GeoBG-Debatte im Bundestag: „Geothermie ist keine Spielwiese für Modellprojekte, sondern eine Zukunftstechnologie"

11.10.2025 | Politik
Die Aussprache über das Geothermie-Beschleunigungsgesetz im Deutschen Bundestag

9. Oktober 2025, 21.25 Uhr im Deutschen Bundestag: Vizepräsident Bodo Ramelow (Die Linke) eröffnet die Aussprache über den von der Bundesregierung eingebrachten Gesetzentwurf zur Beschleunigung des Ausbaus von Geothermie-Anlagen, Wärmepumpen und Wärmespeichern. Das Informationsportal Tiefe Geothermie hat die Aussprache im Wortlaut: 

Hans Koller (CSU): 

Die Wärmewende ist eine der größten Aufgaben unserer Energiepolitik und Klimapolitik. Mehr als die Hälfte unseres Energieverbrauchs entfällt auf die Wärme, und dieser Bereich hängt leider Gottes immer noch weitgehend am fossilen Tropf. Gleichzeitig liegt das Potenzial direkt unter uns. Die Geothermie kann einen erheblichen Teil unseres Wärmebedarfs klimaneutral, verlässlich und dauerhaft decken. In vielen Regionen unseres Landes liegen beste Voraussetzungen dafür vor. Ich nenne als Beispiel das Alpenvorland mit den süddeutschen Molassebecken, die geologisch ideale Bedingungen bieten. In großer Tiefe zirkuliert dort heißes Thermalwasser in durchlässigen Kalkschichten, ein natürlicher Wärmespeicher, der das Alpenland zu einer geothermisch günstigen Region macht. Entlang dieser Zone von Unterhaching über Pullach und Grünwald bis hin nach Straubing zeigen bereits heute zahlreiche Anlagen, welches Potenzial in dieser heimischen Energiequelle steckt. Sichere, saubere und verlässliche Wärme aus unserem Boden. 

Dass die Bundesregierung die Nutzung der Geothermie jetzt endlich beschleunigen will, ist richtig und längst überfällig. Mit dem Gesetzentwurf wird die Geothermie erstmals ausdrücklich als Energiequelle von überragendem öffentlichen Interesse anerkannt. Das ist ein wichtiges Signal und eine längst überfällige Gleichstellung mit Wind- und Solarenergie. Wer die Wärmewende ernst meint, muss der Erdwärme denselben Stellenwert geben. Der Entwurf soll Verfahren vereinheitlichen, Doppelprüfungen vermeiden und klare Fristen schaffen. Er stärkt die Planungssicherheit für Kommunen und Unternehmen, weil Wärmeleitungen künftig Strom- und Gasleitungen gleichgestellt werden. Es wird Rechtssicherheit geschaffen, wo bislang Unsicherheit herrschte bei Genehmigungen, Zuständigkeiten und Verfahrensabläufen. Bürokratische Hemmnisse werden abgebaut. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Tempo und Vertrauen. 

Ein Beschleunigungsgesetz wirkt nur, wenn es auch tatsächlich angewandt wird, vor allem dort, wo Berg- und Wasserrecht ineinandergreifen. Wer Bohrungen erleichtert, muss auch die wasserrechtlichen Verfahren beschleunigen. Nur dann entsteht echte Beschleunigung, nicht nur auf dem Papier. Für uns, meine Damen und Herren, ist Geothermie keine Spielwiese für Modellprojekte, sondern eine Zukunftstechnologie. Wir wollen dieses Gesetz konstruktiv begleiten für eine sichere, bezahlbare und klimaneutrale Wärmeversorgung im ganzen Land. 

Steffen Kotré, AfD: 

Das autoritäre Energiewende-Regime hat wieder zugeschlagen. Jetzt werden also auch Anlagen der Wärmeerzeugung gesetzlich privilegiert und ihre Errichtung juristisch fast unangreifbar gemacht - Stichwort hierzu: im überragenden öffentlichen Interesse stehend. Die aktuelle Bundesregierung macht genau da weiter, wo die Ampel aufgehört hat. Aber die Bundesregierung muss ja auch zu autoritären Mitteln greifen, wenn sie eben die weltdümmste Energiepolitik zur Umstellung von preiswert, von sicher, von umweltverträglich hin zu teuer, unsicher und umweltbelastend durchdrücken will. Denn niemand kommt von allein auf die Idee, wettbewerbsunfähige Systeme zu nutzen. 

Die großflächige Anwendung von Geothermie ist bei uns nicht marktfähig. Wie in der Planwirtschaft üblich, muss eben auch im Klimasozialismus der Bundesregierung der Rechtsstaat eingedampft werden. Für große Anlagen fällt eine Rechtsinstanz weg. Der Zugang zu den Verwaltungsgerichten wird verwehrt. Nicht nur das lässt die Rechtschaffenheit der Bundesregierung in Zweifel ziehen. Auch die Begründung dafür zeugt von dem Unwillen, den Rechtsstaat zu sichern. Es wird eine Beschleunigung der Verfahren angestrebt. Gerichtlich dauern die Verfahren in Deutschland einfach zu lange. Aber statt einfach eine Justizreform auf den Weg zu bringen, kürzt also die Bundesregierung hier vorliegend kurzerhand einfach die Rechtswege und senkt die Standards. Also, wenn die Verfahren zu lange sind, die Bundesregierung untätig ist, werden einfach die Rechtsmittel zulasten der Bürger verwehrt. Ein Hauch von Bananenrepublik, meine Damen und Herren. 

Die oberflächennahen Geothermie-Anlagen werden aus dem Bundesberggesetz herausgenommen. Das ist juristisch ein Dammbruch. Es verliert ein ganzer Bereich den bisher bergrechtlichen Schutz bei Schadensfällen durch Bohrungen. Künftig muss der Geschädigte selbst beweisen, dass genau die jeweilige Bohrung in seiner Umgebung den Schaden verursacht hat. Das ist ein Beweis, der oftmals schwer zu führen ist. Viele Betroffene werden dann leider wohl kein Recht bekommen. Der Gesetzentwurf führt eine Gefährdungshaftung für Betreiber ein, also auch für Privatpersonen, die sich eine Erdwärmesonde in ihren Garten einbauen lassen. Sie haften dann verschuldungsunabhängig, auch für Fehler der Bohrfirmen. Auch das ist ein falsches Rechtsverständnis der Bundesregierung. Als Versicherung der Unternehmen wird lediglich eine ausreichende Versicherung gefordert. Was das heißt, bleibt hier völlig offen. Keine Mindestdeckung, keine Standards, keine bundeseinheitlichen Rahmensetzungen. Jedes Bundesland entscheidet selbst, wie viel oder wie wenig Schutz verlangt wird. So entsteht eben ein Versicherungsflickenteppich. Das Schadensrisiko ist eben hoch, so hoch, dass Bundesländer Bürgschaften zur Übernahme von Versicherungsausfällen verweigern. Damit wird die sogenannte Energiewende zu einer Haftungswende zulasten der Bürger, meine Damen und Herren. 

Bezüglich der Gefahren durch Geothermie müssen wir gar nicht so weit schauen. Es gibt reale Beispiele. In Böblingen traten Jahre nach den dortigen Geothermiebohrungen Risse an rund 200 Häusern auf. In Staufen hob sich der Boden um 40 Zentimeter. Für die Regulierung der Schäden half nur die Bergschadensvermutung des Berggesetzes, die nun beschnitten wird, und andere auch sind auf ihren Schäden sitzen geblieben. Wenn Bohrungen künftig schneller und einfacher genehmigt werden, dann fehlt eben die Zeit für eine gründliche geologische oder umweltverträgliche Prüfung für Grundwasserschutz und Kontrolle. Was ist zum Beispiel mit den radioaktiven Substanzen, die aus der Lauge der Anlage resultieren können? Also, viele ungeklärte Fragen. Nicht der Ausbau der Geothermie wird beschleunigt, sondern der Verlust an Rechtsstaatlichkeit, Nachbarschutz und Vertrauen. 

Dr. Alaa Alhamwi (Bündnis 80/Grüne): 

Von tiefem Herzen möchte ich einfach mal Danke sagen. Danke, liebe Regierung, dass Sie unsere Idee umgesetzt haben, das erste deutsche Gesetz mit Geothermie im Namen, ein weiteres Gesetz, das die Ampel ausgearbeitet hat und diese Regierung nach Ankündigung im Sommer-Sofortprogramm jetzt im Herbst einbringt. Warum das so lange gedauert hat, ist unklar, besonders wenn man beachtet, dass Sie eigentlich nur vom Ampelentwurf abgeschrieben und hier und da verschlimmbessert haben. Dabei schreiben Sie in Ihrem Koalitionsvertrag großspurig, dass Sie schnellstmöglich ein verbessertes Geothermie-Beschleunigungsgesetz auf den Weg bringen wollen. 

Apropos großspurig, verehrte Union, schauen wir uns doch mal Ihre Kritik aus der letzten Legislatur an. Da kritisierten Sie das Ampel-Vorhaben, zehn Terawattstunden Geothermie bis 2030 zu erschließen. Doch was liefern Sie jetzt? Eine Streichung der konkreten Ziele im Gesetzentwurf, keine Terawattstunden mehr, keine festgelegte Anzahl an tiefgeothermischen Projekten. Immerhin hatten wir Ziele vor Augen. 

Zum Thema Wasserschutz. Wir Grüne sagen klar, sauberes Trinkwasser muss immer sein. Darf ich Sie hier an Ihren Antrag aus dem Jahr 2023 erinnern, in dem Sie selbst den Ausschluss von Geothermie in Trinkwasserschutzzonen forderten? Was ist daraus geworden? Der Wasser- und Naturschutz wird in Regierungszeiten einfach so ausgeblendet. Hier muss unbedingt nachverbessert werden. 

Aber ich wollte mich hier bedanken. Danke im Namen unseres Klimas für jeden Gesetzentwurf, der die Wärmewende voranbringt und nicht den fossilen Status quo weiter zementiert. Ich befürchte aber, davon wird in dieser Legislatur nicht zu viel ergeben, nicht von dieser Rollback-Regierung. 

Und so geht es weiter: 

Der Gesetzentwurf wurde zur weiteren Beratung an die Ausschüsse überwiesen. Federführend ist der Ausschuss für Wirtschaft und Energie. 

Quelle:

Deutscher Bundestag