Zahlreiche Mikrobeben in Oberhaching: LMU-Experte vermutet Zusammenhang mit Bohrungen für Laufzorn II

11.02.2026 | Reservoirerschließung
Der Bohrplatz des Projekts Laufzorn II.

Zu fast 300 Mikrobeben ist es laut der Facebookseite „Erdbeben in Deutschland“ am Wochenende in Oberhaching gekommen. Vermutet wird ein Zusammenhang mit dem Geothermie-Projekt Laufzorn II. Alle Ereignisse lagen aber „weit unter der Fühlbarkeitsschwelle“, teilte das Geophysikalische Observatorium der Ludwig-Maximilians-Universität München mit.

Das Geophysikalische Observatorium in Fürstenfeldbruck bestätigte laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung die Erkenntnisse der Facebook-Seite über Erdbeben in Deutschland. Die überwältigende Anzahl dieser Mikrobeben in Oberhaching sei mit Magnituden von bis zu -1 Ml sehr klein, erklärte Joachim Wassermann, Leiter der Abteilung Seismologie am Geophysikalische Observatorium in Fürstenfeldbruck. Das Geophysikalische Observatorium ist eine Außenstelle der Geo- und Umweltwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Sie gilt als führend bei der Erdbebenüberwachung und der Messung der Erdmagnetik in Europa.

Die größeren Beben haben laut Wassermann eine Magnitude von maximal Ml 0,9 aufgewiesen und lagen damit ebenfalls „weit unter der Fühlbarkeitsschwelle“. Die Magnitude Ml bezeichnet die Einheit auf der Richterskala. Bis zu einer Magnitude von 2,0 spricht man von Mikrobeben, die nicht spürbar sind. Bei sehr leichten Beben zwischen 3 und 4 merkt man die Erschütterungen zwar, aber Schäden sind selten. Sichtbare Bewegungen von Zimmergegenständen oder Erschütterungsgeräusche können ab Stärke 4 bis 5 auftreten, Schäden an Gebäuden ab Stärke 5 bis 6. 

Joachim Wassermann hält laut dem SZ-Bericht einen Zusammenhang zwischen den Mikrobeben und den aktuellen Geothermie-Bohrungen in der Nähe des Oberhachinger Ortsteils Laufzorn für wahrscheinlich. Südlich der bereits bestehenden Geothermie-Anlage bohrt die Erdwärme Grünwald für das Projekt „Laufzorn II“ bis in eine Tiefe von rund 4.000 Metern wieder nach heißem Wasser. Auf der von der LMU betriebenen Webseite erdbeben-in-bayern.de werden die Erschütterungen in Oberhaching am Samstag, 7. Februar, und Sonntag, 8. Februar, mit einer Tiefe von vier Kilometern angegeben.

Da solche Mikrobeben als Folge von Arbeiten im Untergrund nie auszuschließen seien, werden die verschiedenen Geothermie-Standorte und aktuelle Bohrungen laut Wassermann von einem seismischen Netz überwacht. Das Monitoring werde im Großraum München in einem gemeinsamen Messverbund bestehend aus staatlichen Messstationen des Erdbebendiensts Bayern sowie von privaten Messstationen der jeweiligen Betreiberfirmen sichergestellt. Die aufgezeichneten Daten werden dabei sowohl von staatlicher Seite als auch von Betreiberseite unabhängig ausgewertet. Schwächere Mikrobeben unterhalb der Fühlbarkeitsschwelle seien an vielen Geothermie-Projekten nicht unüblich, erklärt Wassermann, wobei die kleinsten Ereignisse in Absprache mit dem Bergamt und Betreiberfirmen nicht vollständig auf der Webseite des Erdbebendiensts aufgeführt würden.

Laut einer aktuellen Stellungnahme der Erdwärme Grünwald habe der Erdbebendienst bestätigt, dass keinerlei Gefährdung besteht und die festgestellten seismischen Werte unter dem üblichen Grenzwert liegen, der überhaupt vom seismischen Dienst gemessen und berichtet wird. „Ob diese sehr geringen, seismischen Aktivitäten im Zusammenhang mit den Geothermie-Bohrungen in Laufzorn stehen, steht nicht fest“, schreibt die Erdwärme Grünwald. Dennoch überprüfe man als vorbeugende Vorsichtsmaßnahme die Bohrung vollständig.

Quelle:

Süddeutsche Zeitung

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