Nach rund acht Wochen intensiver Bohr- und Untersuchungsarbeiten hat der GD NRW erfolgreich nachgewiesen, dass der Untergrund von Kempen für die saisonale Speicherung von Wärme grundsätzlich geeignet ist. An der Otto-Schrott-Straße wurde bis zu 150 Meter tief in den Boden gebohrt, um die bis zu 28 Millionen Jahre alten Meeressande der Grafenberg-Formation zu erforschen. Die gefundenen wasserführenden Schichten (Aquifer) können unter geeigneten Bedingungen als Wärme- oder auch Kältespeicher dienen. Ingo Schäfer (GD NRW) betont, dass die Ergebnisse für die gesamte Region relevant seien. Die im Sommer anfallende Wärme könne nach seinen Aussagen in 100 Metern Tiefe über Monate hinweg gespeichert und im Winter für eine klimafreundliche Wärmeversorgung genutzt werden.
Als besonders interessant stellt sich der Bereich zwischen 80 und 100 Metern Tiefe heraus. Hier wurden grobkörnige, muschelreiche Sande mit hoher Wasserführung entdeckt. Diese bieten durch ihren Porenraum ideale Voraussetzungen für die Speicherung von Wärme, während darüber feinere, weniger durchlässige Sandschichten als natürlicher „Deckel" fungieren und den Verlust der gespeicherten Wärme verhindern. Der anschließende Pumpversuch und die geophysikalischen Messungen haben die hohe Wasserergiebigkeit dieser Schicht bestätigt.
Das Speichern von aufgeheiztem Wasser im Untergrund zählt in Nordrhein-Westfalen zwar noch zu den seltenen Anwendungen, doch handelt es sich um eine bewährte Technologie mit internationalen Vorbildern. In den Niederlanden sind Aquifer-Wärmespeicher bereits fester Bestandteil der dezentralen Wärmeversorgung. In Deutschland wird beispielsweise das Berliner Reichstagsgebäude mit einem Aquifer-Wärmespeicher beheizt, während ein zweites unterirdisches Speicherbecken gezielt für die sommerliche Klimatisierung genutzt wird.