Dank technologischer Fortschritte bei Tiefbohrungen und den sogenannten Enhanced Geothermal Systems (EGS) sei Geothermie nicht mehr auf wenige Hotspots wie Island und die Nutzung als Wärmequelle beschränkt, sondern könne in weiten Teilen Europas als saubere, gesicherte Stromquelle genutzt werden, heißt es in der Analyse „Hot Stuff: Geothermal Energy in Europe“.
Ember identifiziert darin rund 43 Gigawatt an geothermischer Kapazität, die bereits zu Kosten unter 100 Euro pro Megawattstunde entwickelt werden könnten – und damit preislich konkurrenzfähig zu Kohle- und Gasstrom sind. Besonders großes Potenzial bestehe der Analyse zufolge in Ungarn, gefolgt von Polen, Deutschland und Frankreich. Geothermie könnte so die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten senken und die Energiesicherheit in Europa stärken.
Moderne Bohrtechniken ermöglichen laut Ember den Zugang zu tieferen und heißeren Gesteinsschichten. Dadurch könnte sich das geothermische Strompotenzial Europas um ein Vielfaches erhöhen. Bei einer vollständigen Nutzung der identifizierten 43 Gigawatt ließen sich jährlich rund 301 Terawattstunden Strom erzeugen. Vor dem Hintergrund schwankender fossiler Energiepreise biete die Tiefengeothermie eine stabile, klimafreundliche Alternative. Entscheidend sei nun, ob die politischen Rahmenbedingungen einen schnellen und umfassenden Ausbau erlauben.
Im Jahr 2024 sorgte die Tiefengeothermie nur für weniger als 0,5 Prozent der weltweiten Stromerzeugung. Doch es wird damit gerechnet, dass sich die Nutzung der Tiefengeothermie stark beschleunigen wird: Bis 2030 sollen voraussichtlich fast 1,5 Gigawatt jährlich an neuen Kapazitäten ans Netz gehen – das wäre eine jährliche Verdreifachung der Kapazitäten im Jahr 2024. Auf globaler Ebene könnte so die Tiefengeothermie bis 2050 bis zu 15 Prozent des Strombedarfs decken.
Ember