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Geothermie in Bayern nimmt wieder Fahrt auf

29. Oktober 2015

Beim dritten Praxisforum Geothermie.Bayern hat die Bayerische Geothermie-Branche eine positive Bilanz gezogen. Neue Anlagen sind im Bau und in der Planung, bestehende Anlagen arbeiten zum Teil seit mehr als zehn Jahren zuverlässig. Diesen Erfolgskurs unterstützt auch die Bayerische Staatsregierung, sowohl mit Förderprogrammen als auch mit Forschungsallianzen.

Als nördlichste Stadt Italiens wird München oft bezeichnet. Tatsächlich hat München mit Italien mehr gemein, als man auf den ersten Blick sieht. Zwar gibt es keine Vulkane, aber im Untergrund der Region ist es heiß. Die Temperaturen des Tiefenwassers sind so günstig, dass es seit mehr als zehn Jahren bereits zur geothermischen Wärme- und Stromerzeugung wirtschaftlich genutzt wird.

München und sein Umland haben sich mittlerweile deutschlandweit zum tiefengeothermischen Hotspot entwickelt. Aus diesem Anlass hat sich am 26. Oktober 2015 die bayerische Tiefengeothermie-Branche unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie erneut zu einem Erfahrungsaustausch getroffen, beim dritten Praxisforum Geothermie.Bayern im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München. Mehr als 110 Teilnehmer aus bayerischen Gemeinden, Kommunen, Industrie aber auch aus anderen Bundesländern tagten in vier Foren zu den Themen Betriebserfahrungen mit geothermischen Anlagen, Kommunale Wärmeerzeugung, Möglichkeiten der Kälteerzeugung mit geothermischer Wärme sowie Strategien zur Minimierung des Fündigkeitsrisikos bei Geothermie-Projekten.

Zum Auftakt verkündete Prof. Hartmut Spliethoff vom Lehrstuhl für Energiesysteme der Technischen Universität München die Gründung einer landesweiten Bayerischen Geothermie-Allianz der bayerischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Dazu hat die Bayerische Staatsregierung aus ihrem Haushalt für das kommende Jahr mehr als 11 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Ziel sei die Identifizierung von Forschungsthemen und Problemstellungen sowie die Vernetzung und Bündelung von Kompetenzen, so Spliethoff, um sowohl die wirtschaftliche als auch die technische Entwicklung von Geothermie-Projekten voranzutreiben. Denn die tiefe Geothermie wird ein wichtiger Teil im zukünftigen Energie-Mix sein. Damit sie konkurrenzfähig bleibt, müssen die Investitionskosten gesenkt werden.

Gerade der Blick in die Zukunft zeigt, dass im Technologie-Vergleich die Tiefe Geothermie bereits im Jahr 2040 eine der günstigsten Technologien zur Wärmeversorgung sein wird, gemeinsam mit Abwärmesystemen und Müllheizkraftwerken, konstatierte Martin Greller von den Stadtwerke München (SWM). Die SWM haben seit vielen Jahren bereits in die Tiefe Geothermie investiert. Ihre Devise ist ehrgeizig: bis 2025 soll der Energiebedarf Münchens zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien gespeist werden, sowohl Strom als auch Wärme. Ein Ziel, dass sich ohne die Tiefengeothermie, besonders im Fernwärme-Sektor, nicht realisieren lassen wird, so Greller.

Seit vielen Jahren spielt die Tiefe Geothermie auch in der Kommunalen Wärmeversorgung eine wichtige Rolle. Ob als junge tiefengeothermische Heizzentrale wie in Garching bei München, als erster interkommunaler Fernwärmeverbund Aschheim-Feldkirchen-Kirchheim oder als dienstälteste Fernwärmeanlage in Unterschleißheim – die Temperaturen des Thermalwassers stimmen und bieten Privathaushalten und Gewerbebetrieben Versorgungssicherheit. „Es war eine richtige Entscheidung, die Fernwärme auszubauen“, sagte Thomas Stockerl Vorstand der Geothermie Unterschleißheim. Denn „bereits zehn Jahre früher als prognostiziert schreibt die Anlage heuer bereits Gewinne", so Stockerl.

Als aufsichtsführende Behörde berichete Ministerialrat Rainer Zimmer vom Bergamt Südbayern des Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie über die aktuellen Entwicklungen im Ausbau und der Förderung der Bayerischen Geothermie-Anlagen. Zimmer berichtete über den Stand der Gesetzesgebung für Fracking und verdeutlichte klar, dass die Verbesserung der Fließfähigkeit im tiefengeothermischen Reservoir nicht mit dem Fracking-Verfahren der Erdölindustrie gleichzusetzen ist. Allerdings fordert der Bundesrat in einer Stellungnahme vom Mai 2015 eine strengere Regelung für Tiefbohrungen im Allgemeinen. Das betreffe auch die Geothermie, so Zimmer. Weiterhin sei eine wichtige Neuerung die Vorgabe, für ein transportables Verfahren die Öffentlichkeit bereits frühzeitig in das Beteiligungsverfahren mit einzubinden. Allerdings erwachse daraus keine Verpflichtung.

Um den Investoren weiterhin Sicherheit für die Entwicklung von Geothermie-Projekten zu geben, werden auch nach der Reformierung des Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) ab 2017 keine Ausschreibungen für Tiefe Geothermie-Projekte erfolgen, sagte Karin Freier, Leiterin des Referats „Erneuerbare Energien Technologien“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.  Tiefe Geothermie-Projekte bleiben bis auf weiteres in der Festvergütung, so Freier, um den Ausbau dieser flexiblen und grundlastfähigen Technologie zu gewährleisten. Zudem werde nach Alternativen für die automatische Degression ab 2018 gesucht. Hierfür schlägt die Branche eine Degression ab einer bestimmten installierten Leistung vor.

Die Teilnehmer zeigten sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung und den Vorträgen. Vor allem die Paxisnähe, wie beispielsweise Peter Lohr von der Geovol in Unterföhring oder auch Helmut Mangold von der Innovativen Energie in Pullach, mit Ihren Ausführungen zu Pilotprojekten der geothermischen Kälteerzeugung, wurde von den Teilnehmern sehr gelobt. "Es ist einfach, in München eine Veranstaltung mit Praxiserfahrung zur tiefen Geothermie zu organisieren, auf Grund der zahlreichen Projekte der Umgebung", sagte der Veranstalter Dr. Jochen Schneider von Enerchange. "Entscheidend sind jedoch die Referenten, denen unser besonderer Dank gilt für die hohen Qualität ihrer Vorträge, die so eine Veranstaltung erst ermöglichen", so Schneider.

Benjamin Richter, als Associate Partner bei Rödl & Partner für den Bereich Tiefengeothermie und Fernwärme verantwortlich, sieht das Tal der Tränen der deutschen Tiefengeothermie durchschritten: "Es gab auf dem Praxisforum sowohl im Bereich Stromgewinnung als auch beim Thema Wärme- und Kältegewinnung wieder positive Signale". Die ersten Projekte der Tiefengeothermie in Deutschland, bei denen noch allein auf die Nutzung der Energie für die Fernwärme gesetzt wurde, haben im Jahr 2015 die Gewinnschwelle erreicht. Ähnlich positiv sind die aktuellen Betriebserfahrung aus den Strom-Projekten und solchem mit gleichzeitiger Wärmeauskopplung. "Auch die im Rahmen des Praxisforum vorgestellten Ergebnisse der umfangreichen Untersuchungen zu den Erzeugungstechnologien für Fernwärme der Stadtwerke München wird die Tiefengeothermie nach der Nutzung von Energie aus Reststoffverwertung und der Nutzung industrieller Abwärme als die technisch und wirtschaftlich beste Energieform bewertet. Das ist ein wichtiges Signal für die Wärmewende in Deutschland und Europa".

Als Konsequenz des Erfolges in diesem Jahr wird die Veranstaltung auch 2016 wieder fortgesetzt. Mit neuen Projekten und Erfahrungen aus dem Molassebecken wird das 4. Praxisforum Geothermie.Bayern am 5. Oktober 2016 stattfinden. Anmeldungen sind ab sofort möglich.

Die Vorträge der diesjährigen Veranstaltung stehen für die Teilnehmer zum Download bereit. Interessenten, die am Praxisforum Geothermie.Bayern nicht teilnehmen konnten, können einen Zugang zu den Vorträgen bei agentur [at] enerchange [dot] de (subject: Bestellung%20der%20Vortragsunterlagen%20PRaxisforum%20Geothermie.Bayern%202015) (Enerchange) erwerben. (sv)

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