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Mit Geothermie in die Unabhängigkeit

4. Dezember 2008

Um unabhängiger von der russischen Gaslieferung zu werden, setzen nun erstmalig zehn ungarische Kommunen auf die Geothermie. Nach einem Bericht des Deutschlandfunks wird als erstes in der 9.000 Einwohner zählenden Stadt Tamási gebohrt. Hier soll in einer Tiefe von 2.000 bis 4.000 Meter Tiefe das Wasser bis zu 180°C heiß sein.

Nachdem Bürgermeister Joszef Ribany und György Horuczi, Vorstand der Budapester Firma Pannergy nun eine Kooperationsvertrag unterschrieben haben, werden die Arbeiten in Tamási beginnen. Vorverträge für die Erschließung der Erdwärme bestehen bereits mit zehn weiteren ungarischen Kommunen. So werden die Energiekosten für die öffentlichen Institutionen kalkulierbarer. Auch Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit sehen die Kommunen, denn die Erdwärme könnte neue Unternehmen anziehen. Großes Interesse zeigen bereits holländische Gewächshausbetreiber, die gerne nach Ungarn umsiedeln würden.

Ungarns Energieversorgung ist, wie kein anderes europäisches Land, abhängig vom importierten Erdgas aus Russland. Doch das wird immer teurer. Und der Staat kann sich die bisherigen Gaspreis Subventionen immer weniger leisten. Eine politische Strategie jedoch, die Ungarn mit Hilfe der Erdwärme aus der Energiefalle befreien könnte, gibt es bisher nicht. Dabei schlummert in der Tiefe ein riesiges geothermisches Potential.

Im Pannonischen Becken, in dem Ungarn und Teile seiner Nachbarstaaten liegen, ist die Erdkruste dünner. Das bedeutet: der geothermische Gradient ist größer, zudem gibt es große unterirdische Wasserreservoirs, die bisher kaum genutzt werden. Der ehemals staatlichen Öl- und Gaskonzern Mol wolle seinen Produkten Öl- und Gas mit billiger Geothermie keine Konkurrenz machen, meint Horuczi. Die geothermische Wärme soll 20-30 Prozent weniger als Erdgas kosten.

Bisher gibt es keine staatliche Unterstützung zur Erschließung der Geothermie in Ungarn. Keine einheitlichen Regeln für die Bohrkonzessionen und keine genauen Daten über die Vorkommen und Verteilung der thermischen Reservoirs im Untergrund. So hat Pannergy alle aus der Öl- und Gassuche vorhandenen, öffentlich zugänglichen Datensätze neu auswerten und sie hinsichtlich interessanter Heißwasser-Vorkommen neu bewerten.

Weitere Informationen: www.dradio.de (ag)

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