Als grundlastfähige und nahezu emissionsfreie Energiequelle ergänzt sie ideal die bestehende Fernwärmeversorgung – besonders in einer dicht besiedelten Stadt mit hoher Wärmebedarfsdichte, heißt es in dem Antrag der Fraktionen von SPD und Grünen. Zudem benötigt die Geothermie kaum oberirdische Flächen und macht Hamburg unabhängiger von geopolitischen Risiken. Im Hinblick auf die ehrgeizigen Klimaziele Hamburgs und den Übergang zu einer nachhaltigen, klimaneutralen Stadt sei es von entscheidender Bedeutung, dass alle Potenziale erneuerbarer Energien voll ausgeschöpft werden.
Die Bürgerschaft soll deshalb beschließen, die Erkundung geothermischen Potenzials weiter zu vertiefen, insbesondere durch die gezielte Auswertung und Ergänzung geowissenschaftlicher Daten sowie der Erkenntnisse des Reallabors Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg (IW3) und des Norddeutschen Reallabors. Darauf aufbauend soll eine Geothermie-Strategie für Hamburg erarbeitet werden, die unter anderem weitere mögliche Standorte und konkrete Maßnahmen für Geothermie aufzeigt. Außerdem sollen in der Strategie die Möglichkeiten der intersaisonalen Wärmespeicherung berücksichtigt werden und die Bürgerschaft soll bereits bis zum 31. März 2026 über den Stand der Strategie-Entwicklung und ihrer Umsetzung informiert werden.
Im Rahmen des Reallabors Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg (IW3) arbeiten die Hamburger Energiewerke bereits an der Umsetzung eines „wegweisendes Projekts“, wie es in dem Antrag heißt. Schon in der nächsten Heizperiode sollen in Wilhelmsburg mehr als 6.000 Haushalte mit verlässlicher und klimafreundlicher Erdwärme versorgt werden. Im Herbst 2025 hat in Hamburg-Wilhelmsburg der Bau der Heizzentrale begonnen.
Das mitteltiefe Geothermie-Projekt in Wilhelmsburg war im Jahr 2021 nach zehnjähriger Planung gestartet. Eine Wärmepumpen-Anlage soll dabei helfen, tausende Haushalte im Hamburger Süden mit Erdwärme zu beheizen. Dazu soll 48 Grad warmes Wasser aus 1.300 Metern Tiefe gepumpt werden. Anschließend sollen Wärmepumpen die Wassertemperatur auf rund 80 Grad Celsius erhöhen.
Doch dieses Projekt soll nur der Anfang sein: „Es liegt im Interesse Hamburgs, die Potenziale der Geothermie zukünftig noch stärker und umfassender in den Fokus der städtischen Energiepolitik zu rücken und eine klare Strategie zu entwickeln, die neben der technischen Machbarkeit auch die wirtschaftlichen und ökologischen Chancen dieser Ressource berücksichtigt“, heißt es im aktuellen Antrag. „Ein solcher strategischer Ansatz kann Hamburg helfen, die Energieversorgung noch nachhaltiger und unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu gestalten.“
Untersucht werden soll auch die Möglichkeit von intersaisonalen Wärmespeichern. Während Wärme im Winter unter Energieeinsatz aktiv erzeugt oder befördert werden muss, stellt sich im Sommer die gegenteilige Aufgabe, industrielle Abwärme und zunehmend auch zu hohe Raumwärme möglichst unschädlich abzutransportieren. Statt diese Wärme in Flüsse abzuleiten oder zu verdampfen, könnte – zum Beispiel durch sogenannte Aquiferwärmespeicher – die sommerliche Wärme unterirdisch für die winterliche Nutzung zwischengespeichert werden. Diese Technologie sei in den Niederlanden mit über 3.000 Anlagen bereits fest etabliert und soll nun auch in Hamburg stärkere strategische Berücksichtigung finden.
Bürgerschaft Hamburg