Bereitgestellt wird die Wärme aus dem dienstältesten Geothermiekraftwerk im Land. Bereits seit 2009 läuft die Geothermie-Anlage der Energie Baden-Württemberg (EnBW) in Bruchsal (Kreis Karlsruhe) störungsfrei, derzeit mit einer maximalen thermischen Leistung von knapp sechs Megawatt. Diese Leistung soll in den kommenden Jahren verdoppelt werden.
Parallel dazu wollen die Stadtwerke in Bruchsal ihr Fernwärmenetz ausbauen. Innerhalb von zehn Jahren soll die gesamte Kernstadt angeschlossen sein. Dann soll eine Versorgung von rund 6.000 Haushalten möglich werden, das entspricht einem Viertel aller Haushalte in Bruchsal. Die Stadtwerke investieren nach eigenen Angaben rund 100 Millionen Euro in den Ausbau ihres Fernwärmenetzes.
Schon heute versorgt das Geothermie-Kraftwerk der EnBW die benachbarte Landespolizeischule mit Fernwärme. Seit 2019 produziert das Kraftwerk die hierfür benötigte Wärme. In einer zweiten Ausbaustufe soll möglichst das gesamte Industriegebiet an der Autobahn bei Bruchsal mit Fernwärme versorgt werden. Dazu laufen entsprechende Verhandlungen.
„Wir wollen Leuchtturmregion sein und wir wollen uns bis 2040 selbst versorgen können“, sagt Bruchsals Oberbürgermeister Sven Weigt. Fernwärme sei dabei ein wichtiger Baustein der Energiewende in Bruchsal, betont der Chef der Stadtwerke, Sebastian Haag. Das Netz sei bis in zehn Jahren so weit, dass es rund ein Drittel des Wärmebedarfs in der Bruchsaler Kernstadt abdecken könne. Rund 65 Prozent der benötigten Wärme soll dann vom Geothermiekraftwerk am Ort bereitgestellt werden.
Das Besondere an der Geothermie-Anlage in Bruchsal: Sie läuft auch nach 17 Jahren absolut störungsfrei. Darauf verweist ihr Geschäftsführer Thomas Kölbel. Es habe in Bruchsal nie seismische Vorkommnisse, also Erschütterungen der Erde, gegeben. Auch Beschwerden von Anwohnern habe es nicht gegeben.
Kölbel führt das auf eine gründliche Ingenieursarbeit am Standort zurück. Man habe sich mit der Entwicklung und mit der jetzt geplanten Erweiterung der Geothermie-Anlage Zeit gelassen. Auch einer Verdopplung der Wärmeleistung sieht Kölbel gelassen entgegen. Tests dazu liefen schon seit 2008.
SWR