Geretsried

Projektgebiet:
Eavor Geretsried.
Status
in der Entwicklung
TH 1 in m (MD)
6.036 (verfüllt)
TH 2 in m (MD)
5.700 (Sidetrack)
Nutzungsart
Eavor-Loop
Temperatur in °C
165
Zielnutzhorizont
Malm (Oberjura)

Kontakt

Eavor GmbH 
Peter-Müller-Straße 14
40468 Düsseldorf
Telefon: (0211) 169 759-0
E-Mail: info [at] eavor.de

Beteiligte Firmen

Geothermie-Bohrung bei Geretsried

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Im oberbayerischen Geretsried (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) wurde im Jahr 2013 die bis dahin tiefste Geothermie-Bohrung Europas abgeteuft. Doch in der Endteufe der Bohrung gab es nahezu kein Tiefengrundwasser. Trotzdem bleibt der Geothermie-Standort im Geretsrieder Ortsteil Gelting hoch interessant: Hier entsteht das weltweit erste Kraftwerk mit der "Eavor-Loop™"-Technologie. 

Schon ab dem Jahr 2005 liefen die Planungen der Enex Power Germany GmbH für die Errichtung einer hydrothermalen Dublette zur Wärme- und Stromerzeugung in Geretsried. Vorangehende seismische Messungen lieferten diesbezüglich positive Ergebnisse. Mitte 2013 wurde daraufhin die erste geothermische Tiefenbohrung am Standort Geretsried bis in eine Tiefe von 6.036 Meter abgeteuft. Trotz einer höher als zuvor angenommenen Temperatur von rund 165 Grad Celsius blieb die erwartete Förderrate von 100 bis 150 Liter pro Sekunde aus. Sie betrug weniger als 10 Liter pro Sekunde. Da sich die Bohrung somit als unwirtschaftlich erwies, wurde das Projekt zunächst eingestellt.

2017 wurde mithilfe der Bohrung eines Sidetracks bis in eine Tiefe von 5.700 Metern versucht, das Projekt doch noch umzusetzen. Allerdings brachte auch dieser Versuch nicht die erhoffte Förderrate, weshalb im November 2017 der Bohrturm abgebaut und die Energie Geretsried GmbH aufgelöst wurde.

Trotz des Misserfolgs bestätigten sowohl die Bohrung aus dem Jahr 2013 als auch der zusätzliche Sidetrack aus dem Jahr 2017 einen Temperaturgradienten, der sich für die Erzeugung von Strom und Wärme für Fernwärme und Industrieprozesse eignet. 2020 gingen daher Enex Power Germany und Eavor Technologies eine Absichtserklärung zur Errichtung einer Entwicklungsgesellschaft ein. Die gemeinsame Abmachung umfasst die Verwendung der vorhandenen Grundstücke von Enex Power Germany für die Errichtung des "Eavor-Loop™"-Projekts, sämtliche Zugriffsrechte auf die Verbindung zur Stromlieferung an das örtliche Verteilungsnetz sowie die Möglichkeit, die zu gewinnende Wärme an die Stadt Geretsried zur Fernwärmeversorgung zu verkaufen.

Laut aktueller Planung sollen insgesamt vier "Eavor Loops" erstellt werden. Diese sollen im Zielhorizont jeweils mit 12 horizontalen Bohrungen aufgefächert werden, um eine große Wärmetauschfläche zu generieren. Am Ende soll die gebohrte Rohrstrecke pro Loop-System jeweils rund 90 Kilometer lang sein. Anders als bei der hydrothermalen Erschließung zielt die "Eavor Loop"-Technologie nicht auf die Nutzung von heißem Tiefenwasser zur Energieerzeugung ab, sondern auf die Entnahme der hohen Temperatur im Untergrund mithilfe eines eigenen, obertägig gespeisten Kreislaufprozesses durch ein Arbeitsmedium. Nach Angaben von Eavor lässt sich so das Fündigkeitsrisiko umgehen.

Der Spatenstich für den Bohrplatzbau in Geretsried erfolgte am 28. Oktober 2022. 200 bis 350 Millionen Euro soll die Anlage laut Kalkulation kosten. Der Europäische Innovationsfonds fördert das Projekt mit 91,6 Millionen Euro. Die gesamte oberirdische Anlage mit Kraftwerk, Wärmetauscher, Umspannwerk und Übergabestation wurde 2024 fertiggestellt. Der Beginn der Energieproduktion verzögert sich jedoch um ein Jahr. 

Im Dezember 2025 meldete Eavor, erstmals Strom aus seiner Pilotanlage in das öffentliche Stromnetz einzuspeisen. Das kanadische Unternehmen feierte dies als Meilenstein für die Closed-Loop-Technologie und die Geothermie insgesamt. „Mit der Inbetriebnahme der Anlage in Geretsried sind wir zuversichtlicher denn je, dass sich unser geschlossenes System als führende Lösung für kommerzielle Geothermie-Anwendungen etablieren wird“, hieß es in der Pressemitteilung zur erstmaligen Stromeinspeisung. 

Mit Loop Nummer zwei will das Unternehmen im März 2026 beginnen. Für die spätere Fernwärmeversorgung hat die Eavor Erdwärme Geretsried GmbH einen Vertrag mit der Isar Loisach Nahwärme (ILN) unterzeichnet, einer Tochtergesellschaft der Geretsrieder Stadtwerke. Laut deren Geschäftsführer Jan Dühring soll der Netzausbau Mitte 2026 beginnen.

 

Anzahl der Bohrungen
1