Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur: „Erdwärme ist bezahlbar, sicher und macht uns unabhängiger von fossilen Importen. Mit den Messungen im Münsterland und am Niederrhein schaffen wir die Grundlage dafür, dass Wohnungen, Schulen, Schwimmbäder und Betriebe schon bald mit Wärme aus der Tiefe versorgt werden können. So profitieren Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen ganz konkret von der Wärmewende vor Ort.“
In diesem Jahr steht das nördliche Münsterland im Fokus der Seismik-Messungen. „Gerade hier deuten unsere Geo-Daten auf besonders viele Gesteine hin, die für Erdwärme geeignet sein können. Im Untergrund kommen sowohl Sandstein- als auch Kalksteinhorizonte aus unterschiedlichen Erdzeitaltern vor“, betont Dr. Martin Salamon, Geologe und stellvertretender Direktor des GD NRW. Diese Gesteine sind oft von Spalten und Hohlräumen durchzogen, die als natürliche Fließwege für warmes Tiefenwasser dienen können. Das macht sie für eine Nutzung von Erdwärme besonders interessant.
„Bei den Seismik-Messungen schicken wir mit speziellen Messfahrzeugen, den Vibro-Trucks, Schallwellen bis in 4.000 Meter Tiefe und erhalten durch die Reflexionen eine Art Ultraschallbild des Untergrundes“, erklärt Projektleiter Ingo Schäfer. „Nach Auswertung der Daten ist dann ersichtlich, in welchen Tiefenlagen sich die für eine geothermische Nutzung interessanten Gesteine befinden und wo es sich für die Kommunen besonders lohnt, selbst weitere Untersuchungen durchzuführen.“
Wo und wann wird gemessen?
Es sind drei Messlinien mit insgesamt ca. 180 Kilometern Gesamtlänge geplant. Sie verlaufen zwischen Geldern und Legden, Ahaus und Hopsten sowie zwischen Hopsten und Westerkappeln. Auf der Strecke wird ein Messtrupp mit drei Vibro-Trucks im Einsatz sein, der im Westen im Kreis Kleve startet und sich dann nach Osten bis Westerkappeln bewegt. Die Messungen finden im vierten Quartal 2026 statt und dauern etwa sieben bis neun Wochen. Geplant ist derzeit, überwiegend nachts zu messen, um den Straßenverkehr nicht zu belasten. Auch die Datenqualität ist aufgrund des ruhigeren Umfeldes in der Nacht besser.
Mit der Erkundung des nördlichen Münsterlandes schließt sich ein Kreis: Bereits 2021 fanden im zentralen Münsterland erste Seismik-Messungen im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen statt. Die Stadtwerke Münster bauten auf den bereitgestellten Ergebnissen auf und haben mittlerweile selbst 3D-Seismik-Messungen durchgeführt, um ein eigenes Geothermieprojekt zu realisieren (wir berichteten). Damit wollen sie die Erdwärme für ihre kommunale Wärmeversorgung nutzbar machen. „Am Beispiel Münster zeigt sich, wie erfolgreich und wichtig diese Vorleistung des Landes ist, eine Datengrundlage über mögliche Erdwärmevorkommen zu schaffen“, betont Dr. Salamon.
Vibro-Truck zum Anfassen beim NRW-Tag und in der Region
Vom 28. bis zum 30. August präsentiert der GD NRW in Münster gemeinsam mit dem Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie das Explorations- und Bohrprogramm „Geowärme – Wir erkunden NRW.“. Drei Tage lang können Interessierte im Bereich Clemensstraße und Stubengasse einen Vibro-Truck und eine Tiefbohranlage besichtigen und sich über die Technik und Erdwärme informieren.
Zudem wird es die Vibro-Trucks live und zum Anfassen an drei Terminen entlang der Messtrecke geben: Die genauen Orte und Termine sind in Kürze auf der Website geowaerme.nrw.de zu finden. Umfassende Informationen zum Projekt stellt der GD NRW außerdem auf dieser Webseite zur Verfügung. Ergänzend liefern die Social-Media-Kanäle wöchentlich unter @geowaermenrw Updates zu den Messstrecken, Informationen zu Technik und Hintergründen und aktuelle Impressionen von der Strecke.