Erst im Juni gründete sich das Start-up aus der Münchner Siemens Energy AG aus, wo die drei Unternehmer schon an der Technologie geforscht hatten. „Unser Ansatz ermöglicht eine emissionsfreie und effiziente Stromproduktion, ideal für traditionelle Öl- und Gasunternehmen“, sagt Felix Böhmer, einer der drei Gründer. Dabei greife das Unternehmen auf bereits bekannte Technologien aus der Öl- und Gasbranche zurück. Im Vergleich zu herkömmlichen Geothermie-Verfahren soll die Technologie von Factor2 Energy die Stromausbeute verdoppeln können.
Eingesetzt werden kann die Technologie dem Unternehmen zufolge entweder in natürlichen CO2-Reservoirs oder in Reservoirs, die für die Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff vorgesehen sind. Das natürlich vorkommende oder abgeschiedene CO₂ wird in tiefe, poröse geologische Formationen verpresst und dort sicher gespeichert. Durch die Aufnahme von Erdwärme aus dem umgebenden Gestein nimmt seine Dichte ab, wodurch eine auftriebsbedingte Zirkulation in Gang gesetzt wird, die als Thermosiphoneffekt bekannt ist. Infolgedessen steigt das CO₂ auf natürliche Weise über Förderbrunnen an die Oberfläche, so dass keine unterirdischen Pumpen erforderlich sind sowie der Energieverbrauch und die mechanische Komplexität erheblich reduziert werden.
Gründer versprechen sich doppelt so hohe Leistung im Vergleich zu herkömmlichen Systemen
An der Oberfläche wird die Wärme mit einem direkt angetriebenen CO₂-Turbinensystem in Strom umgewandelt. Nach der Expansion wird das CO₂ abgekühlt und wieder in das Reservoir eingespeist, wodurch ein geschlossener Kreislauf entsteht, der eine kontinuierliche Stromerzeugung bei gleichzeitiger langfristiger CO₂-Speicherung ermöglicht. Im Vergleich zu herkömmlichen wasserbasierten geothermischen Systemen soll mit diesem Ansatz unter ähnlichen geologischen Bedingungen eine bis zu doppelt so hohe Leistung erzielt werden, während gleichzeitig geringere Investitionskosten erforderlich sind.
„Unser Ansatz ermöglicht eine emissionsfreie, effiziente und grundlastfähige Stromerzeugung, was ideal für traditionelle Öl- und Gasunternehmen ist, die ihre Betriebsmittel diversifizieren wollen“, so CEO und Mitbegründer Felix Boehmer. „Und tatsächlich nutzt das gesamte System bewährte Technologien aus dem Öl- und Gassektor mit seiner langen Geschichte von Bohr- und geologischem Fachwissen.“
Mit der Startfinanzierung soll ein Pioltkraftwerk errichtet werden
Factor2 Energy wird die Startfinanzierung nutzen, um die technologische Entwicklung seines CO₂-basierten geothermischen Stromerzeugungssystems voranzutreiben und ein Pilotkraftwerk zu entwickeln, um die Skalierbarkeit zu demonstrieren. Die Nutzung von CO₂ soll nicht nur die Bereitstellung von zuverlässigem Ökostrom rund um die Uhr ermöglichen, sondern auch den Zugang zu einem breiteren Spektrum an geologischen Standorten, die für herkömmliche geothermische Systeme ungeeignet sind.
Durch die Verwendung von CO₂ will Factor2 Energy flachere und kühlere geothermische Standorte erschließen, was die Bohrkosten senkt und die Palette der in Frage kommenden Kraftwerksstandorte erweitert. Außerdem werden keine Sekundärflüssigkeiten oder komplexen binären Systeme benötigt, was den Betrieb vereinfachen soll. Durch die Nutzung von geologischen Formationen, die für die CO₂-Speicherung (CCS) vorgesehen sind, und natürlichen CO₂-Reservoirs will Factor2 Energy diese in aktive Energieanlagen umwandeln.
Handelsblatt / Factor2 Energy