„Gerade in Mitteleuropa sind wir steigenden Energiekosten weitgehend ausgeliefert – nicht nur in Krisenzeiten. Denn wir sind noch immer enorm von den Importen fossiler Brennstoffe abhängig. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Tiefengeothermie als heimische, brennstoffunabhängige und klimafreundliche Energiequelle weiterhin an strategischer Bedeutung“, sagt Dr. Jochen Schneider, Veranstalter des Praxisforums Tiefengeothermie und der IGC Invest Geothermal Konferenze in Frankfurt.
Die weltweiten Entwicklungen verdeutlichen die immer noch bestehende Abhängigkeit von Energieimporten. 100 Millionen Euro fließen jedes Jahr allein aus Deutschland in Staaten mit schwierigen politischen Bedingungen.
Tiefengeothermie als strategische Wärmequelle
Mit der Umsetzung kommunaler Wärmepläne und dem Ziel der Klimaneutralität bis 2045 stehen deutsche Städte und Gemeinden vor einer gewaltigen Transformationsaufgabe. Noch immer wird ein Großteil der Wärmeversorgung im Gebäudesektor durch fossile Energiequellen wie Erdgas und Heizöl gedeckt. Das Wärmeplanungsgesetz soll dazu beitragen, lokal verfügbare, klimaneutrale und wirtschaftliche Versorgungsoptionen zu identifizieren. Gleichzeitig haben die vergangenen Jahre gezeigt, wie verletzlich die Energieversorgung gegenüber geopolitischen Krisen und internationalen Marktverwerfungen sein kann. Hier bietet die Tiefengeothermie großes Potenzial. Sie liefert grundlastfähige, witterungsunabhängige und regionale Wärme und kann einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung leisten.
Zahlreiche Stadtwerke sind bereits auf den Zug aufgesprungen und prüfen tiefengeothermische Optionen. Dabei geht es nicht alleine um die Aufsuchung von Tiefenwasser für die klassischen hydrothermalen Anlagen. Innovationen wie Loop-Systeme oder erweiterte geothermische Systeme (Enhanced Geothermal Systems, EGS) ermöglichen die Nutzung der Tiefengeothermie auch an Standorten ohne natürliche Tiefenwasservorkommen. So entwickelt die Firma Fervo in den USA mit hoher Geschwindigkeit neue EGS-Verfahren, um Rechenzentren zu versorgen.
Finanzierung und Partnerschaften als Erfolgsfaktoren
Trotz ihres erheblichen Potenzials stehen viele Tiefengeothermie-Projekte vor Herausforderungen. Hohe Anfangsinvestitionen, komplexe Projektstrukturen sowie wirtschaftliche und technische Risiken erschweren häufig die Umsetzung. Umso wichtiger werden tragfähige Finanzierungsmodelle und strategische Partnerschaften zwischen Kommunen, Stadtwerken, Investorinnen und Investoren sowie Projektentwickelnden. Hier helfen staatliche Förderprogramme auf Landes- und Bundesebene, wie die Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) mit einer Förderung von bis zu 40 Prozent der Investitionssumme oder das KfW-Programm, um die verbleibende Finanzierungslücke zu schließen.
Genau diesen Fragestellungen widmet sich die IGC Invest Geothermal Konferenz am 17. und 18. Juni in Frankfurt am Main. Veranstaltet von ThinkGeoEnergy und der Enerchange GmbH und gesponsert von Hogan Lovells, bringt die Konferenz Fachleute aus der Wärmeversorgung, Stadtwerken, Projektentwicklung, Politik, Finanzwelt und Industrie zusammen, um über die Zukunft der Tiefengeothermie, Finanzierungsmodelle und mögliche Partnerschaften zu sprechen. „Maßgeblich für den nachhaltigen Erfolg von Projekten im Bereich der Tiefengeothermie sind insbesondere auch eine angemessene Verteilung der Risiken sowie eine ausgewogene, professionelle und marktgängige Strukturierung der Projekte. Wie in den Jahren zuvor, freue ich mich auf die angeregten Diskussionen zu diesem Thema auf der diesjährigen IGC“, betont Dr. Torsten Rosenboom von Hogan Lovells.
Darüber hinaus bietet sich für Stadtwerke die Gelegenheit zum internen Austausch in einem separaten Side-Event. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeit sind auf der Webseite der Veranstaltung zu finden.
Anmeldungen zur IGC Invest Geothermal Konferenz sind über diesen Link Jetzt zur IGC Invest Geothermal 2026 anmelden! | IGC Invest Geothermal möglich.