Nach 2D- und 3D-Seismik: Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen plant Forschungsbohrung in Münster für 2027

13.03.2026 | Erkundung & Analyse
Stadt Münster

Der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalen (GD NRW) plant für das Jahr 2027 eine mehr als 1.000 Meter tiefe Forschungsbohrung in Münster. Das Projekt ist Teil des „Masterplans Geothermie NRW“. Geklärt werden soll, ob sich in den Kalksteinschichten unter Münster ein ausreichend nutzbares geothermisches Reservoir verbirgt. 

„Münster ist für uns ein besonders geeigneter Standort, weil wir hier schon viele Daten haben“, sagt Dr. Ulrich Pahlke, Direktor des GD NRW. Schon 2021 führte der GD NRW 2D-seismische Messungen im Münsterland durch, im Winter 2024 legten die Stadtwerke Münster mit einer 3D-Seismik nach. Die Daten zeigen Kalksteinschichten in rund 1.000 bis 1.300 Metern Tiefe. Ob sie warmes Wasser enthalten und sich damit als geothermisches Reservoir eignen, beantwortet die Forschungsbohrung. 

In natürlichen Klüften und Hohlräumen des Kalksteins kann Wasser vorhanden sein, dessen Temperatur mit zunehmender Tiefe steigt. Wird dieses warme Tiefenwasser an die Oberfläche gefördert, kann es über Wärmetauscher Fernwärmenetze, Industrie, Gewerbe oder Gewächshäuser mit Wärme versorgen. Nach dem Temperaturentzug wird es über eine zweite Bohrung in dieselbe Kalksteinschicht zurückgeführt.

 „Entscheidend ist, wie gut und in welchen Mengen das Tiefenwasser im Gestein nachfließen kann“, erklärt Projektleiter Ingo Schäfer vom GD NRW. „Die Daten zeigen uns Bruchzonen in den Kalksteinen. Solche Strukturen können ideale Wasserwege sein. Derzeit prüfen wir daher verschiedene Standorte auf ihre Eignung.“ 

Die Zielschichten stammen aus der Kreide-Zeit, als das Münsterland von einem Meer bedeckt war. Kalkschlämme aus mikroskopisch kleinen Meeresorganismen lagerten sich am Meeresboden ab. In Jahrmillionen entstanden daraus mächtige Kalksteinformationen – der Plänerkalk. In ihm sind stellenweise Schalen und Gehäuse abgestorbener Meeresbewohner wie Muscheln, Seeigel und Ammoniten überliefert. 

In Münster wird mit dem Plänerkalk das dritte potenzielle geothermische Reservoirgestein in Nordrhein-Westfalen erkundet. In Krefeld wurde 2025 ein ergiebiges Reservoir im Kohlenkalk nachgewiesen, in Köln-Dellbrück wird aktuell der Massenkalk untersucht. Im Unterschied zu den bisherigen Projekten mit einer maximalen Bohrtiefe von 1.000 Metern soll in Münster mehr als 1.000 Meter tief gebohrt werden, denn hier liegen die ersten geothermisch interessanten Schichten deutlich tiefer. Neben der Gewinnung von Bohrkernen sind umfangreiche Tests geplant, darunter ein Pumpversuch zur Untersuchung der hydraulischen Eigenschaften. Der Standort gilt als Referenz für das gesamte Münsterland – mit Bedeutung weit über die Stadtgrenzen hinaus. 

Die Forschungsbohrung ist Teil des Explorations- und Bohrprogramms „Geowärme – Wir erkunden NRW.“, beauftragt durch das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen als Teil des „Masterplans Geothermie NRW“. Dessen Ziel: Bis 2045 sollen rund 20 Prozent des Wärmebedarfs in NRW durch Erdwärme gedeckt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse werden öffentlich zugänglich gemacht und dienen Kommunen, Stadtwerken und Unternehmen als Entscheidungsgrundlage.

„Erneuerbare machen uns unabhängiger von fossilen Energien, sorgen für Planbarkeit und sind dauerhaft bezahlbar. Gerade angesichts der geopolitischen Lage zeigt sich, wie essenziell Energiesouveränität ist“, sagt Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur: „ Erdwärme ist dabei ein zentraler Baustein für die Wärmeversorgung der Zukunft. Deshalb arbeiten wir konsequent daran, Geothermie zu erschließen. So stellen wir sicher, dass die Menschen direkt von klimafreundlicher und bezahlbarer Wärme aus dem Untergrund profitieren können – in Münster und darüber hinaus.“ 

Quelle:

Geologischer Dienst NRW