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Traunstein will Strom aus Geothermie nutzen

1. April 2019

Ein landkreisübergreifendes Energiekonzept stellt die hervorragenden Möglichkeiten der geothermischen Nutzung in Südostoberbayern heraus. Der Umweltausschuss des Kreises Traunstein erkennt darin eine große Chance.

Als vergangene Woche der Kreisumweltausschuss in Traunstein tagte, kommentierte Landrat Siegfried Walch das Vorhaben Wärme und Strom aus Geothermie zu gewinnen mit: „Eine große Chance für die Region“. Das berichtete die Passauer Neue Presse (PNP) in der Lokalausgabe.

2015 fasste der Regionale Planungsverband für die Region 18, Südostoberbayern, den Beschluss, ein landkreisübergreifendes Energiekonzept erstellen zu lassen. Die Schwerpunkte sollten dabei auf erneuerbaren Energien wie etwa Biomasse, Biogas, Abfall- und Reststoffen, Wasserkraft und Geothermie liegen.

Ein Gesamtkonzept, das von dem Unternehmen „Team für Technik“ aus München durch den Einsatz entsprechender Experten koordiniert wird, liegt noch nicht vor. Zuständig für den Bereich „Geothermie“ ist die Erdwerk GmbH.

Geothermie im Landkreis

Diplom-Geologe Ulrich Steiner von der Erdwerk GmbH stellte auf einer regionalen Tagung die bisherigen Erkenntnisse zum geothermischen Potential im Landkreis Traunstein vor. Er führte aus, dass sowohl im Norden als auch im Süden des Landkreises hervorragende Bedingungen zur Nutzung von Erdwärme vorliegen: Die Wassertemperatur nimmt in 2.000 Metern Tiefe von Nord nach Süd zu. Während im Norden 50 Grad Celsius vorgefunden werden, sind es im Süden in der gleichen Tiefe 150 Grad Celsius. Zudem ist die Salinität des Tiefenwassers gering, so der Experte.

Steiner skizzierte auch die Entwicklung der Geothermie in den letzten Jahren. Während im Jahr 2002 vier Geothermie-Konzessionen erteilt wurden, waren es im Jahr 2013 80. Aktuelle Zahlen zeigen, dass zur Zeit etwa 50 Konzessionen – meist im Raum München aber auch in Südostoberbayern - erteilt sind. Dies bringt den Vorteil mit sich, dass daher vielerorts die Seismik schon durchgeführt wurde und die sehr teuren Probebohrungen (1.500 Euro je Bohrmeter) bereits abgeteuft sind.

Wärme- und Strompotential

Die PNP berichtet weiter, dass, laut Steiner, das thermische Potential bei 40 bis 140 Megawattstunden (MWh) je Gemeinde oder etwa 1.660 MWh im Landkreisgebiet liegt. Was die Stromgewinnung betrifft, liegt ein Potenzial von etwa 130 MWh bei einer Fördertemperatur von 115 Grad Celsius vor. Um genauere Angaben zur Energiegewinnung aus oberflächennaher Geothermie machen zu können, bedarf es noch Untersuchungen vor Ort, so der Diplom-Geologe.

Energiegewinnung aus Erdwärme schafft neue Möglichkeiten, führte Steiner weiter aus. Als Beispiel nannte er den benachbarten Landkreis Altötting, wo in Kirchweidach bereits Gewächshäuser mit geothermischer Energie betrieben werden. Denkbar seien zum Beispiel auch Trocknungsanlagen, jedoch sei die Nutzung der Wärme für Fernwärmenetze am sinnvollsten.

Dr. Birgit Seeholzer von der Wirtschaftsregion Chiemgau und Energiebeauftragte des Landkreises Traunstein fügte hinzu, dass die Gemeinden nach jahrelanger Beschäftigung mit dem Thema, die größten Chancen zur Gewinnung erneuerbarer Energien in der Geothermie sehen.

Geothermie-Projekte in den Gemeinden

Im Landkreis läuft seit 2014 die erste und einzige tiefengeothermische Anlage, die von der Stadt und den Stadtwerken Traunreut betrieben wird. Dr. Seeholzer hob hervor, dass „anfängliche Krankheiten“ bei den Wärmelieferungen behoben wurden und die Anlage seit geraumer Zeit problemlos betrieben wird. Aktuell werden 80 Prozent der gewonnenen Energie zur Verstromung genutzt.

In Bezug auf Geothermie gab es Anfragen von den Gemeinden Nußdorf, Schnaitsee, Seeon-Seebruck und Rupertwinkel. Eine Umsetzung der Vorhaben ist jedoch wegen der umfangreichen Genehmigungsverfahren, für die das Bergamt und die Regierung Oberbayern zuständig sind, nur mit entsprechender Vorlaufzeit möglich. Des Weiteren suche die Gemeinde Schnaitsee noch einen Investor. „Die Energiepreise werden wieder steigen. Da gewinnt die Geothermie neue Bedeutung." so wird Birgit Seeholzer von der PNP zitiert.

Nächste Schritte

Landrat Siegfried Walch hob hervor, dass man versuchen wolle, die Projekte in Abstimmung mit den Kommunen voranzutreiben, da die Geothermie nicht nur grundlastfähig sei, sondern auch Strom ohne Klimabelastung erzeuge. Zur Nutzung der Wärme muss ein sinnvolles Konzept erarbeitet werden. "Sie [die Geothermie] stellt Strom dann zur Verfügung, wenn wir ihn brauchen", so ein weiteres Argument des Landrats.

Alle Kreisräte äußerten sich zustimmend zum Thema Geothermie. Der Schwerpunkt soll auf die Stromgewinnung gelegt werden. (ez)

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