen waren ein notwendiger Schritt, da bislang nur wenige belastbare Daten über tiefe Erdschichten in Berlin vorlagen. Besonders wichtig ist die klare Trennung von Speicherschichten und den oberflächennahen, streng geschützten Trinkwasservorkommen. In Adlershof trennt eine rund 100 Meter dicke Tonschicht die salzwasserführenden Speicherzonen vom Grundwasser.
Berlin plant, künftig bis zu 20 Prozent seines Wärmebedarfs über Geothermie und Wärmespeichertechnologien zu decken. Eine Studie der Investitionsbank Berlin schätzt die dafür notwendigen Investitionen auf rund 4,2 Milliarden Euro. Der neue Geospeicher in Adlershof gilt als Pilotprojekt, das zeigen soll, wie groß das Potenzial im tiefen Untergrund der Hauptstadt tatsächlich ist. Sollte der Speicher wie geplant funktionieren, könnte er zum Vorbild für weitere Standorte in der Hauptstadt und im Bundesgebiet werden.
Deutsches GeoForschungsZentrum / www.entwicklungsstadt.de