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Schweiz: Umweltfreundliches Gemüse mit Tiefer Geothermie

17. Oktober 2013

Nicht weit entfernt vom Tiefengeothermie Projekt St. Gallen kann Schlattingen ein Erfolgsprojekt der besonderen Art vorweisen. Voraussichtlich Anfang nächsten Jahres wird dort auf sieben Hektar Gewächshausfläche ganzjährig Gemüse produziert, beheizt mit tiefer Geothermie.

Die Nachfrage nach heimischem Gemüse steigt. Supermärkte haben diesen Trend längst erkannt und zunehmend Waren aus der Region in ihr Sortiment aufgenommen. Noch attraktiver für den Einzelhandel wird das heimische Gemüse, wenn es zudem umweltfreundlich angebaut wird. Diese Lücke schließt in Zukunft die Schweizer Gemüsegärtnerei von Hansjörg Grob aus Schlattingen am Rhein. Seine Gewächshausanlagen werden ab Januar 2014 ausschließlich mit Wärme aus tiefer Geothermie beheizt. Als einer der größten Feingemüseproduzenten der Schweiz beliefert Hansjörg Grob dort die Supermarktketten Coop, Migros, Aldi und Lidl.

Die Nachfrage nach erster Qualitätsware besteht das gesamte Jahr. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, muss der Betrieb auch in den kühlen Jahreszeiten von Herbst über den Winter bis ins Frühjahr unter gleichbleibenden Temperaturen produzieren. Die Folge ist eine hohe CO2-Bilanz für den Gemüsebauer, denn knapp 20 Millionen Kilowattstunden Wärmebedarf und Kosten von mehr als einer Millionen Franken für Heizöl und Erdgas muss der Betrieb jedes Jahr zum Heizen der Gewächshäuser aufbringen, wie die Schweizer Nachrichtenplattform EE-News.ch zitiert. Die Umrüstung auf Erneuerbare Energien ist angesichts dieser Zahlen die einzig naheliegende Konsequenz, findet der Gemüse- und Landbaubetrieb Grob auf seiner Webseite.

Bereits vor sieben Jahren begannen die Planungen für das Geothermieprojekt des Privatinvestors Hansjörg Grob. Alle Studien (Vorstudie 2007, Potenzialstudie 2009, Machbarkeitsstudie 2010) signalisierten gute Bedingungen für sein Geothermieprojekt, einschließlich entsprechendem Fündigkeitsrisiko, was in der tiefen Geothermie grundlegend gilt. Die erste Bohrung wurde 2011 auf 1508 Meter Tiefe abgeteuft. Die erhoffte Schüttung lag aber deutlich unter dem angepeilten Wert von 12,9 Litern pro Sekunde (wir berichteten). Nach einer Aufzementierung auf knapp 1200 Meter und erfolgreichen Säuerungsversuchen lieferte die Bohrung anschließend 60 Grad Celsius warmes Thermalwasser mit fast 8 Liter pro Sekunde – nur ein Teilerfolg. Die zweite Bohrung brachte im Mai 2013 den Durchbruch für das Projekt. Auf etwas über 1100 Meter Tiefe stieß sie auf 68 Grad Celsius warmes Thermalwasser mit Schüttungsraten von 10 Litern pro Sekunde – zwar keine üppige Menge, jedoch mehr als ausreichend, um die Gewächshäuser wie geplant mit tiefengeothermischer Wärme zu beheizen. Nach erfolgreichen Pumptests und Komplettierung des geschlossenen Thermalwasserkreislaufs wird bald 62 Grad Celsius warmes Thermalwasser im Heizsystem zirkulieren. Den voraussichtlichen Start seines geothermischen Heizsystems plant der private Geothermie-Unternehmer und Gemüsebauer Grob ab Januar 2014.

Als erster Landwirtschaftsbetrieb in der Schweiz wird Hansjörg Grob zukünftig CO2-neutrales Gemüse produzieren. Das ist eine hohe Messlatte, die nur die wenigsten Betriebe erreichen können, denn die Investitionen von 3,5 Millionen Franken Bohrkosten müssen unter Einbeziehung des Fündigkeitsrisikos erst einmal finanziert werden. Getragen werden kann dies nur von Großbetrieben, die eine langfristige Absatzsicherheit haben. Finanzhilfen und Risikogarantien bekam Grob vom Kanton Thurgau, der Nagra, der Stiftung Klimarappen und dem Bundesamt für Energie, wie das Nachrichtenportal EE-News.ch berichtet. Gratis ist der tiefengeothermische Wärmebezug für Grob aber nicht. Eine Konzessionsgebühr von einem Rappen pro Kilowattstunde muss er an den Kanton abführen. Dennoch rechnet Grob, dass sich die Anlage maximal innerhalb der nächsten zwanzig Jahre amortisiert haben wird, bei einer Heizkosteneinsparung von jährlich einer Millionen Franken an Heizöl und Erdgas.

Das Beispiel vom Gemüsebau Hansjörg Grob zeigt, dass sich die Tiefe Geothermie nicht nur in Form von Großprojekten zur kommunalen Strom- und Wärmeproduktion rentiert, sondern entsprechende Investitionen auch für Mittelstandsbetriebe sinnvoll sein können. Ähnliche Projekte sind bereits in Bad Blumau (Österreich) und Kirchweidach (Deutschland) in der Planung und Umsetzung. (sv)

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