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Festtag in Traunreut: Meißelanschlag für Geothermiekraftwerk

31. Januar 2012

Mit dem so genannten „Meißelanschlag" wurden heute die Tiefbohrarbeiten für das Geothermiekraftwerk im oberbayerischen Traunreut offiziell begonnen. Die zwei Bohrungen sollen Thermalwasser in ca. 5.000 Meter Tiefe erschließen.

Rund 120 geladene Gäste waren Zeuge, als Landrat Hermann Steinmaßl, Bürgermeister Franz Parzinger, Dr. Raimund König, Geschäftsführender Gesellschafter der Grünwald Equity Geothermie GmbH, und Thomas Neu, Geschäftsführer der Geothermischen Kraftwerksgesellschaft Traunreut (GKT), gemeinsam symbolisch den roten Startknopf drückten und damit den offiziellen Beginn der ersten Bohrung einläuteten.

Die Grünwald Equity Geothermie GmbH wird über Ihre Tochtergesellschaft, die Geothermische Kraftwerksgesellschaft Traunreut mbH, bis zur Inbetriebnahme rund 65 Mio. € in Bohrungen und Kraftwerk investieren. Dieses Kraftwerk wird das bestehende Fernwärmenetzwerk in Traunreut versorgen und geothermalen Strom liefern. Sowohl die Stadt Traunreut als auch der Kreis Traunstein unterstützen das Projekt sehr, da es einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der energie- und klimapolitischen Ziele leistet. Die Wärmelieferung durch das Geothermiekraftwerk ist die Grundlage für den notwendigen Ausbau des bestehenden Wämenetzes, das bisher mit einem Biomasseheizkraftwerk versorgt wird, aber jetzt an seine Kapazitätsgrenzen stößt. Der Vertrag für die geothermische Wärmelieferung wurde bereits im Mai 2011 abgeschlossen und ist eine wichtige Grundlage für die Investition.

Bis zu einer Tiefe von fast 5.000 Metern soll der Bohrmeißel ab Ende Januar in die Erde vordringen, erwartet werden dort Wasser führende Schichten mit Temperaturen von ca. 130 Grad Celsius. Der relativ niedrige Temperaturgradient von unter 30 °C pro Kilometer wird auf Grund des Bayerischen Geothermieatlas angenommen.

Mit den Bohrarbeiten für die Reservoirerschließung ist die Angers Söhne Bohr- und Brunnenbaugesellschaft aus Hessisch-Lichtenau beauftragt. Für den Einsatz der Bohranlage INNOVARIG vom Typ Terra Invader, spricht, dass sie zuverlässig und sehr leise arbeitet und deshalb für den wohnortnahen Einsatz geeignet ist. den geräuscharmen Betrieb hat die Bohranlage bereits beim GeneSys-Projekt in Hannover unter Beweis gestellt.

Der wichtigste Faktor für den erfolgreichen Verlauf der Bohrungen ist die Identifikation von Thermalwasser führenden Strukturen. Diese wurden auf Basis einer 3D-Seismik bestimmt. Die erste Bohrung soll in der Zielteufe um ca. 200 m abgelenkt sein. Das Zielteufe wird durch eine weitere seismische Untersuchung, eine so genannte InBohrlochSeismik zusätzlich präzisiert werden.

Nach Abschluss der ersten Bohrung wird die Bohranlage um 7,5 Meter seitlich verschoben, um eine zweite Bohrung in den Malmkarst des nordalpinen Molassebeckens niederzubringen. Diese deutlich stärker abgelenkte Bohrung dient dazu, das abgekühlte Wasser wieder in die Erde zurückzuführen.

Im Anschluss an die Fündigkeits- und Leistungstest der beiden Bohrungen sollen Ende 2012 die Arbeiten für den Kraftwerksbau beginnen. Nach Montage der Wärmetauscher, der Turbine und des Wärmeüberträgers für das Fernwärmenetz der Stadtwerke Traunreut kann die Anlage eingefahren werden und ans Netz gehen, um Ende 2013 Fernwärme und Anfang 2014 Strom zu liefern. Die moderne Geothermieanlage ist auf 10 Megawatt thermischer Leistung ausgelegt und kann rein rechnerisch sowohl die 21.000-Einwohner-Stadt im Südosten Bayerns problemlos mit umwelt- und klimaschonender Heizwärme aus dem Erdinneren versorgen als auch Strom liefern. Und das für eine Dauer von mindestens 30 Jahren.

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