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HDR-Projekt in Bad Urach vor dem Aus

15. Dezember 2010

Laut einer Machbarkeitsstudie sind die vorhandenen Bohrlöcher für eine geothermische Wärmeversorgung nicht wirtschaftlich nutzbar. Als Alternative wurde eine tiefe Sonde ins Gespräch gebracht.

Vergangene Woche wurde dem Gemeinderat in Bad Urach die schon im Jahr 2009 von der Hydro-Data GmbH erstellte Machbarkeitsstudie zur weiteren Nutzung der Geothermie-Bohrungen in Bad Urach vorgestellt. Die Machbarkeitsstudie kam zu dem Schluss, dass die Erschließung der geothermischen Energie aus den bestehenden Bohrungen aus wirtschaftlicher Sicht nicht empfehlenswert ist.

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurde die hydraulische Stimulation der Bohrlöcher in 2.500 bis 2.800 Metern untersucht. Die Bohrungen liegen in dieser Tiefe ca. 100 Meter auseinander und es wird mit einer Förderrate von 15 bis 25 L/s gerechnet. Die Injektionstemperatur des Thermalwassers soll bei 80 °C liegen, die Temperaturdifferenz bei 20 bis 30 °K, als Kopftemperatur werden ca. 122 °C zu Beginn der Zirkulation erwartet. Es wird aber auch davon ausgegangen, dass aufgrund der kurzen Entfernung zwischen den beiden Bohrungen die Temperatur sich relativ schnell erniedrigt.

Laut Machbarkeitsstudie belaufen sich die Kosten für die Nutzbarmachung der Geothermiebohrungen auf 5,75 Mio. € für die alleinige Wärmenutzung. Dies umfasst die Aufwältigung der Bohrung Urach 4, die hydraulische Stimulation mit seismologischer Überwachung, die Fördereinrichtungen sowie das Heizsystem und das Nahwärmenetz. Demgegenüber stehen die Einnahmen durch die geothermisch ersetzte Heizleistung von 9,35 GWh bei achtmonatigem Jahresbetrieb, die Einsparungen gegenüber Gas, sowie die Kapital-, Personal- und Energiekosten, die für den Pumpenstrom anfallen. Daraus ergibt sich, dass sich die Anlage bei einer Energiepreissteigerung von jährlich fünf Prozent innerhalb von 25 Jahren nicht amortisiert. Erst bei einer Energiepreissteigerung von zehn Prozent pro Jahr ergibt sich eine Armotisationszeit von 17 Jahren.

In der Machbarkeitssudie wurde auch der Einsatz von Kraft-Wärmekopplung berücksichtigt.

Nach Zeitungsangaben wurde das Ergebnis der Machbarkeitsstudie für das Hot-Dry-Rock Projekt "relativ emotionslos" von den Gemeinderäten entgegengenommen. Als Alternative bietet sich eine tiefe Sonde an, die Gebäude im Umfeld der Bohrungen mit Wärme versorgen soll. Dies wurde im Rahmen einer zweiten Studie von der Systherma GmbH untersucht. Beide Studien wurden an das Umweltministerium in Stuttgart weitergeleitet. Erst nach Stellungnahme von dort will man sich die Gemeinde über das weitere Vorgehen äußern.

Mit der Tiefenbohrung in Bad Urach wurde in den Siebzigerjahren begonnen, als Forschungsprojekt zur Erkundung der Geothermie. In erster Linie ging es dabei um das Hot-Dry-Rock-Verfahren, das in Bad Urach erprobt werden sollte. Dabei wurde in den Jahren 1977 und 1978 die Bohrung Urach 3 in eine Tiefe von 4.445 Metern unter Geländeroberkante (uGOK) abgeteuft. Die gemessene Temepratur lag bei 170 °C. Das Problem ist jedoch dass ab 3.234 Metern (uGOK) ein abgerissenes Bohrgestänge festsitzt. Trotzdem gab es von 1979 bis 2003 massive Fractests mit Kopfrücken bis zu 340 bar. Es wurden Pump- und Förderraten bis 50 L/s erreicht.

Es war geplant, die zweite Bohrung, Urach 4, auf 4.300 Meter (uGOK) abzuteufen. Sie wurde jedoch nur bis in 2.793 Metern (uGOK) Tiefe ausgeführt. Die Temperatur in 2.300 Metern (uGOK) Tiefe wurde 2006 mit 112 °C gemessen. Das Problem bei der Bohrung ist im Moment, dass keine Bohrlochmessungen ab einer Tiefe von 1.200 Metern (uGOK) möglich sind, da die im Bohrloch vorhandene Spülung stark vergelt ist. Dies müsste im Rahmen einer weiteren Nutzung aufgewältigt werden.

Die vollständige Machbarkeitsstudie finden sie als pdf hier bzw. in der Technische Informationsbibliothek und Universitätsbibliothek Hannover (TIB/UB). (ed)

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