Tiefengeothermie in Baden-Württemberg: Landesregierung will Hemmnisse aus dem Weg räumen

22.06.2026 | Politik | Karin Jehle
Grüne Fernwärme

Die grün-schwarze Koalition im Ländle hat im Koalitionsvertrag die Bedeutung der Tiefengeothermie als Schlüsseltechnologie für die Wärmewende erkannt und will den Ausbau unterstützen.

In einer Pressemitteilung nimmt die Plattform Erneuerbare Energien (PEE BW) Bezug auf den Koalitionsvertrag und drängt auf einen konsequenten Ausbau der Tiefengeothermie in Baden-Württemberg. So sei vereinbart, Hemmnisse für den Ausbau abzubauen und die Umsetzung von Projekten im Bau oder in der Planung weiter zu unterstützen. 

In Baden-Württemberg sind die Bedingungen für die Wärme aus der Tiefe besonders günstig, insbesondere im Oberrheingraben und in Oberschwaben. Laut PWW BW sind aktuell gut 20 Anlagen in Betrieb, im Bau oder in Planung. Gerade für Kommunen und Stadtwerke stellt die Tiefengeothermie eine große Chance dar, um die kommunale Wärmeplanung umzusetzen. Schließlich liefern Geothermieanlagen unabhängig von Witterung und Jahreszeit langfristig bezahlbare, preisstabile Energie ohne fossile Brennstoffe. Klimaschutz geht hier Hand in Hand mit Sicherheit, kommunaler Wertschöpfung und der nachhaltigen Nutzung lokal vorhandener Ressourcen.

"Kommunen und Wärmekunden müssen jetzt die Chance ergreifen und die Umsetzung von Projekten positiv begleiten, damit auch die Investitionen in Wärmenetze getätigt werden können. Ohne wirtschaftliche und sichere Wärmequellen werden kommunale Wärmenetze nicht umgesetzt“, erklärt Jürgen Scheurer, Geschäftsführer der PEE BW. Nachteilig sei jedoch, dass bei Projekten mit Stromerzeugung derzeit keine Gelder aus der Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) fließen. Ohne diese Einschränkung wäre die Finanzierung deutlich einfacher, der Ausbau käme schneller voran.

17 Anlagen in Baden-Württemberg in Planung

Nachdem Anfang der Nuller-Jahre bei einzelnen Geothermieprojekten Fehler begangen wurden, die zu Gebäudeschäden führten, war das Image der Branche im Südwesten beschädigt, auch wenn es sich nicht um hydrothermale Tiefengeothermie gehandelt hatte. Aus den Fehlern wurde gelernt und die Dringlichkeit für eine verlässliche und klimafreundliche Wärmeversorgung ist deutlich gewachsen. Daher gewann die Tiefengeothermie in Baden-Württemberg zunächt langsam, aber mit zunehmender Dynamik an Bedeutung. Mehrere Unternehmen und Energieversorger sind in der Planung oder Umsetzung von konkreten Projekten, vor allem im Oberrheingraben. Nach Zahlen der PEE BW sind derzeit 17 Anlagen in Planung, eine im Bau und drei in Betrieb.

Das Geothermiekraftwerk Bruchsal der EnBW erzeugt bereits seit 2009 Strom und Wärme. Seit 2020 versorgt eine Geothermieanlage in Pfullendorf die dortige Bundeswehrkaserne mit Wärme. In Bad Urach gibt zudem es eine Forschungsanlage. In Graben-Neudorf bei Karlsruhe steht eine Anlage vor der zweiten Bohrung. Von Basel bis Mannheim und von Friedrichshafen bis Ulm sind mehrere Anlagen geplant. Ein Beispiel ist das Vorhaben des Regionalversorgers Badenova bei Freiburg. 

Einen Überblick über die Projekte zeigt die Geothermieportalkarte der PEE BW. 

Die Landesregierung will nun die Dynamik weiter befeuern und plant beispielsweise eine Standardisierung von Genehmigungsverfahren. Zudem hat die Geothermiebranche laut PEE BW einen Ombudsverein Erdwärme gegründet. Ziel sei ein niederschwelliger und schneller Schadensausgleich im unwahrscheinlichen Fall von Schäden. 

Leitfaden Geothermie am Oberrhein

Im August 2023 hat die Agentur Enerchange einen Leitfaden veröffentlicht, der sich speziell der geothermisch hochinteressanten Oberrheinregion widmet. Die Publikation bietet auf 24 Seiten umfassende Informationen zu beispielsweise:

  • Geologie des Oberrheingrabens
  • Verschiedene Nutzungsarten der Geothermie
  • Genehmigungsverfahren, Bohrungen, Sicherheit
  • Klimaschutz und regionale Wertschöpfung

Der Leitfaden enthält Interviews mit Expert:innen, ein Glossar und eine Liste wichtiger Adressen und Links. Er ist gegen eine Schutzgebühr von 12,50 € / inkl. MWSt + Versand über agentur [at] enerchange.de (agentur[at]enerchange[dot]de) erhältlich.