Noch vor einem halben Jahr stand das Projekt zwischenzeitlich vor dem Aus. Der Streitpunkt war, wer die Verantwortung für die geplanten Bohrungen trägt. Die Stadt Graz hatte umfangreiche Haftungen abgelehnt. Im Dezember 2025 wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Das Ergebnis ist, wie das Nachrichtenportal meinbezirk.at berichtet, ein umfassendes Vertragswerk, das die Rollen und Risiken neu verteilt.
Der Kernpunkt der Einigung ist dem Bericht zufolge eine klare Aufgabenteilung: Das Joint Venture aus OMV (75 Prozent) und Energie Steiermark (25 Prozent) übernimmt die Bohrungen sowie die Energiegewinnung und trägt damit auch das wesentliche Projektrisiko. Die Energie Steiermark errichtet die Transportleitungen, während die Energie Graz für die Verteilung der Wärme an Haushalte zuständig ist.
Als Ausgleich zahlt die Energie Graz eine Risikoprämie an die Energie Steiermark. Diese beträgt 3,5 Millionen Euro jährlich über einen Zeitraum von zehn Jahren, insgesamt somit 35 Millionen Euro. Die Zahlung wird als Ersatz für die ursprünglich diskutierten Haftungsübernahmen gewertet. Der Aufsichtsrat der Holding Graz hat dem Vertragswerk bereits zugestimmt. Die finale Entscheidung liegt nun beim Grazer Gemeinderat.
Aktuell laufen die seismischen Messungen im oststeirischen Becken. Laut einer aktuellen Übersicht von OMV ist ein Großteil der Messstrecken inzwischen absolviert. Die Routen verlaufen in den Bezirken Graz Stadt, Graz Umgebung, Südoststeiermark, Weiz, Voitsberg, Leibnitz und Deutschlandsberg. Drei Konvois sind parallel im Einsatz, um einen zügigen Ablauf zu gewährleisten.
Das Ziel der Kampagne ist, künftig bis zu rund 50 Prozent des Fernwärmebedarfs aus Tiefengeothermie zu decken. Die Inbetriebnahme ist frühestens für das Jahr 2030 vorgesehen. Das Investitionsvolumen für das Gesamtprojekt wird auf rund 500 Millionen Euro geschätzt.
meinbezirk.at, OMV