„EGS hat sich im großen Maßstab bewährt“: Fervo Energy veröffentlicht Produktionsdaten aus zwei Jahren „Project Red“

16.04.2026 | Internationale Projekte
Fervo "Project Red"

Seit Oktober 2023 betreibt Fervo Energy sein Pilotprojekt der EGS-Technologie im US-Bundesstaat Nevada. Nach mehr als 600 Tagen im Produktionsbetrieb meldet das Unternehmen stolz: „EGS hat sich im großen Maßstab bewährt – und wir verstehen auch warum“. Dazu hat das Unternehmen jetzt umfangreiche Daten veröffentlicht.

Mit seinen mehr als 600 Tagen im Produktionsbetrieb ist das „Project Red“ von Fervo das weltweit am längsten laufende Geothermie-Kraftwerk der EGS-Technologie (Enhanced Geothermal Systems). „Unsere Ergebnisse bestätigen, dass EGS zuverlässigen, rund um die Uhr verfügbaren und CO₂-freien Strom mit stabiler, vorhersehbarer Langzeitleistung liefern kann“, heißt es in der aktuellen Mitteilung von Fervo. Der dazu veröffentlichte Datensatz bestätigt dem Unternehmen zufolge „die grundlegenden physikalischen Prinzipien der EGS-Technologie im großen Maßstab“. 

Im EGS-Konzept von Fervo werden horizontale Bohrlöcher in die heißen Gesteinsformationen in der Tiefe gebohrt und über ein Netzwerk aus künstlich erzeugten Rissen miteinander verbunden. Kaltes Wasser wird eingeleitet, das sich beim Durchströmen des unterirdischen Netzwerks erwärmt und anschließend zur Stromerzeugung wieder an die Oberfläche gefördert wird. Die ersten Tests ergaben eine maximale Leistung von 3,5 Megawatt elektrisch bei einer Durchflussrate von 60 Litern pro Sekunde. 

Wie Fervo betont, wurde das „Project Red“ bewusst als Lernplattform konzipiert und nicht als produktionsoptimiertes System. Der Schwerpunkt liege deshalb auf einem Betrieb, der Datenerfassung, Anlagenintegration und strukturierte Leistungsversuche in Einklang bringt. Seit der Inbetriebnahme im Oktober 2023 sei die Anlage mehr als 600 Tage lang im Produktionsbetrieb gelaufen. 

Laut Fervo habe es zwar mehrere längere Ausfallzeiten gegeben. Diese seien aber auf Ereignisse an den Oberflächenanlagen und der Netzinfrastruktur zurückzuführen gewesen. Abgesehen davon habe das „Project Red“ mit einer Verfügbarkeit von 98,4 Prozent gearbeitet. Wie Fervo betont, kam der Betrieb des Systems ohne Wartungsarbeiten im Bohrloch oder chemische Behandlungen aus.

Die Leistung der Anlage sei während des gesamten bisherigen Betriebs stabil und vorhersehbar geblieben. Schwankungen habe es laut Fervo nur aufgrund zweier bekannter Faktoren gegeben: wegen Betriebsänderungen und dem jahreszeitlich bedingten Einfluss der Umgebungstemperatur auf den Wirkungsgrad der Anlage. Über den gesamten Zeitraum seit Betriebsbeginn habe das System eine durchschnittliche Bruttoleistung von 2,1 Megawatt bei einer durchschnittlichen Produktionstemperatur von 175 Grad Celsius und einer Zirkulationsrate von rund 36 Litern pro Sekunde erbracht. 

Eine der wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit der EGS-Technologie sei laut Fervo schon immer gewesen, wie sich das Reservoir über längere Förderzeiträume hinweg verhält. Das „Project Red“ liefert dazu „die umfassendste Antwort, die die Branche je hatte“. Wie die Tests von Fervo zeigten, zirkuliert das Wasser in weniger als 24 Stunden durch das künstlich geschaffene Netzwerk. Das bedeutet, dass die Flüssigkeit im Laufe des Betriebs schon hunderte von Zyklen im Reservoir absolviert hat und die Produktionstemperaturen seien dabei im Wesentlichen unverändert geblieben.

Bei der Zirkulation im Rissnetzwerk erreicht laut Fervo aber nicht das gesamte Wasser direkt wieder die Förderbohrung. Ein Teil wandert in umliegende Risse und wird vorübergehend im Reservoir gespeichert. Frühe Produktionsdaten des „Project Red“ zeigen nur Rückgewinnungsraten von etwa 70 Prozent des Wassers. Dies sei aber eher als Druckaufbau und Sättigung des Lagerstättenreservoirs zu verstehen denn als dauerhafter Wasserverlust.

Mit fortschreitender Zirkulation und zunehmendem Druck im Lagerstättenreservoir sei aber mit einer Verbesserung der Rückgewinnungsraten zu rechnen. Die Rückgewinnungsrate verbessert sich laut Fervo aber auch mit der Weiterentwicklung der Bohrlochkonstruktionen. Moderne EGS-Konfigurationen verringern demnach die Strecke der Flüssigkeit zur Förderbohrung, was die Rückgewinnung deutlich erhöht. Fervo erwartet, dass sich so Rückgewinnungsraten von über 99 Prozent erreichen lassen. 

Nachdem die primären technischen Ziele erreicht wurden, dient das „Project Red“ nun als Testumgebung für die Optimierung des EGS-Designs und für Technologieversuche. Die nächste Generation der EGS-Projekte von Fervo enthält bereits Verbesserungen, die auf den Daten des „Project Red“ basieren. Das Ergebnis ist eine sprunghafte Leistungssteigerung. Laut Fervo steigt die Bruttoleistung pro Förderbohrung um mehr als das Siebenfache.

Das Fazit von Fervo: Die Fragen, die sich heute im Zusammenhang mit EGS stellen, drehen sich nicht mehr darum, ob die Technologie funktioniert. Diese Frage habe das „Project Red“ beantwortet. Es gehe vielmehr darum, in welchem Umfang EGS skaliert werden kann, damit es zu einem dekarbonisierten Energiesystem beitragen kann.

 

Quelle:

Fervo Energy

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