Innovativ: Geothermischer Wärmeverbund Grünwald und Unterhaching gestartet

23.02.2012
Standardbild News Tiefe Geothermie

Die Bürgermeister der beiden Kommunen sowie die Geschäftsführer der jeweiligen kommunalen Geothermie-Betreibergesellschaften Erdwärme Grünwald GmbH und Geothermie Unterhaching GmbH & CO KG haben heute einen "Wärmesicherungsvertrag" geschlossen, mit dem Ziel im Bedarfsfalle geothermische Wärme vom jeweiligen Partner zu beziehen, anstelle diese Wärme fossil erzeugen zu müssen.

Die beiden oberbayerischen Geothermie-Gemeinden Grünwald und Unterhaching starteten heute eine Zusammenarbeit zur gegenseitigen Absicherung der Geothermieanlagen bei Ausfällen. In einem auf Gegenseitigkeit basierenden Wärmesicherungsvertrag vereinbaren die Erdwärme Grünwald GmbH und die Geothermie Unterhaching GmbH & CO KG, sich bei Bedarf zu definierten Konditionen gegenseitig Fernwärme zu liefern. Beide Gemeinderäte haben bereits zugestimmt.

Die 5.328 Meter lange Verbindungsleitung zwischen den beiden Förderstellen in Laufzorn und Unterhaching wird durch den Grünwalder bzw. Perlacher Forst südlich von München führen. In Abstimmung mit den Bayerischen Staatsforsten haben die Arbeiten zur Vorbereitung der Fernwärmetrasse bereits begonnen. Die Fertigstellung der Leitung ist für Herbst 2012 geplant. Wolfgang Geisinger, Geschäftsführer der Geothermie Unterhaching GmbH & CO KG verdeutlicht, dass die Wärmeverluste auf der 5,3 Kilometer langen Leitung auf Grund der guten Isolierung sehr gering sind und nur im Bereich von einem Prozent liegen.

Jan Neusiedl, erster Bürgermeister der Gemeinde Grünwald äußerte sich sehr zufrieden zu dem Projekt: „Die Geothermie ist heimische, regenerative Energie. Sie gibt uns die Chance, autark Wärme zu produzieren. Durch den Wärmeverbund mit Unterhaching stärken wir in beiden Gemeinden die Versorgungssicherheit und die Unabhängigkeit von fossilen Energien. Hier treffen sich zwei Gemeinden auf Augenhöhe, um die regenerative Energiezukunft aktiv zu gestalten.“ Und Wolfgang Panzer, erster Bürgermeister der Gemeinde Unterhaching verdeutlicht: „In Unterhaching und Laufzorn gibt es zwei ergiebige Geothermie-Quellen in nur 5,3 km Entfernung. Diese beiden Quellen verbinden wir jetzt. Musste bisher bei Wartungsarbeiten an der Thermalwasserpumpe ersatzweise mit Öl geheizt werden, kann diese Redundanz in Zukunft durch die jeweils andere Quelle geleistet werden. Da gibt eine Gemeinde der anderen Rückendeckung – und das beidseitig, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben.“

Die Kosten für die Trasse in Höhe von 8,3 Mio. Euro übernimmt die Gemeinde Grünwald. Dabei wird auch der benachbarten Gemeinde Oberhaching noch ein Türchen bzw. ein Abzweig von der Trasse offen gehalten. Denn laut Bürgermeister Neusiedel gibt es immer noch einen Letter of Intend, der Oberhaching eine Wärmeleistung von 10 MW zusichert. Die Projektpartner sind sich aber auch einig, dass weitere kommunale Partner mit Geothermieanlagen diesem Wärmeverbund beitreten können und betonen, dass die Türen offen sind.

Stefan Rothörl, Geschäftsführer der Erdwärme Grünwald GmbH verdeutlichte: „Das Besondere an dem Wärmeverbund ist die Gegenseitigkeit. Unsere Zusammenarbeit mit Unterhaching basiert auf gegenseitiger Wärmesicherung, nicht auf einseitiger Wärmelieferung.“ Auch Geisinger unterstreicht dies und verweist auf die vergangenen kalten Wochen, in dem sie das Kraftwerk komplett abschalten mussten, um genügend Wärme für die Versorgung zur Verfügung zu haben. Dies soll in Zukunft vermieden werden. Das Worst Case Szenario wäre aber der Ausfall der Pumpe in der Heizperiode, was einen täglichen Bedarf von ca. 70.000 Liter Heizöl für das Redundanzkraftwerk nach sich ziehen würde. Dass dieser Fall Eintritt wird nun durch die Verbundleitung zwischen beiden Kraftwerken vermieden.

„Mit dem Wärmeverbund“, so Jan Neusiedl und Wolfgang Panzer übereinstimmend: „nutzen wir gemeindeübergreifend die Chance, unsere Wärmeversorgung noch stärker auf heimische bayerische Energie zu gründen.“ Die beiden Bürgermeister Panzer und Neusiedl verweisen in diesem Zusammenhang auch auf die Ähnlichkeit der Projekte, was die Verwirklichung des Wärmeverbundes vereinfacht hat. Zum einen werden die Geothermieanlagen durch 100-prozentige kommunale Gesellschaften geführt, zum anderen sind beide Projekte Wärme geführt, setzen die gleiche Pumpe ein und nutzen Tiefengrundwasser aus dem Malm - in Unterhaching mit ca. 120 Grad Celsius und einer Förderrate von ca. 120 Liter pro Sekunde, ebenso wie in Grünwald jedoch mit einer höheren Temperatur von ca. 130 Grad Celsius sich jedoch im Kraftwerkstyp unterschieden. In Unterhaching erzeugt eine Kalina-Anlage Strom in Laufzorn ist eine ORC-Kraftwerk geplant. Hier laufen die Verhandlungen mit den Kraftwerksanbietern jedoch noch.

Parallel zu dem Wärmeverbund mit Unterhaching hat die Gemeinde Grünwald nach dem Abschluss der Bohrarbeiten den Bau des eigenen Wärmenetzes vorangetrieben. Hier wurde bewusst bis zum Ende der Bohrarbeiten gewartet, um die richtige Netzhydraulik festzustellen und die Leitungen entsprechend zu dimensionieren. Die Leitung von der Förderstelle in Laufzorn in die Stadtmitte ist ca. 3 Kilometer lang und wurde inzwischen bis zu den Bavaria Filmstudios ausgebaut. Geplant ist insgesamt eine Ringleitung in Grünwald, um bei störungsbedingten Unterbrechungen der Leitung immer eine Versorgung zu garantieren. Neusiedl und Rothörl erklärten, dass das Bevölkerungsinteresse an geothermischer Wärme sei sehr groß und  so ist man inzwischen auch in der Nahverdichtung des Wärmenetzes mit dem Anschluss von Gasthäusern und kleineren Gewerbetrieben.

Quelle: Geothermie Unterhaching, Erdwärme Grünwald

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