Mit EGS in eine goldene Energiezukunft: Stanford University sorgt mit aktueller Studie zur Tiefengeothermie für Aufsehen

03.02.2026 | Marktentwicklung
Stanford University

Die Stanford University in Kalifornien sorgt mit einer aktuellen Studie zur Tiefengeothermie für Aufsehen. Die weltweit angelegte Modellrechnung zeigt, wie Stromnetze stabilisiert, Flächen gespart und Kosten massiv gesenkt werden durch eine intensive Nutzung der Erdwärme mithilfe der „Enhanced Geothermal Systems“ (EGS).

Der Stromhunger in der Welt wächst rasant. Rechenzentren schießen aus dem Boden, Künstliche Intelligenz läuft Tag und Nacht, digitale Dienste sind im Dauerbetrieb. Zugleich soll der Strom sauber werden und dabei zuverlässig und bezahlbar bleiben. Die Antwort darauf heißt bisher: mehr Windräder, mehr Solarfelder, mehr Leitungen, mehr Speicher. Doch diese Antwort bedeutet auch: Die Netze stoßen an Grenzen, der Platz wird knapp, der Ausbau teuer.

Eine neue weltweite Analyse der Stanford University, über die unter anderem die Frankfurter Rundschau, Focus online und das Internetportal smartup-news.de berichten, kommt zu dem Ergebnis, dass sauberer Strom auch kompakter und günstiger erzeugt werden kann, mit weniger Anlagen, weniger Fläche und weniger Technik. Entscheidend ist dabei eine Energiequelle, die ständig verfügbar ist und bislang oft unterschätzt wurde: die Tiefengeothermie.

In der Analyse wird den Berichten zufolge untersucht, wie sich das Energiesystem verändern würde, wenn die Stromerzeugung aus Tiefengeothermie nicht nur eine Nebenrolle spielt, sondern gezielt als konstante Stromquelle eingebunden wird. Betrachtet werden dabei die sogenannten „Enhanced Geothermal Systems“ (EGS) aus dem Bereich der petrothermalen Tiefengeothermie. 

Wesentlich weniger Windkraft, Solaranlagen und Batteriespeicher nötig

Schon ein vergleichsweise kleiner Anteil dieser Technologie verändert in der Modellrechnung der Stanford-Experten das Gesamtsystem spürbar. Liefert Tiefengeothermie etwa zehn Prozent des Stroms, sinkt der Bedarf an Windkraft, Solaranlagen und Batteriespeichern deutlich. Netze müssten weniger ausgleichen, Speicher seltener einspringen. Das System bleibt stabil – bei nahezu identischen Kosten.

Ein zentrales Ergebnis betrifft den Flächenbedarf. Ohne den intensiven Einsatz der Tiefengeothermie beansprucht ein vollständig erneuerbares Energiesystem weltweit rund 0,57 Prozent der Landfläche. Mit Geothermie sinkt dieser Wert auf 0,48 Prozent. Der Unterschied klingt klein, entspricht aber Hunderttausenden Quadratkilometern.

Der Grund liegt in der Technik: Geothermieanlagen benötigen vergleichsweise wenig Platz und liefern dafür konstant Strom. Dadurch ließen sich andere Anlagen reduzieren: Onshore-Windkraft ginge um rund 15 Prozent zurück, Solarkapazitäten würden um etwa 12 Prozent sinken, Batteriespeicher reduzierten sich um fast ein Drittel. Besonders profitieren würden dicht besiedelte Regionen und kleine Länder wie Südkorea, Taiwan oder Singapur, in denen Fläche knapp und teuer ist.

Ergebnis der Studie: Globaler Endenergiebedarf sinkt trotz steigendem Stromverbrauch um mehr als die Hälfte

Die Studie betrachtet 150 Länder, die zusammen fast 100 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen verursachen. Das Zieljahr ist 2050. In diesem Szenario werden nahezu alle Energiesektoren elektrifiziert: Verkehr, Industrie, Gebäude und Wärmeversorgung.

Das überraschende Ergebnis: Der globale Endenergiebedarf sinkt trotz steigenden Stromverbrauchs um mehr als die Hälfte. Ursache sind Effizienzgewinne. Elektromotoren arbeiten effizienter als Verbrenner und auch viele weitere Verluste fossiler Systeme entfallen. Insgesamt fällt der Energiebedarf von rund 19,6 Terawatt auf etwa 9 Terawatt.

Auch wirtschaftlich liefert die Analyse klare Zahlen – unter den getroffenen Annahmen. Die privaten Energiekosten würden im Vergleich zu einem fossilen Weiter-so um rund 60 Prozent sinken. Global gingen sie von etwa 17 Billionen Dollar pro Jahr auf knapp 7 Billionen zurück. Entscheidend ist dabei nicht die Geothermie allein, sondern die Kombination aus Effizienz und erneuerbaren Quellen.

"Eine zuverlässige Energieversorgung – bei niedrigen Kosten und ohne Luftverschmutzung oder Erderwärmung"

Noch stärker fällt der Effekt aus, wenn Gesundheits- und Klimaschäden einbezogen werden. Luftverschmutzung und Treibhausgase verursachen heute enorme Folgekosten. In einem vollständig erneuerbaren System entfallen diese Schäden im Modell nahezu vollständig. Die gesellschaftlichen Gesamtkosten würden um mehr als 90 Prozent sinken.

Ein zentraler Punkt der Studie ist die Rolle konstanter Stromquellen. Lange galten Kohle- und Kernkraftwerke als unverzichtbar, weil sie Grundlast liefern. Die Tiefengeothermie könnte diese Funktion übernehmen, ohne Brennstoffe, ohne radioaktiven Abfall, ohne Emissionen. „EGS ist eine saubere, erneuerbare Technologie, die gemeinsam mit Wind, Solar, Wasser und Speichern eine zuverlässige Energieversorgung ermöglicht – bei niedrigen Kosten und ohne Luftverschmutzung oder Erderwärmung“, erklärt Stanford-Studienleiter Mark Jacobson.

 

Quelle:

Frankfurter Rundschau, Focus online, smartup-news.de