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Energie-Wende-Garching GmbH & Co. KG
Schleißheimer Straße 91
85748 Garching
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Fax: (089) 1891 779-20
E-Mail: info [at] ewg-garching.de
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Den Startschuss zur Erschließung und Nutzung der tiefen Geothermie in Garching setzte eigentlich die AG Recycling GmbH. Das Unternehmen bereitet jährlich große Mengen Altholz auf, das als Brennstoff in dem geplanten Biomasse-Heizwerk verwendet werden sollte. Um eine fast 100-prozentige Wärmeversorgung aus regenerativen Energieträgern für die Siedlungsgebiete in Garching und Hochbrückgewährleisten zu können, war eine Wärmeproduktion aus Biomasse (75 Prozent) und Geothermie (25 Prozent) vorgesehen. Jedoch musste aufgrund ungünstiger wirtschaftlicher Gegebenheiten die Realisierung der Wärmegewinnung aus Biomasse auf unbestimmte Zeit verschoben werden.
Zu Beginn bildete die AG Recycling GmbH zusammen mit der Stadt Garching und der E.ON Bayern AG (die heutige Bayernwerk AG) die Energie-Wende-Garching GmbH & Co. KG (EWG). Im Frühjahr 2012 stieg die AG Recycling GmbH aus der EWG aus, um sich ganz auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Bisher ist kein anderer Investor eingesprungen, so dass E.ON Bayern AG und die Stadt Garching die alleinigen Gesellschafter der EWG sind und sich an den Investitionskosten zu jeweils gleichen Anteilen (50 Prozent) beteiligen. Während die Biomasse-Pläne unverändert auf Eis liegen, liegt der Fokus der EWG auf der Wärmenutzung aus Geothermie.
Ursprünglich waren für das Geothermie-Projekt der EWG zwei Bauphasen geplant, die Ende 2013 abgeschlossen werden sollten. In der ersten Phase sollten zwei geothermische Bohrungen, eine Geothermie-Heizzentrale und zwei Fernwärmenetze für Garching und Hochbrück errichtet werden. Die Investitionskosten wurden auf rund 46 Millionen Euro geschätzt. Beide Heizwerke zusammen sollten eine installierte Wärmeleistung von 36 Megawatt in Garching und 32 Megawatt in Hochbrück gewährleisten. Erwartet wurden eine jährliche Wärmeerzeugung von rund 75 Millionen Kilowattstunden, die rund 85 Prozent des gesamten städtischen Wärmebedarfs abdecken würden. In der zweiten Bauphase sollten dann ein Biomasse-Heizkraftwerk gebaut und der Ausbau des Fernwärmenetzes (bis circa 40 Kilometer Gesamtlänge) weiter vorangetrieben werden. Hierfür waren zusätzliche Investitionskosten in Höhe von rund50 Millionen Euro vorgesehen. Übrig blieb von der zweiten Bauphase nur der Ausbau der Fernwärmenetze - nun aber ausschließlich für die Wärme aus Geothermie.
Die erste Bohrung konnte erfolgreich im Herbst 2008 auf 2.165 Meter (MD) abgeteuft werden. Die zweite Bohrung erfolgte ab Januar 2009 und erreichte drei Monate später eine Tiefe von 2.226,5 Meter (MD). Beide Bohrungen liegen übertage 1.886 Meter voneinander entfernt. Bei den Zirkulationstests stellte sich heraus, dass die erste Bohrung aufgrund hervorragender Durchlässigkeit und optimaler technischer Rahmenbedingungen zur Verpressung des abgekühlten Tiefengrundwassers am besten geeignet ist und somit als Injektionsbohrung herangezogen wird. Die zweite Bohrung dient in der geothermischen Dublette somit als Förderbohrung. Parallel zu den Bohrungen wurde mit dem Ausbau der Fernwärmeleitungen und der Geothermie-Heizzentrale begonnen.
Da die Geothermie-Heizzentrale noch nicht betriebsbereit war, wurden die ersten Kunden der EWG zum 1. Oktober 2010 vorerst mit 327.000 Litern destilliertem, entsalztem Wasser versorgt, das zunächst mit mobilen Wärmeerzeugungsanlagen und später durch Heizölkessel erwärmt wurde. Die Wärmeerzeugung durch die Geothermie-Anlage erfolgt erst ab April 2011. Bis zu einer Außentemperatur von 4 Grad Celsius Aussentemperatur kann die Wärmeversorgung ausschließlich durch Geothermie gedeckt werden. Bei niedrigeren Temperaturen ist eine Zuheizung notwendig. Im Feburar 2013 wurde diese Zuheizung von Öl auf Erdgas umgestellt.
Die Kosten für beide Bohrungen inklusive der Förder- und Injektionstechnik liegen bei rund 13 Millionen Euro. Die Geothermie-Heizzentrale hat rund 7 Millionen Euro gekostet. Die Höhe aller weiteren tatsächlichen Investitionskosten ist nicht bekannt.
An die Wärmeversorgung aus Geothermie sind neben Wohnhäusern auch Gewerbegebäude angeschlossen. Der Business Campus Garching mit seinen zahlreichen Büro- und Gebäudeflächen ist ein Großabnehmer, der die geothermische Wärme auch an heißen Sommertagen durch den Einsatz von Absorptionskältemaschinen zur Klimatisierung der Büroräume nutzt. Seit 2017 ist die Neue Mitte Garching auf dem Forschungscampus mit neuem Audimax, Hotel, Kongresszentrum und Büroflächen angeschlossen. Der dortige Wärmebedarf entspricht dem von rund 400 neuen Einfamilienhäusern.
Auch der Forschungscampus der Technischen Universität München in Garching soll künftig klimaneutral beheizt werden, nämlich mit der bestehenden Geothermie-Anlage und der Abwärme des Leibniz-Rechenzentrums. Im Regelbetrieb wird künftig komplett auf die Verbrennung von Erdgas verzichtet, berichtet der Münchner Merkur. So können künftig rund 30.000 Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart werden – und das bei niedrigeren Betriebskosten als bislang.
Für die Umsetzung werden am Garchinger Campus einige neue Fernwärmeleitungen und eine neue Energiezentrale gebaut. Alle Übergabestationen zu den Gebäuden werden erneuert, die Gebäude werden im notwendigen Umfang saniert, so die Technische Universität. Zusätzlich wird die Kesselanlage im bestehenden Heizkraftwerk am TUM-Campus Garching erneuert. Die alte Infrastruktur wird außer Betrieb genommen und vollständig zurückgebaut.
2023 musste die EWG eine Warteliste für Fernwärme-Interessenten eröffnen, weil die Geothermie-Anlage an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen war. Mit verschiedenen Maßnahmen zur Kapazitätssteigerung wurde die Warteliste abgearbeitet und mit der wasserrechtliche Erlaubnis des Bergamts Südbayern im März 2026, die Fördermenge um 50 Prozent zu erhöhen, entstanden zusätzliche Möglichkeiten für neue Anschlüsse an das Fernwärmenetz.
2024 hat die EWG die alte Tauchkreiselpumpe durch ein leistungsstärkeres Gerät ersetzt. Ein erfolgreicher Pumpversuch im Jahr 2025 bestätigte: Die neue Pumpe kann die Fördermenge von bisher 100 auf bis zu 150 Liter pro Sekunde steigern. Bis zur wasserrechtlichen Genehmigung des Bergamts Südbayern förderte die Anlage bereits 130 Litern pro Sekunde und speiste damit 12 Megawatt geothermische Wärme in das Fernwärmenetz ein.
Parallel zur Leistungssteigerung der Geothermie hat die EWG Ende 2025 in ihrer Heizzentrale zwei Großwärmepumpen in Betrieb genommen. Sie nutzen die verbleibende Wärme des Thermalwassers, bevor es in den Boden zurückgeführt wird, und heben diese Wärme mittels elektrischen Stroms auf ein für das Fernwärmenetz nutzbares Temperaturniveau. Seit 2026 versorgen diese Anlagen das Netz in der Mittel- und Spitzenlast mit zusätzlicher Wärme und nutzen die vorhandene Wärmequelle Geothermie damit noch effizienter aus. Wegen des guten Wirkungsgrads der Wärmepumpen wird der Primärenergiebedarf gegenüber fossilen Heizkesseln deutlich reduziert. Der Anteil an fossilen Brennstoffen für die Erzeugung der Wärme der EWG wird noch kleiner.
Das Ergebnis beider Maßnahmen: Die in der Spitzenlast verfügbare erneuerbare Leistung hat sich seit 2020 verdoppelt. In einem nächsten Schritt plant die EWG zudem, einen Tagesspeicher zu integrieren. Er soll die täglichen Schwankungen im Wärmebedarf besser ausgleichen und es ermöglichen, überschüssige erneuerbare Wärmeenergie tagsüber und in den Nachtstunden zu speichern und in Spitzenlastzeiten wieder abzugeben. Damit wird die Effizienz der Geothermie-Nutzung maximiert.