Offener Brief fordert EU-Aktionsplan für die Geothermie

08.05.2026 | Finanzierung | Enerchange
Flagge der Europäischen Union

Ein breites Bündnis aus Energie- und Industrieakteuren fordert von der Europäischen Kommission deutlich mehr Ambition beim angekündigten EU-Aktionsplan für Geothermie. In einem offenen Brief an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie mehrere EU-Kommissare (JørgensenHoekstra, RiberaSéjourné) warnen die Unterzeichner:innen davor, dass Europa „die Geothermie-Revolution verpassen“ könnte. 

Der Brief verweist auf Europas anhaltende Abhängigkeit von fossilen Energieimporten und bezeichnet Geothermie als strategische Schlüsseltechnologie für Versorgungssicherheit, Dekarbonisierung und sinkende Energiepreise. Nach Angaben der Verfasser:innen könnten moderne Geothermieanlagen jährlich bis zu 301 TWh Strom in der EU erzeugen, das entspreche rund 42 Prozent der heutigen Kohle- und Gasstromproduktion Europas. Geothermie könne nicht nur die Dekarbonisierung der Industrie beschleunigen, sondern auch die Netzstabilität stärken und importiertes Erdgas in der Wärme- und Stromversorgung ersetzen. 

Strategische Vorteile der Technologie

Darüber hinaus verweisen die Initiator:innen des offenen Briefes auf strategische Vorteile der Technologie: Geothermische Ressourcen könnten die heimische Gewinnung kritischer Rohstoffe wie Lithium ermöglichen und damit Europas industrielle Unabhängigkeit stärken. Da viele Anlagen unterirdisch und dezentral aufgebaut seien, gälten sie zudem als widerstandsfähiger gegenüber Angriffen auf kritische Infrastruktur. Ohne deutlich stärkere politische Unterstützung drohe Geothermie weiterhin eine „sekundäre Priorität“ zu bleiben. Die Branche fordert deshalb einen eigenständigen, hochrangigen EU-Fahrplan mit klaren Investitionsanreizen. 

Forderungen der Initiator:innen

Konkret verlangen die Initiator:innen unter anderem: einen europäischen Fonds zur Risikoabsicherung bei Bohrungen und Explorationsprojekten, langfristige Vergütungsmodelle wie zweiseitige Differenzverträge (CfDs), schnellere Genehmigungsverfahren sowie die Gründung einer „European Geothermal Industry Alliance“. 

Die Verfasser:innen des offenen Briefes warnen davor, dass Europa im internationalen Wettbewerb zurückzufallen drohe. Während die Vereinigte Staaten massiv öffentliche Mittel für neue Geothermieprojekte bereitstellten und China den Ausbau stark beschleunige, fehle es in Europa weiterhin an klaren politischen Rahmenbedingungen und finanzieller Absicherung.

Die Europäische Kommission will ihren Geothermie-Aktionsplan im Mai vorstellen. Branchenvertreter:innen sehen darin eine entscheidende Gelegenheit, Geothermie als festen Bestandteil der europäischen Energie- und Industriestrategie zu etablieren.