Das Geothermieprojekt im Landkreis Traunstein hat eine lange Vorgeschichte. Bereits im Mai 2009 hatte sich der Projektentwickler Geoenergie Bayern das Aufsuchungsrecht für den Claim „Rupertiwinkel“ gesichert. Im Juni 2014 gab die Geoenergie Bayern den Claim wieder an das Bergamt zurück. Später wollte die Salzburg AG das Projekt gemeinsam mit den Stadtwerken München und den Anliegergemeinden auf den Weg bringen. Im Februar 2016 verkündete die Salzburg AG überraschend ihren Rückzug aus dem Projekt. Als Grund gab sie die mangelnde Wirtschaftlichkeit aufgrund drastisch gefallener Gaspreise im Vorjahr an.
Fast drei Jahre lagen die Pläne brach, bis 2019 mit dem japanischen Unternehmen Marubeni ein neuer Partner präsentiert wurde. Im Juli 2021 wurde das Projekt jedoch gestoppt, weil die erste Bohrung nicht die Erwartungen erfüllte. Man sei zwar auf hohe Temperaturen gestoßen (über 150 Grad Celsius), aber auf viel zu wenig Wasser aufgrund einer zu geringen Gesteinsdurchlässigkeit. Der Bohrplatz blieb allerdings erhalten.
Jetzt soll aus dem Projekt ein „Green Energy Hub“ werden, wie der neue Eigentümer mitteilte. „Wir danken den Vorbesitzern für die qualitativ hochwertigen Arbeiten, um das geothermische Potenzial im Erlaubnisfeld Rupertiwinkel zu verstehen“, sagte der CEO der ZeroGeo Energy GmbH, John Ashbridge. „Mit diesem Kauf schlagen wir ein neues Kapitel auf und freuen uns auf die Entwicklung in Kirchanschöring.“
Bestehen soll der „Green Energy Hub“ nach Unternehmensangaben aus einer zweifachen Erdwärme-Nutzung sowie einem Batterie-Energiespeichersystem. Geplant ist ein Pilotprojekt der petrothermalen Tiefengeothermie zur Stromerzeugung mit einer Leistung zwischen 3 und 5 Megawatt. Gespeichert werden soll der so erzeugte Strom in einem Batteriesystem mit einem Speichervermögen von etwa 10 Megawatt, teilte ZeroGeo Energy mit. Darüber hinaus soll Wärme an die Gemeinde Kirchanschöring sowie Industriekunden verkauft werden.
Dazu soll die bestehende Bohrung nach Unternehmensangaben umfunktioniert werden. Angestrebt wird die Nutzung eines Bohrlochwärmetauschers. Die auf diese Art gewonnene Wärme soll über eine rund 1000 Meter lange Leitung zur bestehenden Biomasseanlage Kirchanschöring transportiert werden, um von dort das örtliche Fernwärmenetz zu unterstützen. Die technischen Studien zu diesem Vorgehen seien aber noch nicht abgeschlossen.
Parallel dazu strebt ZeroGeo Energy weitere Bohrungen an, mit denen Strom erzeugt werden soll. Die technologischen Weiterentwicklungen der vergangenen Jahre sollen es ermöglichen, das Potenzial im Aufsuchungsfeld Rupertiwinkel zu nutzen. Das exakte Vorgehen werde nach Unternehmensangaben derzeit evaluiert.
ZeroGeo Energy