Mehr als zehn Prozent der Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern könnten die Tiefengeothermie für die Wärmeversorgung nutzen. Das erklärte Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) bei der Eröffnung der Ausstellung „Power to Change“ („Kraft zur Veränderung“) im Technischen Landesmuseum.
80 Städte und Gemeinden unterschiedlicher Größe mit über 900.000 Einwohnern kämen in Betracht. Bei einer Gesamteinwohnerzahl von knapp 1,6 Millionen Menschen wäre das mehr als jeder zweite Bürger im Nordosten. Von den untersuchten Kommunen hätten 29 mit insgesamt etwa 720.000 Einwohnern ein „hohes Potenzial“.
Mecklenburg-Vorpommern liegt geologisch im Nordostdeutschen Becken. Die Bedingungen zur Nutzung der Tiefengeothermie gelten in dieser Region als günstig. Sie lassen fast flächendeckend in einer Tiefe von 1.000 bis 2.500 Metern die energetische Nutzung von Tiefenwasser zu.
Derzeit gibt es in Mecklenburg-Vorpommern zwei Anlagen der Direktwärmenutzung, nämlich in Neustadt-Glewe (Landkreis Ludwigslust-Parchim) und in Waren/Müritz (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). In Neubrandenburg reichte die Temperatur des Tiefenwassers für eine Fernwärmeversorgung nicht mehr aus. Eine zusätzliche Beheizung war erforderlich. Daher wurde die Anlage zum geothermischen Tiefenspeicher ausgebaut. Seitdem wird die überschüssige Wärme eines Kraftwerks im Sommer in der Tiefe gespeichert und im Winter zur Beheizung von Haushalten verwendet.
Die bis zum 12. April 2026 in Wismar zu sehende Ausstellung thematisiert mit vielen interaktiven Exponaten die verschiedenen Aspekte der Energiewende. Professor Görge Deerberg, Projektleiter für die Schau am Fraunhofer-Institut, warb bei der Eröffnung um Pragmatismus: „Wir haben in Deutschland viele gute Ansätze, wie die Energiewende funktionieren kann. Oft fehlt der Mut, sie auch anzuwenden, weil wir auf die perfekte Lösung warten.“
Ostsee-Zeitung