Geothermie Haute-Sorne: Ermutigende Ergebnisse für die Fortführung des Projekts und für die Entwicklung künftiger Geothermie-Projekte

30.10.2025 | Internationale Projekte
Das geothermische Pilotprojekt Haute-Sorne in der Schweiz.

Die Geo-Energie Suisse (GES) hat ihre neuesten Aktivitäten für das Schweizer Pilotprojekt Haute-Sorne erfolgreich abgeschlossen. Die jüngsten Tests zeigten, dass es möglich ist, die Durchlässigkeit des Gesteins ausreichend zu erhöhen, um unter Einhaltung der seismischen Schwellenwerte ein verwertbares geothermisches Reservoir zu erhalten.

Die ersten Berichte zu den jüngsten Maßnahmen wurden an die Behörden übergeben, heißt es in der aktuellen Pressemitteilung. Weitere Berichte werden in den kommenden Monaten folgen. Die Dokumente werden dann von unabhängigen Experten bewertet, die von den Kantonsbehörden beauftragt wurden. Sie entscheiden über die Fortsetzung des Projekts auf der Grundlage der technischen Bewertungen und nach einer umfassenden Überprüfung der Einhaltung der geltenden Vorschriften.

Das Interesse ist groß am Geothermie-Projekt von Haute-Sorne. Denn es geht um viel. Die Tiefengeothermie hat in der Schweiz großes Potenzial und könnte bei der Gestaltung der Energiezukunft eine wichtige Rolle spielen. Das Pilotprojekt Haute-Sorne soll zeigen, wie sich damit im großen Stil klimafreundliche Energie erzeugen lässt. Und es soll auch die Stärken einer neuen Methode demonstrieren, um bei der Bevölkerung Vertrauen zu schaffen. 

Zwei Geothermie-Vorhaben in der Schweiz mussten bereits abgebrochen werden, weil diese die Erde beben ließen, 2006 in Basel und 2013 in St. Gallen. Das neue Verfahren von Geo-Energie Suisse soll Erdbeben vermeiden. Die Technik wird in den USA schon mit Erfolg eingesetzt. Im Bundesstaat Nevada produziert ein Geothermie-Kraftwerk seit November 2023 schon Strom für Google. Im Auftrag des Tech-Konzerns wurde die Geothermie-Anlage vom Start-up Fervo Energy gebaut. Geo-Energie Suisse arbeitet mit diesem Unternehmen zusammen. Mit dem in der Schweiz patentierten Verfahren wurde in Nevada das Gestein in mehreren Schritten mit Wasserdruck stimuliert – und das gelang ohne große Erschütterungen.

Im Pilotprojekt Haute-Sorne wurde die Explorationsphase durch die im Juli 2025 durchgeführten Stimulationstests abgeschlossen. Zum Ziel hatten diese Tests den Nachweis, dass es möglich ist, die Durchlässigkeit des Gesteins ausreichend zu erhöhen, um ein nutzbares geothermisches Reservoir unter Einhaltung der Schwellenwerte zu erhalten.

Sechs Tage lang wurden 430 Kubikmeter Wasser in einer Tiefe von 3800 Metern mit einem Druck von bis zu 270 bar eingespritzt. Die Antwort des Gesteins wurde von Seismometern aufgezeichnet, die direkt im Bohrloch installiert wurden. Insgesamt wurden etwa 3400 Ereignisse registriert, die eine solide Datenbank für die Beurteilung der seismischen Reaktivität des felsigen Massivs lieferten. 

Gleichzeitig überwachte der Schweizerische Seismologische Dienst der ETH Zürich die Seismizität an der Oberfläche. Während des Stimulationstests registrierte das Netzwerk des Seismologischen Dienste nur die vier stärksten Ereignisse, die allesamt deutlich unter der menschlichen Wahrnehmungsschwelle lagen.

Anfang Oktober 2025 legte GES den Kantonsbehörden des Jura zwei Schlüsselberichte für die Fortsetzung des Pilotprojekts vor. Neben den Behörden entscheiden auch die Aktionäre des Pilotprojekts über die Fortsetzung. Entscheidung werden im Frühjahr 2026 erwartet. 

Die Hauptergebnisse der ersten beiden eingereichten Berichte im Überblick: 

  • In der Tiefe des Reservoirs werden offene natürliche Risse geringer Permeabilität beobachtet. Diese Risse können hydraulisch stimuliert werden.
  • In 4000 Metern Tiefe wurde eine Temperatur von 135 Grad Celsius gemessen. Die Vorhersage für 5000 Meter Tiefe liegt bei 168 Grad Celsius.
  • Auf der Grundlage des Konzepts ist es möglich, unter Einhaltung der Schwellenwerte für induzierte Seismizität eine ausreichende Wärmeaustauschfläche zu schaffen, um eine nachhaltige Produktion zu gewährleisten.
  • Die seismische Reaktivität des Gesteins in Haute-Sorne ist mehr als 60 Mal niedriger als die des Basel-Projekts. Folglich sind seismischen Risiken des Projekts wesentlich geringer als in der Risikostudie von 2015.

 

Quelle:

Geo Energie Suisse / Schweizer Bundesamt für Energie