Viele Landräte, Oberbürgermeister und Bürgermeister spielen in Bayern eine wichtige Rolle in kommunalen Energieversorgungsunternehmen. Manchmal sogar als Geschäftsführer, in der Regel jedoch als Aufsichtspersonen, die im Interesse der jeweiligen Kommune oder des jeweiligen Landkreises die Geschäftsleitung kontrollieren und maßgeblichen Einfluss auf die langfristige Entwicklung haben.
Für die Zukunft der Tiefengeothermie in Bayern bekam deshalb die Oberbürgermeisterwahl in München die größte Bedeutung. Schließlich ist Münchens OB zugleich der Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke München, die wiederum der größte Tiefengeothermie-Betreiber Deutschlands sind. Der Sensationssieg von Dominik Krause (Grüne) in der Stichwahl über Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) dürfte die ehrgeizigen Tiefengeothermie-Pläne der Stadtwerke München zusätzlich stärken. Ein Kernpunkt in Krauses Wahlprogramm lautete, „günstige Energie aus Sonne und Erdwärme für München“ zu fördern und dazu den Ausbau von Solarstrom und Geothermie zu beschleunigen.
Bei einem anderen großen Akteur der Tiefengeothermie in Bayern, der Gemeinde Pullach im Isartal, brachte die Bürgermeister hingegen einen Wechsel weg von den Grünen hin zur CSU. Amtsinhaberin Susanna Tausendfreund unterlag in der Stichwahl gegen Christine Eisenmann. Andreas Most, der stellvertretende Bürgermeister Pullachs und zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Innovative Energie für Pullach (IEP), war vor der Entscheidung für Tausendfreund eingetreten. „Ich hoffe, dass es beim geplanten Ausbau der Geothermie jetzt keine Störgeräusche gibt“, sagte Most nach der Wahl laut Münchner Merkur. Most selbst hatte lange Zeit der CSU angehört und auch deren Fraktion im Gemeinderat geführt, war dann aber wegen inhaltlicher Differenzen mit der Gruppe um die künftige Bürgermeisterin Christine Eisenmann aus Partei und Fraktion ausgetreten. Eisenmann selbst hatte sich kurz vor der Wahl gegen die Anschuldigung gewehrt, sie würde im Amt die Geothermie ausbremsen. „Da kann ich nur sagen: Nein“, erklärte sie in einem Video.
Ebenfalls einen neuen Bürgermeister gibt es in Unterhaching, wo Wolfgang Panzer (SPD) nach 18 Amtsjahren in den Ruhestand geht. Korbinian Rausch (CSU) setzte sich in der Stichwahl knapp gegen Johanna Zapf (Grüne) durch. Im Wahlkampf sprach Rausch von „Energiepolitik mit Vernunft.“ Langfristig könne und müsse die Fernwärme aus Tiefengeothermie günstiger werden in Relation zu Wärmepumpe oder Gasheizung, wenn es keine CO2-Kosten mehr im örtlichen Fernwärmepreis gibt und der vollständige Netzausbau (gemäß der bisherigen Planungen bis 2028) geschafft sei.
Auf dem Bürgermeistersessel in Unterföhring folgt Florian Klietsch (SPD) auf Andreas Kemmelmeyer, der nach zwölf Jahren im Amt nicht mehr antrat. Die Geothermie war im Wahlkampf kein großes Thema, denn Unterföhring ist auf diesem Gebiet schon gut aufgestellt. Der Fernwärmeanteil von 52,2 Prozent ist der höchste im Landkreis München und der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Wärmeverbrauch liegt nach der vollendeten zweiten Dublette bereits bei knapp 55 Prozent.
In Garching bei München wird der bisherige Bürgermeister Dietmar Gruchmann nach zwölf Amtsjahren von Thomas Lemke (CSU) abgelöst. Wie in Unterföhring ist die Energieversorgung aus Tiefengeothermie schon weit entwickelt und spielte deshalb im Wahlkampf keine große Rolle. Wie eine im Wahlkampf veröffentlichte Umfrage ergab, wollen die Garchinger lieber einen weiteren Ausbau der Tiefengeothermie statt zusätzlicher Windräder.
Den letzten Bürgermeister-Wechsel in einer bayerischen Tiefengeothermie-Kommune gab es schließlich in Waldkraiburg, wo gerade ein zweites Heizwerk in Vorbereitung einer zweiten Bohrung geplant wird. Hier löst Emil Kirchmeier (CSU) den amtierenden Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) ab. Konkrete Aussagen zur Tiefengeothermie machte Kirchmeier im Wahlkampf nicht.
Jeweils wiedergewählt wurden:
Max Gotz (CSU), Oberbürgermeister der Stadt Erding und Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Erding.
Martin Bayerstorfer (CSU), Landrat des Landkreises Erding und Vorsitzender des Zweckverbandes Geowärme Erding
Markus Pannermayr (CSU), Oberbürgermeister der Stadt Straubing und Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Straubing.
Christoph Böck (SPD), Bürgermeister der Stadt Unterschleißheim und Aufsichtsratsvorsitzender der Geothermie Unterschleißheim AG.
Andreas Janson (UWV), Bürgermeister der Gemeinde Feldkirchen und Aufsichtsratsvorsitzender der AFK Geothermie.
Jan Neusiedl (CSU), Bürgermeister der Gemeinde Grünwald und Aufsichtsratsvorsitzender der Erdwärme Grünwald.
Christoph Schmid (CSU), Bürgermeister der Marktgemeinde Holzkirchen und Aufsichtsratsvorsitzender der Gemeindewerke Holzkirchen.
Alexander Greulich (SPD), Bürgermeister der Gemeinde Ismaning und Aufsichtsratsvorsitzender der Wärmeversorgung Ismaning.
Robert Moser (CSU), Bürgermeister der Gemeinde Kirchweidach und Geschäftsführer der Naturwärme Kirchweidach-Halsbach
Thomas Karmasin und Stefan Löwl (beide CSU), Landräte der Landkreise Fürstenfeldbruck und Dachau und abwechselnd Verwaltungsratsvorsitzende des Kommunalunternehmens Gesellschaft für Abfallwirtschaft (Geothermie-Projekt Amperland Thermalwärme).
Enerchange