Graben-Neudorf: Erfolgreicher Langzeittest, aber Kommunen lösen Projektgesellschaft zur Fernwärmeversorgung zum Jahresende auf

02.12.2025 | Projekte
Die Geothermie-Anlage in Graben-Neudorf.

Beim Geothermie-Projekt in Graben-Neudorf überschlagen sich die Ereignisse: Während das Unternehmen Deutsche Erdwärme den erfolgreichen Abschluss seines Langzeit-Injektionstests meldete, gibt es einen schweren Rückschlag beim Wärmevertrieb. Die Gesellschaft mit zehn beteiligten Kommunen für eine regionale Fernwärmeversorgung löst sich bereits zum Jahresende auf. 

Für den Langzeittest der Geothermie-Anlage in Graben-Neudorf wurden 30.000 Kubikmeter Wasser in mehrstufigen Injektionsphasen über einen Zeitraum von drei Wochen in den Untergrund injiziert. Die Arbeiten erfolgten mit Hilfe von drei Hochleistungspumpen und zahlreichen Unterstützungspumpen, die das Wasser aus den am Bohrplatz angelegten Vorhaltebecken in die bestehende Tiefbohrung pressten.

Die verschiedenen Phasen des Tests verliefen durchgehend sicher. Das seismologische Messnetz habe sichergestellt, dass alle Betriebsparameter durchgehend im vorgesehenen Rahmen lagen. Die am 15. November 2025 festgestellte Mikroseismizität sei weit entfernt von der Spürbarkeit gewesen. Der Test habe damit die Funktionalität des Ampelsystems zur Steuerung von induzierter Seismizität unter Beweis gestellt, so das Unternehmen. Das Ampelsystem legt fest, ab welchen Schwellenwerten der Betrieb angepasst wird.

Die beim Langzeittest gewonnenen Ergebnisse übertreffen laut Pressemeldung die Erwartungen und ermöglichen nun eine optimierte Planung der zweiten Tiefbohrung in Graben-Neudorf. „Zudem wurde die Leistungsfähigkeit des Projektes, das zukünftig Graben-Neudorf und die umliegende Region zuverlässig, sicher, nachhaltig und preisstabil mit Wärme versorgen wird, bestätigt“, teilte die Deutsche Erdwärme mit.

Ursprünglich zugesagte Wärmeleistung soll nicht mehr verbindlich zugesichert worden sein

Kurz vor der Pressemitteilung des Unternehmens sorgten allerdings schon die umliegenden Kommunen für Schlagzeilen. Denn sie erklärten das regionale Projekt für die Verteilung der Fernwärme aus Tiefengeothermie für gescheitert. Die Gesellschaft mit zehn beteiligten Kommunen löst sich zum Jahresende auf. 

Die Deutsche Erdwärme eine ursprünglich zugesagte Wärmeleistung aus dem Tiefengeothermie-Projekt in Graben-Neudorf für das geplante regionale Fernwärmenetz nicht mehr verbindlich zusichern, heißt es in einem Bericht des SWR. So stehe es etwa in einer Bruchsaler Gemeinderatsvorlage, die das Ausscheiden aus der gemeinsamen Projektentwicklungsgesellschaft für einen Wärmeverbund zum Inhalt hatte. 

Solche Vorlagen werden derzeit in allen zehn Gemeinderäten von Bruchsal, Bretten, Stutensee, Graben-Neudorf, Dettenheim, Ubstadt-Weiher, Karlsdorf-Neuthard, Forst, Hambrücken und Gondelsheim (alle Kreis Karlsruhe) verhandelt. Die Deutsche Erdwärme muss sich dabei noch mehr Vorwürfe der Kommunen gefallen lassen: Die zuletzt angebotenen Wärmepreise hätten deutlich über einem wirtschaftlich tragbaren Niveau gelegen, heißt es in der Ratsvorlage, aus welcher der SWR zitiert. 

„Wir glauben nicht mehr an das Erdwärme-Potenzial in Graben-Neudorf.“

Annähernd 600.000 Euro hatte die regionale Projektentwicklungsgesellschaft in den vergangenen zweieinhalb Jahren für eine Machbarkeitsstudie, für Businesspläne und für eine Wirtschaftlichkeitsberechnung ausgegeben. Nun aber war aus Sicht der Kommunen eine Notbremsung unvermeidlich. Das gemeinsame Projekt wird zum 31. Dezember eingestellt – mit Bedauern: „Das wäre ein super Projekt gewesen, wenn die Deutsche Erdwärme ihre Zusagen eingehalten hätte“, sagte der Geschäftsführer der Stadtwerke Bretten, Stefan Kleck, der zugleich als Geschäftsführer der regionalen Wärmeverbundgesellschaft fungierte. „Wir glauben nicht mehr an das Erdwärme-Potenzial in Graben-Neudorf.“

Laut Kleck wäre es einfacher, ein solches Projekt mit einem kommunalen Unternehmen als mit einem Unternehmen aus der Privatwirtschaft umzusetzen. Der Grund dafür seien unterschiedliche Vorstellungen, was beispielsweise zeitliche Abläufe, Finanzierungsstrukturen und Renditeerwartungen betrifft. Dies habe laut Kleck wahrscheinlich dazu geführt, dass die Deutsche Erdwärme nicht auf ein Niveau heruntergehen wollte, das für die Stadtwerke Bretten attraktiv gewesen wäre.

Die Deutsche Erdwärme setzt ihre Arbeit unterdessen fort. Man habe umplanen müssen, sagte Geschäftsführer Herbert Pohl dem SWR. Die Firma werde das Projekt in Graben-Neudorf zu Ende bringen. 

Quelle:

Deutsche Erdwärme / SWR

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