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Land Baden-Württemberg setzt weiter auf Tiefe Geothermie

4. Juni 2014

Die Bedeutung der Geothermie für das Land Baden-Württeberg verdeutlichte Umweltminister Franz Untersteller in einem Streitgespräch im Radiosender SWR2 am vergangenen Montag. Mittel- und langfristig soll die Tiefe Geothermie in Baden-Württemberg einen stabilisierenden Anteil im Erneuerbare-Energie-Portfolio einnehmen und neben Wärme auch bis zu fünf Prozent zur Bruttostromerzeugung beitragen.

Zu der dreiviertelstündigen Diskussionsrunde waren neben dem baden-württembergischen Umweltminister, Franz Untersteller, auch Prof. Frank Schilling des KIT Karlsruhe sowie Werner Müller, Vorsitzender der Bürgerinitiative Geothermie Landau, eingeladen.

Neben den aktuellen Problemen um das Geothermie-Kraftwerk Landau und dem obligatorischen Thema der seismischen Erschütterungen ging es vornehmlich auch um die Frage, ob die Geothermie am Oberrheingraben in Baden-Württemberg noch eine Zukunft habe und ob sie politisch überhaupt noch durchsetzbar sei.

Untersteller bekannte sich in der Diskussionsrunde klar zur Entwicklung und Nutzung der tiefen Geothermie in Baden-Württemberg. "Nur weil es Probleme in Basel, Landau und jetzt auch in St. Gallen (Schweiz) gegeben hat, kann man das Thema Tiefe Geothermie nicht komplett in die Tonne treten“, so der Umweltminister. Schilling stellte fest, dass alle Technologien Risiken bergen und war sich mit Untersteller einig, dass bei der Geothermie eine gute Exploation und ein Monitoring die Grundlage für erfolgreiche und gefahrenfreie Projekte sind.

Müller, engagierter Gegner der Tiefen Geothermie in Landau und häufiger Gast auf überregionalen Informationsveranstaltungen, kritisierte besonders die Sinnhaftigkeit dieser Technologie sowie deren niedrigen Wirkungsgrad. Diese Sichtweise korrigierten sowohl Prof. Schilling vom KIT als auch Umweltminister Franz Untersteller. Der niedrige Wirkungsgrad beziehe sich auf solitär stromgeführte Kraftwerke. Die Zukunft der Geothermie liege aber im Wärmesektor. Erdwärme werde bereits seit über 2000 Jahren genutzt. Die Kopplung von Wärme mit Strom ergebe ein absolut vernünftiges Wirkungsgradverhältnis, so Schilling vom KIT.

Die Fundamentalkritik von Werner Müller, dass die Tiefe Geothermie überwiegend aus öffentlichen Mitteln gefördert würde, ließ Untersteller nicht gelten. Dies sei üblich für alle neuen Projekte im Rahmen der Energiewende. Die Aufgabe sei es, mit diesen Fördergeldern erneuerbare Technologien voran zu bringen und sie kostengünstiger zu machen. Untersteller kritisierte die Haltung des Vorsitzenden der Landauer Bürgerinitiative, die tiefengeothermische Technologie ausschließlich mit Risiken und Gefahren für die Einwohner und Umwelt zu assoziieren, ohne die Chance für eine Technologie-Entwicklung zu betrachten. Diese läge, zusammen mit der Biomasse und Solarthermie, eindeutig in der regenerativen Wärmebereitstellung. Neben den in Europa geologisch begünstigten Regionen Island und Italien, liefere in Deutschland besonders der Münchner Raum zahlreiche Erfolgsmodelle für zuverlässig arbeitende Tiefe Geothermie-Anlagen, ergänzte Prof. Schilling vom KIT.

In Baden-Württemberg gäbe es bislang zwei Tiefe Geothermie-Projekte, sagte Franz Untersteller, das Projekt Bruchsal, seit 2009 im Probebetrieb, sowie das Projekt Brühl, das sich derzeit noch in der Umsetzung befindet. Zur Frage der politischen Umsetzbarkeit äußerte sich Untersteller deutlich. Er brauche funktionierende Projekte, um diese Technologie zu veranschaulichen. Er setze darauf, dass Bruchsal in den Dauerbetrieb übergeht und wünscht sich, dass das Projekt Brühl erfolgreich zu Ende geführt wird. Er habe wahrlich ein Interesse daran, dass in Baden-Württemberg ein funktionierendes Projekt wie Brühl mit erwarteten fünf Megawatt elektrischer Leistung komme. Zudem sei auch die Entwicklung weiterer Projekte wichtig. Das Erdwärme-Projekt Pfullendorf der Bundeswehr zeige gute Ergebnisse bei der Abteufung. Ebenso hoffe er, dass im Projekt Neuried dieses Jahr noch mit den Bohrungen begonnen werde. Nur wenn solche Projekte umgesetzt werden, kann den Bürgerinnen und Bürgern gezeigt werden, dass Tiefe Geothermie auch ohne die Risiken von seismischen Erschütterungen möglich sei und dass auch im Rahmen von Genehmigungsverfahren die Rahmenbedingungen so geschaffen werden, dass keine negativen Folgen für die Anwohner und Umwelt resultieren.

Ob die Investoren die hohen Summen zur Umsetzung von Tiefen Geothermie-Projekten bereit stellen wollen – aller Planungsunsicherheiten zum Trotz – muss von der Geldgeberseite selbst entschieden werden, so Untersteller. Seine Aufgabe sei es, dafür Sorge zu tragen, dass die Anforderungen an solche Projekte so gehalten sind, dass die Sicherheit von Bürgerinnen und Bürgern gegeben ist und es nicht zu negativen Umweltauswirkungen komme. „Da können Sie sicher sein, dass ich dafür Sorge trage“, so Untersteller in seinem Schlusswort. (sv)

Quelle: 

SWR2

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