Neuruppin heizt Fernwärme ab 2027 mit Erdwärme

05.06.2026 | Anlagenbetrieb

Ab dem Frühjahr 2027 soll ein Großteil der Neuruppiner Fernwärme aus Geothermie stammen. Die Stadtwerke investieren rund 32 Millionen Euro in das Projekt, das bis zu 9.000 Haushalte versorgen, jährlich bis zu 30.000 Tonnen CO₂ einsparen und die Stadt unabhängiger von fossilen Energieträgern machen soll.

Bereits 2024 wurden auf dem Stadtwerke-Gelände zwei rund 1.800 Meter tiefe Bohrungen niedergebracht. Aus einer Bohrung soll künftig das Tiefenwasser mit einer Temperatur von etwa 68 bis 70 Grad an die Oberfläche gefördert werden. Nach der Wärmeentnahme wird das Wasser über die zweite Bohrung wieder in den Untergrund zurückgeführt. Aktuell werden neue Gebäude für die Wärmetauscher, Pumpen und Leitungen gebaut. 

Großwärmepumpen heben Temperatur an 

Da die Temperatur von knapp 70 Grad für die direkte Versorgung des Fernwärmenetzes nicht ausreicht, setzen die Stadtwerke auf insgesamt sechs Großwärmepumpen. Diese erhöhen die Temperatur um weitere 20 Grad auf das benötigte Niveau. 

Start des Betriebs im Frühjahr 2027 

Der Testbetrieb der geplanten Geothermieanlage soll im Frühjahr 2027 beginnen, die reguläre Einspeisung der Erdwärme ist für März/April 2027 vorgesehen. Künftig sollen rund 70 bis 80 Prozent der Fernwärme aus Geothermie stammen. Die kalkulierte Wärmeeinspeisung liegt bei etwa 76 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. 

Klimanutzen für die Stadt

Laut den Stadtwerken Neuruppin können durch die Umstellung auf Erdwärme jährlich bis zu 30.000 Tonnen CO₂ eingespart werden. Selbst konservative Berechnungen gehen noch von deutlich über 10.000 Tonnen pro Jahr aus. Damit zählt die Geothermie zu einem zentralen Baustein einer klimafreundlichen Wärmeversorgung in Neuruppin.

Fernwärmenetz als Schlüssel zur Unabhängigkeit

Für die Kundinnen und Kunden soll sich zunächst wenig ändern. Die Wärme gelangt weiterhin über das bestehende Fernwärmenetz in die Gebäude, Umbauten an den Heizungen sind nicht erforderlich. Auch das Holzhackschnitzel-Heizwerk an der Ernst-Toller-Straße bleibt als Teil der Versorgung erhalten, ebenso sollen die bisherigen gasbetriebenen Anlagen als Reserve weiterhin betrieben werden. Für Stadtwerke-Geschäftsführer Thoralf Uebach ist vor allem die Unabhängigkeit von internationalen Energiemärkten ein zentraler Vorteil des Projekts.

Quelle:

In Neuruppin