Umstrittener Bohrplatz der „Erdwärme Herrsching“: Gemeinde bietet Betreiber Alternativfläche an

23.03.2026 | Projekte
Herrsching am Ammersee

Schon seit fast zwei Jahrzehnten gibt es Pläne, ein Tiefengeothermie-Projekt in Herrsching am Ammersee im oberbayerischen Landkreis Starnberg zu realisieren. Der vorgesehene Bohrplatz ist jedoch umstritten. Die Gemeinde Herrsching hat deshalb dem Betreiber eine neue Fläche angeboten. 

Wie der Münchner Merkur berichtet, sperrt sich die Gemeinde Herrsching gegen den von der Firma Erdwärme Herrsching beim Bergamt Südbayern beantragten Bohrplatz, der rund 100 Meter vom Naturschutzgebiet Herrschinger Moos entfernt liegt. Großen Einfluss auf die Standortwahl habe die Gemeinde allerdings nicht, weil das Tiefengeothermie-Projekt von „überragendem öffentlichen Interesse“ sei, sagte Herrschings Bürgermeister Christian Schiller. 

Der einzige Hebel, den die Gemeinde ansetzen könnte, sei ein Teilstück eines bestehenden Weges, den die Projektplaner für die Erschließung des Bohrplatzes benötigen. Diese Fläche gibt die Gemeinde nicht her. Sie unterbreitete der Erdwärme Herrsching nun aber ein Angebot für ein anderes Grundstück als Bohrplatz. 

Der Gemeinderat hatte in einer nichtöffentlichen Sitzung über das Thema beraten und laut Bürgermeister fast einstimmig beschlossen, dass Bürgermeister und Fraktionsvorsitzende von diesem Angebot in einer Pressekonferenz berichten. „Uns allen ist Geothermie wichtig“, sagte Schiller bei dieser Pressekonferenz laut Münchner Merkur. Nur nicht an dem Standort am Herrschinger Moos.

Schon seit 2007 gibt es Pläne für eine Tiefengeothermie-Anlage in Herrsching am Ammersee. Für ein Grundstück am Ortsausgang lag 2012 schon ein genehmigter Vorbescheid für einen Bohrplatz vor. Verschiedene Neubaupläne für ein Gymnasium oder ein Krankenhaus in der Nachbarschaft dieses Grundstücks haben sich inzwischen erledigt. Deshalb knüpft die Gemeinde an diese Pläne von einst an und bietet der Erdwärme Herrsching die gemeindeeigenen Flächen an, auf denen die Klinik entstehen sollte. Sie grenzen direkt an ein  Grundstück an, das sich noch immer im Eigentum von Josef Birner, Geschäftsführer des Unternehmens Erdwärme Herrsching, befindet. 

Schon im Juli sei der Firma dieses Angebot gemacht worden, erklärte Bürgermeister Schiller. Ein vorbereitendes Treffen habe die Erdwärme Herrsching aber ausgeschlagen. Stattdessen hatte die Erdwärme Herrsching dem Gemeinderat zuvor ihren Hauptbetriebsplan für die umstrittene Fläche vorgestellt. Als Standort für einen Bohrplatz hatte sich das Unternehmen zwei Grundstücke am Naturschutzgebiet sichern können. Landratsamt und Gemeinde wurden vom Bergamt als Träger öffentlicher Belange gehört. Ihre Stellungnahmen müssen aber keinen Einfluss auf die Genehmigung haben, die beim Bergamt beantragt worden ist.

Nachdem es nun offiziell sei, dass das gemeindliche Grundstück nicht mehr zum Bau eines Krankenhauses benötigt werde, wiederhole der Gemeinderat sein Angebot, betonte Bürgermeister Schiller. „Wir sind nun gespannt auf die Reaktion.“ Projektmanagerin Sophie Birner sagte dazu schon dem Münchner Merkur: Um zu klären, ob es sich bei der jetzt angebotenen Fläche überhaupt um eine seriöse Alternative handelt, müssten die Untersuchungen der vergangenen drei Jahre komplett neu durchgeführt und ausgewertet werden – mit offenem Ausgang, ob die Grundstücke am Ende überhaupt geeignet sind. Stattdessen liege ihr der Bescheidsentwurf zur Stellungnahme vor und sehe die Zulassung des Hauptbetriebsplans am vorgesehenen Projektstandort vor.

Quelle:

Münchner Merkur