Zwischenstand bei Laufzorn II: Geothermieprojekt in Grünwald macht große Fortschritte

30.06.2025 | Geothermiekraftwerk | Enerchange

Der Ausbau des größten geothermischen Fernwärmenetzes Mitteleuropa schreitet erfolgreich voran. Das Projekt Laufzorn II befindet sich auf Kurs. Die erste Bohrsektion ist abgeschlossen, die Casings sind betoniert und alle Qualitätsprüfungen wurden erfolgreich bestanden. Am vergangenen Freitagabend startete die Bohrung der zweiten Sektion bis auf eine Tiefe von 2.500 Metern. Die dafür benötigte neue Casingstrecke liegt bereits auf dem Bohrplatz bereit. 

Wachsendes Interesse - Nationale und internationale Besucher vor Ort

Das Interesse an Laufzorn II nimmt spürbar zu. Zuletzt informierten sich der Vorstand der Stadtwerke Bremen, Vertreter der OMV sowie anschließend eine Delegation der BEW Berlin über das Projekt. Die Gespräche machten deutlich: Der Weg hin zu einer klimafreundlichen Fernwärmeversorgung, auch in Bestandsnetzen, ist nur mit verlässlicher Förderung, tragfähiger Risikoabsicherung und beschleunigten Genehmigungsprozessen wirtschaftlich umsetzbar. 

Auch international wird Grünwald als Vorbild wahrgenommen. Eine Studiengruppe aus der Gyeonggi-Provinz (Republik Korea), unterstützt von der Hanns-Seidel-Stiftung Korea, besuchte jüngst das Werk. Ihr Ziel: Lernen von den besten Beispielen für die erfolgreiche Umsetzung geothermischer Energieversorgung. Geschäftsführer Andreas Lederle präsentierte das Werk und gab Einblicke in die Herausforderungen und Erfolge beim Aufbau des 110 km langen Fernwärmenetzes und des Heiz-Kraftwerks.

Pionierarbeit mit Weitblick 

„Grünwald hat in mehrfacher Hinsicht Glück“, sagte Bürgermeister Jan Neusiedl zum Spatenstich des neuen Werks. „Zum einen aufgrund der geologischen Voraussetzungen – heißes Thermalwasser in 4.000 Metern Tiefe – zum anderen, weil wir früh die Weichen richtig gestellt haben.“ Bereits vor über 15 Jahren beschloss der Gemeinderat, auf Geothermie zu setzen – lange bevor diese Technologie bundesweit auf der politischen Agenda stand.

Rund 200 Millionen Euro wurden bisher in das bestehende Geothermie-Netz investiert. Der Bedarf wächst stetig. Allein 2022 wurden über 400 neue Haushalte angeschlossen, viermal so viele wie ursprünglich geplant. Für 2024 wird mit 150 neuen Hausanschlüssen gerechnet.

Zukunftssichere Wärmeversorgung

Mit Laufzorn II wird die Grundlage für eine vollständig fossilfreie Wärmeversorgung in Grünwald geschaffen. Nach intensiven geologischen Untersuchungen und erfolgreich abgeschlossenen Probebohrungen wird im Frühjahr 2025 bis auf 4.000 Meter gebohrt. 2026 soll die Obertageanlage gebaut werden, mit geplanter Einspeisung ins Fernwärmenetz zur Heizperiode 2027/28.

Der Bund unterstützt das Projekt im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) mit 61 Millionen Euro. Insgesamt beläuft sich das Investitionsvolumen von Laufzorn II auf rund 150 Millionen Euro.

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