Kontakt
Stadtwerke Potsdam GmbH
Steinstraße 104-106, Haus 14
14480 Potsdam
Telefon: (0331) 661 10 00
Telefax: (0331) 661 10 03
E-Mail: info [at] stadtwerke-potsdam.de
Quelle(n)
Stadtwerke Potsdam, Stadt Potsdam, Bundesverband Geothermie
Schlagworte
Nachrichten zum Projekt
Weitere Projekte der Region
Seitennummerierung
- Seite 1
- Nächste Seite
Das erste Tiefengeothermie-Projekt in Potsdam war die Entwicklung des Gebietes „Heinrich-Mann-Allee / Kolonie Daheim“. Mit diesem Neubauquartier wurde in Potsdam erstmals ein gesamtes Stadtviertel vollständig auf eine Wärmeversorgung aus Tiefengeothermie umgestellt. Seit dem 1. Oktober 2025 wird das Quartier, in dem rund 340 Wohnungen entstanden sind, komplett mit Erdwärme beheizt.
Das Projekt gilt als Meilenstein der Wärmewende in der Landeshauptstadt und als Pionierprojekt für ganz Nordostdeutschland. Die Bohrung war die erste ihrer Art in der Region – und übertraf alle Erwartungen: Das Leistungsvermögen liegt mit vier Megawatt doppelt so hoch wie ursprünglich prognostiziert und deckt rechnerisch den Wärmebedarf von bis zu 7.000 Haushalten. Der Salzgehalt des Thermalwassers liegt unter den meisten Thermalbädern, Maßnahmen gegen Korrosion sind aber erforderlich.
Die Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) - ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Potsdam - investierte rund 30 Millionen Euro in das Projekt, nachdem sich im Verlauf der Arbeiten gezeigt hatte, dass die geothermische Quelle deutlich ergiebiger ist als angenommen. Neben der Versorgung des Neubauquartiers wird über einen zweiten Anlagenteil künftig auch Erdwärme für das Potsdamer Fernwärmenetz erzeugt und eingespeist. Bis Ende 2027 soll dieser zweite Abschnitt in Betrieb gehen.
Bei diesem Potsdamer Pilotprojekt leistet die EWP außerdem auch Pionierarbeit bei der Integration der Tiefengeothermie in ein Wohnquartier. Um die Wärme für das Quartier direkt vor Ort zu gewinnen, wurde ein Bohrplatz errichtet, der nach den Bohrungsarbeiten fast vollständig zurück gebaut wurde. Der Großteil der technischen Anlagen verschwand im Untergrund und auf der Fläche des einstigen Bohrplatzes entstand eine Erholungsfläche für die Bewohner des neuen Quartiers.
Ab dem Jahr 2026 soll in Potsdam die zweite Geothermie-Anlage entstehen. Der Auftrag wurde an die UGS GmbH (Untergrundspeicher- und Geotechnologie-Systeme) vergeben, ein integriertes Ingenieur- und Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in Mittenwalde bei Berlin. Zum Einsatz kommt dabei die firmeneigene Bohranlage Rig 110, die zuvor umfassend modernisiert wurde und nun vollständig elektrisch betrieben wird. Die im Potsdamer Süden entstehende Geothermie-Anlage soll im Verbund mit weiteren regenerativen Energiequellen das Heizkraftwerk Süd langfristig bei der Fernwärmeversorgung ablösen.
Das gesamte Potsdamer Geothermieprojekt ist auch ein erfolgreiches Beispiel des Wissenstransfers zwischen der Verwaltung und den örtlichen wissenschaftlichen Einrichtungen. So wird die Brandenburger Hauptstadt bei ihren Geothermie-Planungen von Anfang an vom Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) mit Sitz in Potsdam begleitet. Die Forschenden stehen der EWP von der Grundlagenermittlung bis zur Ergebnisauswertung beratend und beobachtend zur Seite und es gibt gemeinsame Veranstaltungen. Das Ziel der Zusammenarbeit ist es, den aktuellen Zustand des geothermischen Feldes im Raum Potsdam gemeinsam zu erkunden und modellhafte Abschätzungen über die Leistungsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Lebensdauer geothermischer Technologien (auch im Niedertemperatur-Bereich) durchzuführen.