Ergebnisse der 3D-Seismik vorgestellt: Stadtwerke Münster prüfen Standort am Hafen für die Tiefengeothermie

30.04.2026 | Erkundung & Analyse
Die Seismik-Messung der Stadtwerke Münster im Jahr 2024

Die Untersuchungen für Tiefengeothermie im Auftrag der Stadtwerke Münster sorgten Ende 2024 für großes Aufsehen in der Stadt. Rund 500 Terrabyte an Rohdaten kamen bei der 3D-Seismik zusammen – das entspricht etwa 125 Millionen Fotos auf einem Smartphone. Die Ergebnisse haben die Stadtwerke Münster nun vorgestellt. 

Das Ziel der Untersuchungen war es, ein dreidimensionales Abbild des Untergrunds von Münster bis in eine Tiefe von 6.000 Metern zu erstellen. Im Mittelpunkt des Interesses stehen drei Schichten aus Kalkgestein: die Oberkreide in 900 bis 1.500 Metern Tiefe sowie der Kohlen- und Massenkalk in 4.700 Metern bis 6.700 Metern. Mithilfe dieses Bildes können die Stadtwerke Münster diejenigen Standorte an der Oberfläche identifizieren, an denen die geplanten Bohrungen nach heißem Thermalwasser erfolgversprechend sind. Ob und wie viel heißes Wasser in der Tiefe vorzufinden ist, zeigt das Untergrundbild jedoch nicht – es stellt vor allem die Lage und den Verlauf der Gesteinsschichten dar.

„Münster-Sprung“ und „Sachsen-Sprung“ besonders interessant

Im Untergrundmodell von Münster sind drei prägende geologische Strukturen gut erkennbar: Der Sendener Sattel, der Sachsen-Sprung sowie der Münster-Sprung. Diese Strukturen haben sich im Laufe der Jahrmillionen gehoben, gesenkt, verschoben und sind gebrochen. Diese Brüche oder Störungszonen sind besonders interessant für die Tiefengeothermie: In Störungszonen ist das Gestein durchlässiger, es kann beispielsweise Wasser speichern und durchleiten. Hinzu kommen weitere Störungen, die gemeinsam ein zusammenhängendes System bilden. Ein solches ist auch unterhalb Münsters vorhanden. „Der Münster-Sprung und der Sachsen-Sprung bilden zusammen ein Störungssystem unter Münster. Das sind gute geologische Voraussetzungen für Tiefengeothermie“, sagt Dr. Carsten Lehmann, Projektleiter bei den Stadtwerken Münster, laut aktueller Pressemitteilung.

Wichtige Kriterien: Nah am Wärmenetz und ausreichend Fläche für den Bohrplatz

Für die Wärmeversorgung müssen Tiefengeothermie-Standorte neben der geologischen Eignung weitere Kriterien erfüllen: Sie sollten einerseits möglichst nah am Fernwärmenetz gelegen sein, um die gewonnene Wärme einspeisen zu können. Andererseits muss ausreichend Fläche für einen Bohrplatz und ein späteres Heizwerk verfügbar sein (Bohrplatz: bis zu 10.000 Quadratmeter, Heizwerk: bis zu 6.000 Quadratmeter). Nicht zuletzt muss eine Bohrung am Standort grundsätzlich genehmigungsfähig sein, was beispielsweise Wasser- und Naturschutzgebiete grundsätzlich ausschließt.

Erster Schritt zielt auf flachere der drei interessanten Gesteinsschichten

Im ersten Schritt wollen die Stadtwerke Münster die flachere der drei Gesteinsschichten in 900 bis 1.500 Metern mit einer Bohrung erreichen. Bereits vor den Seismik-Messungen hatten die Stadtwerke Münster verschiedene Vorzugsstandorte für die Tiefengeothermie identifiziert. Diese wurden nun anhand des Untergrundbilds geologisch eingehend geprüft. Am Stadthafen steht dabei ein Gelände der Stadtwerke neben dem DHL-Verteilzentrum im Fokus, das aktuell als Lagerfläche und für Containerbüros genutzt wird. „Der Standort Hafen erfüllt an der Oberfläche unsere wichtigsten Kriterien: Er liegt nah an der zentralen Einspeisung in das Fernwärmenetz und die Fläche ist im Eigentum der Stadtwerke. Diesen Standort prüfen wir intensiv für eine erste Bohrung. Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit“, sagt Markus Bieder, Leiter der Wärme- und Stromerzeugung der Stadtwerke. 

Forschungsbohrung des Geologischen Dienstes NRW schon im Jahr 2027

Die Stadtwerke Münster sind dann wohl nicht die ersten, die einen Blick in die Tiefe wagen: Der Geologische Dienst NRW plant im Jahr 2027 eine Forschungsbohrung in Münster. Diese ist Teil eines landesweiten Explorations- und Bohrprogramms und beauftragt durch das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen als Teil des „Masterplans Geothermie NRW“. Die Forschungsbohrung soll erstmals das Kalkgestein aus der Oberkreidezeit in mehr als 1.000 Metern Tiefe erreichen. Ein Ziel der Bohrung ist es, die Machbarkeit von Tiefengeothermie exemplarisch für das gesamte Münsterland nachzuweisen. 

Stadtwerke Münster planen Bohrung im Jahr 2028

Aufgrund der guten Datenlage fiel die Wahl auf Münster als Referenzstandort. „Diese Forschungsbohrung wird sehr wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung unseres Vorhabens bringen“, betont Markus Bieder. Die Stadtwerke Münster beginnen parallel mit der Planung einer ersten eigenen Tiefenbohrung. Ziel ist es, diese 2028 durchzuführen. Vorab sind umfangreiche Planungen zu erstellen, Fördermittel einzuwerben und ein aufwendiges Genehmigungsverfahren bei der Bergbehörde Arnsberg zu durchlaufen.

 

Quelle:

Stadtwerke Münster