Noch hat der Winter den ehemaligen Sportplatz am Thurner Kamp in Köln-Dellbrück fest im Griff. Doch schon bald wird hier mit einer Forschungsbohrung tief in die Erde geschaut. Ziel ist es, den 380 Millionen Jahre alten Massenkalk der Devon-Zeit zu untersuchen. In diesem Kalkgestein kann Wasser durch Klüfte und Hohlräume fließen. Je tiefer diese Gesteine vorkommen, desto wärmer ist darin enthaltenes Wasser, womit man heizen könnte.
Die Ergebnisse der Bohrung sind für die gesamte Region relevant und können eine Entscheidungsgrundlage sein, ob künftig die tiefe Geothermie für eine klimafreundliche Wärmeversorgung genutzt werden kann. Der Geologische Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen NRW führt die Forschungsbohrung im Rahmen des Explorations- und Bohrprogrammes „Geowärme – Wir erkunden NRW.“ durch und ist vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie NRW beauftragt.
Wann geht es los? „Das ausführende Bohrunternehmen steht fest, die Genehmigungen sind beantragt“, erläutert Projektleiter Ingo Schäfer. „Nach Erteilung aller notwendigen Genehmigungen werden wir direkt mit dem Bohrplatzbau beginnen.“ Als Bohrstandort wurde ein ehemaliger Sportplatz am Thurner Kamp ausgewählt, der heute als Ausgleichsfläche der Stadt Köln dient.
Ausschlaggebend für die Standortwahl ist die Geologie im Untergrund. Bisherige Erkenntnisse und Modelle zeigen, dass mit der geplanten Tiefbohrung hier die vollständige Abfolge des Massenkalks erreicht werden sollte. Für umfangreiche Analysen zur Eignung des Massenkalks als geothermisches Reservoir werden die Kalksteine als Bohrkerne an die Oberfläche gefördert. Im tiefen Bohrloch sollen zudem zahlreiche Untersuchungen durchgeführt werden. „An diesem Standort haben wir die Möglichkeit, den Massenkalk in den oberen 1.000 Metern zu untersuchen. Für eine echte geothermische Wärmegewinnung würde man eher einen Standort wählen, an dem der Kalkstein tiefer liegt und damit wärmer ist“, so Schäfer.
„Für die Bohrarbeiten und das Fördern der Bohrkerne sind zwei bis drei Monate veranschlagt“, erklärt Dr. Stephan Becker, verantwortlicher Geologe für die Bohrung beim GD NRW. „Sehr wichtig sind für uns auch die anschließenden Untersuchungen im Bohrloch, die wertvolle Erkenntnisse über die mögliche Eignung des Massenkalks für eine geothermische Nutzung liefern.“
Da eine Forschungsbohrung nicht die technischen und rechtlichen Anforderungen einer Produktionsbohrung erfüllt, wird das Bohrloch anschließend verfüllt und die Fläche wiederhergestellt.
GD NRW